Fall BähnerAnwalt wirft dem Kölner Schussopfer „Lügerei“ vor

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Hans-Josef Bähner beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht mit seinem Verteidiger Mutlu Günal.

Köln – Der ehemalige Porzer CDU-Politiker Hans-Josef Bähner hat seine Schussabgabe auf einen jungen Mann mit einer Bedrohungslage an seiner Gartenmauer erklärt. Der damals 20-Jährige habe ihn angegriffen, mehrfach nach ihm geschlagen. Im Gerangel habe sich dann der Schuss aus der Pistole gelöst. Das Opfer widerspricht dem beim laufenden Prozess vor dem Landgericht.

Zeuge vor Kölner Gericht: „Wollten am Rheinufer chillen“

Er habe im Dezember 2019 nur am Rheinufer chillen wollen, mit drei Freunden und Bekannten, sagte der heute 22-jährige Auszubildende am Freitag im Zeugenstand. Laute Musik über eine Lautsprecherbox, Wodka-Mixgetränke, die Stimmung schien gut. Dann sei man am Grundstück Bähners dessen Hund begegnet. „Sei leise, habe ich zu dem gesagt, als Joke“, so der Zeuge.

Dann sei auch schon der Angeklagte aufgetaucht. „Der hat uns dumm angepöbelt“, sagte der Zeuge, Bähner habe gesagt: „Weg hier, ihr Dreckspack.“ Auch seien Begriffe wie „scheiß Ausländer“ und „Dreckskanaken“ gefallen. Er habe sich provozieren lassen, den älteren Herrn zurück beleidigt. Mit welchen Worten, fragte Richter Ralph Ernst. „Mit den üblichen Sachen.“

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Man bräuchte es konkret, hakte Richter Ernst nach. „Sowas wie Missgeburt, Hurensohn und halt die Fresse“, meinte der Zeuge. „Ach so, das übliche also“, kommentierte der Richter. Ernst hielt dem Zeugen vor, dass Bähner von einem Angriff und einem gebrochenen Finger gesprochen habe. „Nein, ich habe ihn nicht berührt, das stimmt zu hundert Prozent“, sagte der Zeuge.

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Dass ein Freund bei der Polizei geäußert habe, er habe das spätere Schussopfer zurückhalten wollen, könne er sich nicht erklären. Der Zeuge äußerte seinen Unmut, dass bereits kurz nach der Tat die Rollen vertauscht worden, er auch zum Täter gemacht worden sei. Von polizeibekannt sei die Rede gewesen, dabei sei er im damaligen Fall von drei Männern angegriffen worden.

Bähner bestreitet rassistische Äußerungen

Der Hauptvorwurf der Schussabgabe und einer damit verbundenen schweren Fleischwunde geriet während der Vernehmung des Zeugen aus dem Fokus, als die Verteidiger Mutlu Günal und Boris Krösing anzweifelten, dass die ebenfalls angeklagten rassistischen Äußerungen gefallen seien. Diese hätten die Zeugen erst viel später bei der Polizei benannt, als habe man sich abgesprochen.

Verteidiger Günal, der vom Vorsitzenden Richter, auch nach Scharmützeln mit der Nebenklage-Anwältin, mehrfach ermahnt wurde, warf dem Zeugen „Lügerei“ vor. Günal hatte für seinen Mandanten Bähner erklärt, dass dieser in seiner Nachbarschaft und in der Öffentlichkeit nicht als Rassist gelten wolle. Der Prozess soll nächste Woche mit weiteren Zeugen fortgesetzt werden.

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