Der Markt wächst langsam, aber stetig. Im Großraum Köln pflegen immer mehr Hundebesitzer ihre Tiere in Waschanlagen, weil die Wohnungen oft zu klein und Hundesalons zu teuer sind.
Einmal mit Floh- und ZeckenschutzWenn der Hund in Waschanlage muss
Ein Vergnügen ist das nicht. Das zeigt Finya mit jeder Regung. Der Kurzhaarcollie-Mischling sträubt sich schon auf der kleinen Rampe, die zur Duschwanne führt, weil er ahnt, was gleich auf ihn zukommt. Man ist schließlich nicht das erste Mal hier. Eine Grundreinigung unter der Dusche. Mit allem, was sie gar nicht mag. Viel Wasser, Hunde-Shampoo und Conditioner. Das ist eine Spülung, damit das Fell nicht verklumpt. Und – das ist das Schlimmste – der Fön. Eine Hundewaschanlage ist halt kein Wellnesstempel.
Und die Umgebung auch nicht gerade ein Hundeparadies. Am Neuen Weyerstraßenweg in Zollstock, mitten im Gewerbegebiet, an der Zufahrt zum Containerbahnhof Eifeltor, auf einem Gelände mit einer Hunde-Tagesstätte. „Wenn ein Hund das Waschen oder Duschen generell blöd findet, ist das halt so. Das kriegt man nicht raus. Meine Hündin lässt es über sich ergehen. Mit Todesverachtung“, sagt ihre Besitzerin Jessica. Doch auch ihr sieht man an, dass ihr das kein Vergnügen bereitet.
Finya lässt es über sich ergehen. Mit Todesverachtung
Wer mag es schon gern, wenn der Hund leidet? Jessica ist sichtlich nervös. „Du armer Schatz. Du zitterst ja. Und es ist noch nicht mal Winter. Aber das ist doch hier viel angenehmer als zuhause in der der Dusche.“ Das sieht Finya offensichtlich anders, verweigert den Föhn. Da hilft auch der beste Tipp an der Wand „für kurze Föhnzeit und glückliche Fellnasen“ nichts, der da lautet: „Streife die Nässe aus dem Fell mit beiden Händen ab und trockne – falls vorhanden – mit einem Handtuch vor.“ Bei Finya würde das niemals funktionieren. Dazu müsste sie ja stillhalten. Hund und Frauchen können froh sein, dass ihnen ein zweiter Waschgang mit Spezial-Shampoo für Floh- und Zeckenschutz erspart bleibt.

Dina wäscht ihre Hündin Hiwa in der Waschanlage in Zollstock.
Copyright: Peter Berger
Kann der Hund nicht einfach Hund bleiben? Ist das nicht alles völlig übertrieben? „Nein. Machen Sie das mal in einer kleinen Wohnung. Den Hund in die Badewanne heben oder in der Dusche waschen. Danach kann man das ganze Bad putzen. Da muss er sich nur einmal schütteln. Und wenn ich die Türe nicht schnell genug schließe, vielleicht die ganze Wohnung“, sagt Jessicas Freundin Dina, deren Hund den Waschvorgang schon hinter sich gebracht hat. Hiwa, vier Jahre alt, eine Mixtur aus einen Shiba Inu und einem Husky, ist beim Bad zwar deutlich gelassener, aber Begeisterung sieht auch bei ihre anders aus. „Sie findet das so semi-gut, lässt es aber über sich ergehen. Das ist schön.“
Die Hundewaschanlage habe sie durch Zufall entdeckt, sagt Dina. Für sie ist das kein Luxus, sondern einfach nur eine Arbeitserleichterung. „Wir gehen viel mit unseren Hunden spazieren. Wenn die sich dann im Dreck wälzen und das Erdreich feucht ist, kann das sehr schnell unangenehm riechen. Das möchten Sie nicht zuhause haben.“
Der Hundesalon ist deutlich teurer
Wie wäscht man einen Hund am Automaten? Für Anfänger haben die Betreiber der Waschanlage eine ausführliche Anleitung in den Vorraum gehängt. Bezahlt wird bargeldlos, während der Waschvorgangs kann nachgeladen werden. Der Startpreis liegt bei drei Euro. Ein mittelgroßer Hund kann je nach Zustand vor der Wäsche schon mal 30 Euro kosten. Dina und Jessica finden das in Ordnung. „Beim Hundesalon ist man für die Tierpflege sehr schnell 80 Euro los. Hier muss man zwar selbst Hand anlegen, dafür ist es deutlich billiger.“

Kein Vergnügen für Finya: Jessica und Dina kümmern sich gemeinsam um die Pflege der verschüchterten Hündin.
