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Tötungsdelikt in EhrenfeldTodesopfer als Vermieter identifiziert – Streit um Mietschulden der Grund?

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Die Polizei am Einsatzort in Köln-Ehrenfeld.

Die Polizei am Einsatzort in Köln-Ehrenfeld.

Laut Staatsanwaltschaft wollte er „ausstehende Zahlungen“ beim neuen Mieter abholen – dann eskalierte die Situation.

Ein kleiner gelber Zettel, umrahmt von Blumen und Kerzen, steht neben dem Hauseingang eines Mehrparteienhauses an der Venloer Straße. „Marcell, du wirst immer in unseren Herzen bleiben“, ist darauf zu lesen, darüber ein handgezeichnetes Kreuz.

Zwei Tage nach dem Tötungsdelikt im Treppenhaus des Gebäudes hat die Staatsanwaltschaft neue Details bekannt gegeben. Demnach ist der Tatverdächtige ein 31-jähriger Mann, der erst vor wenigen Tagen in eine Wohnung des Hauses eingezogen sein soll. Bei dem Getöteten handelt es sich um seinen 47-jährigen Vermieter. Dieser habe sich am Samstagmorgen, 9. Mai 2026, zur Wohnung des Mieters begeben, „um dort noch ausstehende Zahlungen entgegenzunehmen“, teilte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer mit.

31-Jähriger Tatverdächtiger in U-Haft

Aus „bislang ungeklärten Gründen“ sei es anschließend im Treppenhaus zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Dabei soll der Beschuldigte sein Gegenüber mit einem Messer angegriffen und ihm „eine Vielzahl von letztendlich tödlichen Stich- und Schnittverletzungen“ zugefügt haben – so das Ergebnis der bereits durchgeführten Obduktion. Reanimationsversuche der von Nachbarn alarmierten Rettungskräfte blieben laut Staatsanwaltschaft „leider ohne Erfolg“.

Am Sonntag erließ das Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den 31-Jährigen wegen des dringenden Verdachts des Totschlags. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Nach der Tat war der Mann zunächst in einer Klinik behandelt worden, da auch er Verletzungen aufwies.

Angehörige haben Kerzen und Karten aufgestellt, nachdem am Samstag ein 47-Jähriger in einem Haus in Ehrenfeld getötet worden ist.

Angehörige haben Kerzen und Karten aufgestellt, nachdem am Samstag ein 47-Jähriger in einem Haus in Ehrenfeld getötet worden ist.

Ein Nachbar hatte am Samstag gegen 9.10 Uhr einen Streit im Hausflur bemerkt. Kurz darauf fand er den 47-Jährigen schwer verletzt am Boden und alarmierte Polizei und Rettungsdienst.

Abgesehen von dem kleinen Erinnerungsort vor dem Haus ist am Montag äußerlich kaum noch etwas von dem Vorfall zu sehen. Im Gebäude selbst ist die Stimmung allerdings weiterhin geprägt von Fassungslosigkeit und Verunsicherung. Eine Bewohnerin, die auf derselben Etage wie der Tatverdächtige wohnt, berichtet, sie habe „kurz nach dem Aufstehen“ laute Geräusche im Haus gehört und die Polizei gerufen. Wenig später seien überall Einsatzkräfte gewesen. „Wir sollten in der Wohnung bleiben – das ging bis in den späten Abend“, sagt sie. In dem Haus habe es zwar auch früher immer wieder Streit gegeben, teils auch handgreiflich. „Aber wenn so etwas direkt vor der eigenen Tür passiert, ist das etwas anderes. Das nimmt einen mit.“

Ähnlich schildert es Jawad, der nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren in dem Haus lebt. Früher habe man in dem Haus an der Venloer Straße gut wohnen können, meint Jawad, „aber seit einigen Jahren wird es immer schwieriger“. Auch er habe am Samstag lange in seiner Wohnung ausgeharrt, ohne genau zu wissen, was im Treppenhaus vorgefallen ist. Den mutmaßlichen Täter, der erst vor wenigen Tagen eingezogen sein soll, kennt weder er noch die anderen befragten Anwohner. Er sei in Marokko aufgewachsen, dort „seit meiner Kindheit von Gewalt umgeben“ gewesen, so Jawad. In Deutschland hoffte er darauf, dass sich das ändert – „aber das hat es nicht“, sagt er mit Blick auf die Tat. 

Die Staatsanwaltschaft begründet die Einschränkungen für die Hausbewohner mit den Ermittlungsarbeiten am Tatort: Im Treppenhaus seien „aufwändige Spurensicherungen“ erforderlich gewesen, erklärte Oberstaatsanwalt Bremer. „Vor diesem Hintergrund konnten Bewohnerinnen und Bewohner des Mehrparteienhauses das Treppenhaus für eine längere Zeit nicht wie gewohnt nutzen.“ Die Kriminalpolizei hat eine Mordkommission eingerichtet; die Ermittlungen dauern an.