Wo einst die „Lindenstraße“ oder „Verbotene Liebe“ gedreht wurden, soll bald Schluss sein. Der WDR will seinen Standort in Bocklemünd aufgeben.
Heimat der „Lindenstraße“WDR will großes Kölner Produktionsgelände verkaufen

Luftaufnahme des WDR-Produktionsgeländes in Bocklemünd.
Copyright: Uwe Weiser
Irgendwo zwischen Görlinger Zentrum und der A 1 liegt das deutsche Hollywood. Zumindest wollte das der Westdeutsche Rundfunk (WDR) seinen Zuschauern in den 1990er-Jahren so verkaufen.
„Hollymünd“ hieß die Open-Air-Show, die der öffentlich-rechtliche Sender auf seinem Gelände in Bocklemünd rund zehn Kilometer vom Kölner Dom produzierte. Die große, bunte Welt der Unterhaltung sollte ein bisschen Glamour in das ansonsten eher triste Areal am Rande Kölns bringen.
Viele Klassiker wurden dort produziert
In den 1960er-Jahren wurde der Produktionsstandort aufgebaut und später erweitert. Was in der Innenstadt, am Hauptsitz des Senders, nicht zu realisieren war, konnte hier umgesetzt werden.
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Insbesondere die aufwändigen Außenkulissen der „Lindenstraße“, die dort von 1985 bis 2019 gedreht wurde, war vielen Fernsehzuschauern vertraut. Und auch die Vorabend-Soap „Verbotene Liebe“ entstand zu großen Teilen auf dem Gelände.

Christiane Herzog, die Frau des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, und Alfred Biolek posieren für ein Foto der Serie „Alfredissimo-Kochen mit Bio“.
Copyright: picture-alliance / dpa
Doch beide Formate sind längst Geschichte und wer in den vergangenen Jahren einmal über das Areal lief, begegnete dem langsamen Verfall überall. Der WDR muss sparen, je schlanker produziert wird, umso besser, außerdem verändert auch die Digitalisierung die Produktion gerade von Fiktion.
Am Mittwoch kündigte der Sender an, das Areal bis 2035 verkaufen zu wollen. WDR-Intendantin Katrin Vernau sagte: „Wir bündeln und steuern gezielt unsere Kräfte in der Kölner Innenstadt, um unserem Publikum das bestmögliche Programmangebot zu machen. Das sehr große Betriebsgelände in Bocklemünd passt nicht mehr zu den Anforderungen unseres digitalen, smarten Produktionsbetriebs. Ein weiterer Erhalt des Standortes ist für den WDR schlichtweg unwirtschaftlich.“
Vermietung an Bavaria
Das Areal ist knapp 300.000 Quadratmeter groß. Das entspricht umgerechnet rund 41 Fußball-Feldern.
Dass das Gelände zu groß geworden war, stand schon lange fest. Das Ende der „Lindenstraße“ verschärfte diese Entwicklung noch einmal. Zuletzt vermiete der WDR vier der sechs Film- und TV-Studios an die Bavaria Studios. Zwischenzeitlich wurde auf dem Gelände die Sat.1-Show „Promi Big Brother“ produziert.

Fred und Annemie Fussbroich aus der gleichnamigen Serie.
Copyright: IMAGO/United Archives
Der „Kölner Treff“, die Talkshow am Freitagabend, die früher Bettina Böttinger moderierte und heute Micky Beisenherz und Susan Link als Gastgeber hat, ist zwar immer noch in Bocklemünd zu Hause und auch „Tiere suchen ein Zuhause“ wird hier aufgezeichnet, aber die Auslastung reichte dem WDR offensichtlich nicht mehr.
Angesichts des Endes des TV-Klassikers „Lindenstraße“ schrieb auch die „Süddeutsche Zeitung“ 2019: „Es wird still in Hollymünd. Wellblech, Grünspan und Gestrüpp: Mit dem Ende der Lindenstraße leert sich das Produktionsgelände Bocklemünd bei Köln. Wie soll es weitergehen?“
Der Verkauf ist eine Entscheidung, die den Wandel der TV-Landschaft verdeutlicht. Sie kam nicht überraschend, für die Identität des WDR ist es dennoch ein schmerzhafter Verlust. Alfred Biolek lud Mitte der 1980er zur Spielshow „Mensch Meier“ auf das Gelände, bei „Hollymünd“ kreischten verliebte Teenager Mitte der 1990er, wenn Boybands zu Gast waren. Und auch „Zimmer frei“, eines der prägendsten Formate des Senders, feierte hier seine große Abschiedsshow.
Erste Verkaufsgepräche sollen laufen
Der sogenannte Bodenrichtwert für das Grundstück mit der Bestimmung Gewerbe, Industrie, Sondergebiete im offiziellen Landesportal beträgt 195 Euro je Quadratmeter. Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Wert des Quadratmeters in der Region. Gemessen daran wäre das Gelände rund 57 Millionen Euro wert.
Dem Vernehmen nach soll es erste Verkaufsgespräche mit Interessenten geben, doch die Zeiten auf dem Grundstücks- und Immobilienmarkt sind andere als noch vor einigen Jahren.

Die Außenkulisse der Lindenstraße-Kulisse wird abgerissen.
Copyright: dpa
Unter anderem die Abteilungen Veranstaltungstechnik und Ateliers, Multimedia und Großproduktion, Dokumentation und Archive, Kfz- und Transportservice, Aus- und Fortbildung sowie zwei Hallen für Studioproduktionen sind dort untergebracht. Ab 2028 sollen die Mitarbeiter umziehen. Ein Mieter ist unter anderem der Zentrale Beitragsservice.
Der WDR hatte im Geschäftsjahr Einnahmen von 1,67 Milliarden Euro, 75 Prozent davon entfallen auf die Rundfunkgebühren. Die Ausgaben lagen bei 1,61 Milliarden Euro.
Der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen (1995 bis 2007) wollte in Bocklemünd ein neues Sendezentrum bauen, doch seine Nachfolgerin Monika Piel kassierte die Pläne ein, sagte 2007: „Der WDR gehört in die Innenstadt.“
Filmhaus: Umzug nach Bocklemünd geprüft
Auch für das Filmhaus gab es Überlegungen, es aus der Innenstadt nach Bocklemünd zu verlegen. Doch die Verantwortlichen entschieden sich anders: Seit 2018 lässt der Sender das Gebäude von 1974 sanieren, die Kosten sind auf 240 Millionen Euro explodiert, dieses Jahr sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einziehen.

Christine Westermann und Götz Alsmann vor der letzten Sendung "Zimmer frei!" in den WDR-Studios in Bocklemünd.
Copyright: Joern.Neumann
Der Landesrechnungshof äußerte sich kritisch dazu (wir berichteten): „Die Entscheidung zur Sanierung des Filmhauses beruhte auf keiner langfristigen Immobilienstrategie für die WDR-Liegenschaften in der Kölner Innenstadt. Insbesondere fehlte eine angemessene Variantenbetrachtung zur Standortfrage.“ Der WDR wies das zurück.
Nun hat das Gelände in Bocklemünd mit dem Jahr 2035 ein Verfallsdatum. Dann soll der WDR an der Stelle Geschichte sein.
