„Wird Clublandschaft langfristig zerstören“Investor plant Mikro-Apartments in Ehrenfeld – direkt zwischen zwei Clubs

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Das Bürogebäude am Ehrenfeldgürtel 125 wird zum Teil noch von der Post genutzt. Es soll erweitert und zu Wohnungen und einem Hotel umgebaut werden. Foto: Rösgen

Auf dem Gelände des alten Postgebäudes am Ehrenfeldgürtel sollen Mikro-Apartments entstehen.

Am Ehrenfeldgürtel sollen neue Einzimmerwohnungen entstehen – zwischen Bumann&Sohn und Artheater. Die Klubkomm fürchtet, dass das Clubsterben und die Gentrifizierung in Ehrenfeld weitergeht.

Der Verband Kölner Clubs und Veranstalter Klubkomm fürchtet ein weiteres Clubsterben im Stadtteil Ehrenfeld. Die Zukunft von Bumann&Sohn und Arttheater sei in Gefahr. Hintergrund: Auf dem Gelände der alten Post am Ehrenfeldgürtel soll ein neues Wohnhaus mit Mikroapartments entstehen – gleich zwischen den beiden Clubs. „Das wird langfristig nicht funktionieren“, sagt Paulina Rduch von der Klubkomm. Der Verband fordert nun von der Stadt, die Kulturstätten zu schützen.

265 Einzimmerwohnungen in Köln-Ehrenfeld geplant

Der Investor versucht unterdessen zu beschwichtigen. „Köln Ehrenfeld – Coming Soon“ steht auf der Webseite der Savvy Group, die sich auf möblierte Mikroapartments spezialisiert hat. Die Monatsmiete für vergleichbare Savvy-Wohnungen in Düsseldorf-Oberbilk oder Berlin-Friedrichshain liegt bei mindestens 1000 Euro für 18 Quadratmeter. In Ehrenfeld sollen Mieter ab 2025 einziehen können. Mietpreise für die 280 geplanten Wohnungen, davon 265 Ein-Zimmer-Apartments, stehen noch nicht fest.

Visualisierung des neuen Wohnhauses am Ehrenfeldgürtel 125.

So soll das neue Wohngebäude am Ehrenfeldgürtel 125 aussehen.

Die Stadt Köln bewertet die Lage der alten Post als „grundsätzlich geeignet für kleine Appartements“, da der Standort für Familien nicht passend sei. Auch gebe es einen Bedarf an Einzimmerwohnungen. Die Klubkomm, der Verband Kölner Clubbetreiber, sagt hingegen: „Das Projekt verbessert die Wohnungsproblematik unserer Stadt in keinster Weise.“ Dafür seien die Mieten zu hoch. „Gleichzeitig wird es die dort gewachsene Clublandschaft langfristig zerstören.“

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Mögliche Konflikte durch Lärm der anliegenden Kölner Clubs

Die Savvy Group, die zum Schweizer Investment-Manager „Empira Invest“ gehört, zeigt sich auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ diplomatisch. Man stehe in regelmäßigem Austausch mit den Clubbetreibenden, um sicherzustellen, „dass das Projekt im Einklang mit der bestehenden Kulturlandschaft steht“, so eine Sprecherin. Die Projektleiter bewerteten die umliegende Clublandschaft in Ehrenfeld positiv „und sehen sie als Bereicherung für das Viertel. Wir gehen davon aus, dass es keine größeren Konflikte geben wird, da sich bereits ein Altenheim und Wohnbebauung in der Nähe befinden“, so die Investmentfirma.

Paulina Rduch von der Klubkomm sieht das anders. Die Kulturstätten würden natürlich Lärm produzieren. „Anrufe beim Ordnungsamt wären dann nur der Anfang. Wir befürchten eine Klage wie an der Volksbühne.“ Dort hatte vergangenes Jahr ein Nachbar wegen Lärmbelästigung geklagt und vom Verwaltungsgericht Recht bekommen. Sowohl die Stadt als auch die Volksbühne haben dagegen Berufung beim Verwaltungsgericht Münster eingelegt, bis zu einer endgültigen Entscheidung wird es 2024 allerdings keine Konzerte in der Volksbühne geben.

Dass der Lärm auch in Ehrenfeld Thema werden könnte, räumt auch die Savvy Group ein. Für das Gebäude plane man daher mit schallisolierenden Kastenfenstern. Die Stadt prüft das aktuell ebenso wie die Grundrisse und Wohnungsgrößen. „Es wird im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens untersucht, wie Konflikte zwischen Wohnen und Clubs von vorneherein ausgeschlossen werden können“, heißt es, besonders das Lärmproblem müsse dabei noch vor dem Baugenehmigungsverfahren geklärt werden.

Erweiterung der Schutzzone für Clubs in Köln-Ehrenfeld gefordert – auch für Bumann und Yuca

Beim gesamten Bauprojekt hätten die Kulturstätten oberste Priorität. „Ziel der Verwaltung ist es, dass die bestehenden Clubs dort bleiben können und in ihrer Existenz nicht gefährdet werden“, so die Stadt. Der Klubkomm reichen diese Absichtsbekundungen nicht. „In unserer Traumvorstellung würde das ganze Projekt gekippt und es gäbe eine Alternativnutzung wie Kreativräume und Ateliers“, sagt Paulina Rduch.

„Realistisch betrachtet braucht es einen politischen Willen, die Kultur zu schützen.“ Die Klubkomm schlägt deshalb vor, eine bereits bestehende Schutzzone auf die betroffenen Clubs auszuweiten. Für das Yuca und den Club Bahnhof Ehrenfeld ist das auch vorgesehen, der Stadtentwicklungsausschuss soll am Donnerstag darüber beraten.

Bumann&Sohn und Artheater sind allerdings explizit ausgenommen - weil das dem Bebauungsplan für den Ehrenfeldgürtel 125 widersprechen würde. Die Klubkomm kritisiert das und will erreichen, dass auch Bumann und Yuca mit abgesichert werden. Bei dem Bauvorhaben sei das bereits bestehende Clubkataster nicht berücksichtigt worden, so Paulina Rduch.

Die Stadt selbst hatte für den Ehrenfeldgürtel kein Vorkaufsrecht, einen Ankauf habe die Stadt nie in Betracht gezogen, heißt es. Dass das Bauvorhaben der Savvy Group, wie von der Klubkomm gewünscht, also gar nicht mehr kommt, ist äußerst unwahrscheinlich. Clubbetreibende und Investor werden sich arrangieren müssen. Klappt das nicht, steht laut Norbert Oberhaus, Geschäftsführer der c/o pop, viel auf dem Spiel: „Fällt Ehrenfeld, fällt auch die c/o pop. Es gibt keinen anderen Stadtteil, in dem das Festival in dieser Form stattfinden kann.“

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