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„Das kommt auch alles raus“
Historisches Vulkan-Gelände in Köln-Ehrenfeld wird saniert

Lesezeit 3 Minuten
Ein Gebäude des Vulkan-Gewerbeparks in Köln-Ehrenfeld mit begrünter Außenfläche.

Das Vulkan-Ensemble in Köln-Ehrenfeld wird nachhaltig renoviert.

Das über hundert Jahre alte Vulkan-Gelände in Köln-Ehrenfeld soll so modern werden wie die Start-ups, die dort arbeiten.

Thomas Walten will es noch einmal wissen. Nachdem er das Areal der einstigen Leuchtenfabrik „Vulkan“ vor mehr als 20 Jahren übernahm und es zu einem überaus attraktiven kleinen Gewerbepark entwickelte, will er bei jetzt notwendigen Renovierungen völlig neue Wege gehen. „Nachhaltiges Bauen“ ist dabei das Stichwort. Ein Ansatz, der in den Anfängen kaum eine Rolle gespielt habe, räumt der Unternehmer ein.

Nachhaltige Sanierung am Vulkan-Gewerbepark in Köln-Ehrenfeld

Ein Blick zurück in das Jahr 2001: „Wo bist du denn hier gelandet?“, habe ihn der damalige Kölner Regierungspräsident Franz Josef Antwerpes entgeistert gefragt, erzählt Thomas Walten über die Anfänge seines Projekts. Die in den 1990er Jahren nach mehr als einem Jahrhundert stillgelegte Leuchtenfabrik „Vulkan“ wollte er revitalisieren. Für Antwerpes sei die Gegend um die Lichtstraße ein „Nachtjackenviertel“ gewesen. Was damals Randlage Ehrenfelds war, ist heute beinahe zentral.

„Der Vulkan“ hat zahlreiche Neubauten in seiner Nachbarschaft, und die weitere Erschließung von Industriebrachen im Stadtteil – etwa das Max-Becker-Areal oder der Thyssenkrupp-Schulte-Komplex – ist noch längst nicht vorbei. Die historischen Bauten der alten Leuchtenfabrik wurden sorgfältig restauriert und neu nutzbar gemacht. Hinzu kamen Neubauten und Außenflächen, mit denen ein beträchtlicher Anteil an Grün in das einstige Industriegebiet kam.

Historisches Vulkan-Gelände vereint Industriecharme mit Moderne

Der Mix aus Backsteingebäuden mit verspielt wirkenden Klinkerbändern und den großflächig verglasten Bauten aus neuerer Zeit ist zu einem Biotop für Startup-Firmen geworden, die nicht nur gute Nachbarschaft, sondern manchmal auch Zusammenarbeit pflegen. „Was wir gemacht haben, ist heute eigentlich überall bei vergleichbaren Projekten State of the Art“, sagt Walten nicht unbescheiden.

Hinter alten Gemäuern findet man helle, saubere Räume, glatte Wände, stylische Beleuchtung, viel Weiß, sparsame Farbgebung – Industriecharme trifft auf moderne Raumgestaltung. Eigentlich kein Grund, etwas grundlegend Neues zu wollen. Doch Thomas Walten will „den Vulkan“ nachhaltiger machen. Mit natürlichen Baustoffen, so wenig energiegeladen wie möglich, sollen die Gebäude saniert werden. Den Anfang macht eine der früheren Fertigungshallen. Wegen ihrer Dachform wird sie „Sheds“ genannt.

Das kommt auch alles raus. Ich bin gespannt, wie es dahinter aussieht
Thomas Walten, Vulkan

Einst wurden hier Stahl- und Eisenteile aus der Gießerei weiterverarbeitet. Zuletzt war unter dem Sheddach ein Maßkonfektionär. Momentan sieht alles nach Rohbau aus. Walten zeigt auf die Ziegelwände und die Metallsäulen. „Das war alles hinter Gipskartonplatten verborgen“, sagt er. Die will er nach Möglichkeit verbannen. Das Material sei viel zu aufwändig in der Herstellung und beim Recyceln.

Zum Teil soll das Mauerwerk frei bleiben, andere Teile der Wände werden mit polierten farbigen Lehmplatten verkleidet. Edle Fliesen aus lehmbasiertem Material sollen die Sanitärbereiche prägen und so auch den Geist der Jahrhundertwende um 1900 wieder in das Gebäude bringen. Die Metallsäulen sollen frei bleiben, so dass die geschweißten Verstärkungen zu sehen sind, mit denen U-Profile tragfähig wurden. Für den Boden wurde Gussasphalt gewählt.

Alle Arbeiten sind mit der Denkmalpflege abgestimmt. Im Herbst sollen die neuen Räume im „Shed“ bezugsfertig sein. Im Turmhaus will Walten weitermachen. Im großzügigen von Säulen geprägten Erdgeschoss klopft er gegen eine Wand – ein hohles Geräusch. „Das kommt auch alles raus. Ich bin gespannt, wie es dahinter aussieht.“ Der Mann will es wirklich wissen.


Das Vulkan-Gelände

1889 errichtete die „Actien-Gesellschaft für Gas und Elektricität“ vor Ort ihre Hauptwerkstatt, 1909 fusionierte sie mit der „Rheinischen Vulkan Chamotte- und Dinaswerke m.b.H“ und stellte fortan etwa Gießeinrichtungen für Stahl und Eisen her. Nach knapp 100 Jahren bewegter Geschichte kaufte dann die Vulkan Grundstücksgesellschaft im Jahr 2001 das 27 000 Quadratmeter große Areal und entwickelte die alten Industriehallen zu einem Gewerbepark. Im Jahr 2005 zogen die ersten Firmen ein. Knapp 30 haben derzeit ihren Sitz auf dem Gelände. Weitere Informationen unter: www.vulkan-koeln.de

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