Copyright: Peter Berger
Im Großraum Köln gibt es vier Hundewaschanlagen. Neben Zollstock noch am Westfriedhof auf dem Gelände des Pflanzenmarkts Holländer und an der Aral-Tankstelle Mundorf an der Grenzstraße in Brück und bei den Rudelfreunden, einer Tagesstätte in Frechen, die professionelle Hundebetreuung anbieten.
Das Schweinfurter Unternehmen Dogwash ist mit 150 Standorten nach eigenen Angaben Marktführer für Hundewaschanlagen in Deutschland. „Wir machen alles. Von der Konstruktion, den Verkauf, den Vertrieb bis zum Betrieb“, sagt Geschäftsführerin Linda Fischer. Begonnen habe alles in den Jahren 2008 und 2009. „Wir haben hier eine große Kaserne mit US-Soldaten. Hundewaschanlagen gibt es dort schon viel länger. Deshalb haben wir uns überlegt, eine Produktion in Schweinfurt zu starten, nachdem wir hier die erste SB-Waschanlage eröffnet hatten. Die Entwicklung hat ein paar Jahre gedauert. Seit 2016 sind wir jetzt auf dem Markt. Heute haben wir Outdoor, Indoor und Container-Lösungen je nach Standort. Die Preisspanne liegt zwischen 20.000 und 50.000 Euro.“
Es gibt noch viele weiße Flecken auf der Landkarte
Nach der Corona-Pandemie habe ein regelrechter Boom eingesetzt. „Es gibt noch viele weiße Flecken auf der Landkarte. Gerade in den Großstädten müsste es noch mehr Anlagen geben. Weder in Berlin noch in Hamburg sei Dogwash bisher vertreten. In Großstädten ist es sehr schwierig, Standorte zu finden“, sagt Fischer. Sobald man mit der Stadt oder der Gemeinde in Gespräch gehen müsste, „zieht sich das hin. Das ist unsere Bremse. Auf Privatgrundstücken ist das kein Problem“. Dogwash will wachsen, expandiert derzeit in der Schweiz, in Österreich und Luxemburg.
Ideale Standorte seien Zoofachmärkte und Autowaschanlagen. „Hundebesitzer haben immer die schmutzigsten Autos. Da spreche ich leider aus Erfahrung. Da kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mutter und Kinder waschen den Hund, der Vater das Auto.“ Die Anlagen seien wartungsarm, die Reinigung erfolgt vollautomatisch. „Da haben wir sehr viel Schweiß und Herzblut investiert. Der Betreiber soll möglichst wenig Arbeit mit der Anlage haben.“
Genau das hat sich Thomas Mundorf auch gedacht. An seiner Aral-Tankstelle in Brück kann man seit November vergangenen Jahres den Hund zur Autowäsche gleich mitbringen. „Ich habe selbst zwei Hunde“, sagt er. „Elli und Yummi. Eine Bulldogge und einen Wolfsspitz. Wenn man abends mit den Hunden um den Block geht und einer von den Kleinen wälzt sich in einer Pfütze, kann man anschließend den Flur, die Treppe und das Badezimmer putzen. Da ist ein Automat die bessere Lösung. So ist das entstanden.“
So langsam läuft das Geschäft an
Als Tankstellenbetreiber sei er auf Nebengeschäfte angewiesen. „Ich hatte ein großes Lager, das ich nicht mehr brauchte, habe das geteilt und die Hundewaschanlage vom niederländischen Anbieter iClean einbauen lassen“, sagt Mundorf. Das System kannte er von der Küste. „Ich bin vorher durch halb NRW gefahren, um mir möglichst viele Anlagen anzusehen.“ Das neue Angebot habe sich schnell herumgesprochen. „Wir haben kaum Werbung gemacht. Neben ein paar Flyern ausschließlich über Internet, Facebook und Instagram.“
Jetzt hofft er, dass derer neue Service ihm auch neue Kunden beschert, die beim ihm tanken, weil sie einen Hund haben. „Es könnte mehr sein. So langsam läuft das Geschäft an.“ Die Hundewaschanlage sei sehr robust, ähnlich aufgebaut wie eine Autowaschanlage, und da habe er ja Erfahrung. Mundorfs Hundewäsche gibt es nur gegen Bargeld. „Kartenzahlung brauche ich nicht. Im Tankstellen-Shop könne man jederzeit Geld wechseln.“ Und vielleicht noch etwas anderes kaufen.