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Kommentar

Fall um bisexuellen Schiedsrichter
Warnung vor voreiligen Schlüssen

Ein Kommentar von
2 min
Der Kölner Schiedsrichter küsst seinen Freund im Rhein-Energie-Stadion nach dem Heiratsantrag.

Der Kölner Schiedsrichter wurde bundesweit bekannt, nachdem er seinem Freund im Rhein-Energie-Stadtion einen Heiratseintrag gemacht hatte.

Der Fall um den Kölner Schiedsrichter wirft Fragen auf. Unser Autor plädiert daher für mehr Zurückhaltung mit vorschnellen Einordnungen.

Queere Menschen werden beschimpft, bedroht und körperlich angegriffen. Das ist traurige Realität in Deutschland. Wer glaubt, dass dies nur eine Randerscheinung ist, sollte einmal das „Lagebild Hasskriminalität“ des Bundeskriminalamtes lesen, in dem eine drastische Steigerung der Straftaten gegen Menschen aus der sogenannten LSBTIQ-Szene dokumentiert wurde. Die Attacken sind ekelhaft. Es ist richtig, dagegen zu protestieren. Sich dagegen zu positionieren, auch mit deutlichen Worten.

Aber der Fall des Amateur-Schiedsrichters zeigt, wie sich eine Geschichte verselbständigen kann, wenn vorschnell Schlüsse gezogen werden. Dass so etwas in sozialen Medien von (zum Teil) anonymen Usern gemacht wird, ist schlimm genug. Aber wenn auch noch Politiker aus Vermutungen die Gewissheit eines homophoben Überfalls suggerieren, ist eine Grenze überschritten.

Fall um Kölner Schiedsrichter stellt sich möglicherweise anders dar

Im Zusammenhang mit dem Kölner Fall hat etwa Sophie Koch, die Queerbeauftragte der Bundesregierung, von Gegnern der freien und offenen Gesellschaft gesprochen, die queere Menschen „mundtot machen“ wollten. Sollte es sich jetzt bewahrheiten, dass sich der junge Mann in Lügen mit selbst inszenierten Drohmails und Überfällen verstrickt hat, dann hätte er „der gesamten LSBTIQ-Community einen Bärendienst erwiesen“, meint Koch jetzt.

Aber, wohlgemerkt, Kaiser hat nie davon gesprochen, dass er wegen seiner Bisexualität attackiert worden sein könnte. Das hat ein Teil der queeren Community übernommen, zu der auch die Bundesbeauftragte gehört.

Anstatt die Schuld für einen möglichen Imageschaden jetzt auch noch dem Schiedsrichter in die Schuhe zu schieben, sollte Koch sich in Zukunft mit vorschnellen Einordnungen zurückhalten.