Eigentlich funktioniert er ja hervorragend, der neue Hublift, aber Martin Bündgens vom Vorstand der gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft Die Ehrenfelder, kämpft noch ein wenig mit der Fernbedienung: „Wo ist denn jetzt der richtige Knopf?“, überlegt er, dann findet er ihn und Isabell Rosenberg wird vom Haupteingang des Nachbarschaftshauses in der Ansgarstraße sanft auf Straßenniveau abgesenkt. Sie ist zwar nicht Mitglied der Genossenschaft, war aber im Wartezimmer ihres Physiotherapeuten auf einen Flyer aufmerksam geworden, der zu einem Tag der offenen Tür einlud. Nach einer neunmonatigen Renovierung ist das Nachbarschaftshaus erstmals barrierefrei.

Die Besucher des Tags der offenen Tür konnten verschiedene Kreativ-Angebote ausprobieren.
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„Das Angebot interessiert mich, besonders die Theater- und Kulturveranstaltungen“, schildert Rosenberg die Eindrücke, die sie in den vergangenen zwei Stunden gesammelt hat. Mit dem neuen Hublift kann sie im Rollstuhl künftig zumindest zum bislang nur über eine Treppe erreichbaren Haupteingang des Nachbarschaftshauses gelangen. Der führt zum „Erdgeschoss“, das aber aufgrund der Architektur des Gebäudes und der Lage neben einem tiefen Innenhof neben St. Barbara nicht unbedingt wie ein Erdgeschoss wirkt.
Neuer Hublift ermöglicht auch Senioren mit Rollatoren und Rollstuhlfahrern den Zugang
„Hier finden auch die meisten unserer Veranstaltungen statt, die oberen Geschosse allerdings sind weiterhin nicht barrierefrei“, erklärt Franziska Liebl, Leiterin der Genossenschaftseinrichtung. Rollstuhlfahrer und Senioren beispielsweise, die auf Rollatoren angewiesen sind, sollten außerdem beachten, dass sie den Hublift nicht selbstständig bedienen können: Über eine Sprechanlage können sie aber Bescheid sagen, dann kommt jemand, der sich mit der Technik auskennt. „Nach und nach werden alle Kurs- oder Workshopleiter einen Schlüssel für den Hublift bekommen“, so Liebl.
Auf mehr als 50 Angebote für alle Altersgruppen kann Liebl die rund 200 Gäste beim Tag der offenen Tür aufmerksam machen, von der Ü-3-Eltern-Kind-Gruppe über Computer-Kurs und Origami-Workshop bis zu Yoga und Senioren-Chor. Grundgedanke des Hauses ist es, dass Menschen aus dem Umfeld eigene Ideen für Kurse und Aktivitäten entwickeln und sie dann hier anbieten, um Mitstreiter zu finden. Nicht nur Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft sind willkommen, das Nachbarschaftshaus steht allen offen.
1000 Besucher kommen pro Monat in das Nachbarschaftshaus in Köln-Neuehrenfeld
„Seit gut drei Jahren ist Franziska Liebl Leiterin des Hauses, seither hat sich eine Menge entwickelt“, sagt Martin Bündgen. Rund 1000 Besucher verzeichne das Nachbarschaftshaus mittlerweile pro Monat, deshalb sei die Renovierung bei laufendem Betrieb sinnvoll gewesen. Wände wurden gestrichen, neues Mobiliar angeschafft – und der Clou ist natürlich der Hublift. „Wir haben immer mehr Mitglieder, die über 50 Jahre alt sind, da mussten wir etwas machen“, meint Sira Müller, ebenfalls Mitglied des Vorstands der 1899 gegründeten Genossenschaft, der heute mehr als 3000 Wohnungen gehören.
Einer der Senioren ist Karl Marzak. Er ist seit zwei Jahren regelmäßig im Nachbarschaftshaus zu Gast. Vor 94 Jahren wurde er in einer Genossenschaftswohnung in der Ennenstraße geboren, Ennenstraße 4, um genau zu sein. Danach ist er allerdings zweimal umgezogen: „Erst in die Ennenstraße 6, dann in die Ennenstraße 10. Mal haben wir unter dem Dach gewohnt, mal im Erdgeschoss.“ Weshalb er denn die Ennenstraße 8 ausgelassen habe, wird Karl Marzak gefragt. „Oh, das weiß ich nicht mehr“, entgegnet er lachend. Aber er besucht ja das Gedächtnistraining im Nachbarschaftshaus, vielleicht fällt es ihm wieder ein.

