Bereits 1210 Kinder haben dort die ersten Tage ihres Lebens verbracht.
1. FC Köln von Anfang anFC-Zimmer in Kölner Krankenhaus ist längst zur Attraktion geworden

Der Traum vom FC-Zimmer lebt: Mario, Sanja und die drei Wochen alte Nika Romic.
Copyright: Martina Goyert
Kaum hatte die kleine Nika Romic das Licht der Welt erblickt, da war sie auch schon FC-Mitglied. Mitzureden hatte sie nichts. Es war der klare Wunsch ihrer Eltern Sanja und Mario Romic, beide glühende FC-Anhänger und -Mitglieder. „Der FC strahlt etwas aus, was kein anderer Verein kann“, sagt der Vater. „Das wird Nika dann auch spüren, wenn sie größer ist.“
Der 1. FC Köln wird vielen Kindern in die Wiege gelegt. Selten trifft diese Redewendung aber so sehr zu, wie bei vielen Neugeborenen, die im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Hohenlind auf die Welt kommen. Denn dank einer Kooperation zwischen Krankenhaus und FC können die Eltern die Mitgliedschaft für ihr Kind direkt über das Krankenhaus beantragen.
Ein kleines Detail fehlte der jungen Familie Romic letztlich als Kirsche auf der rut-wiessen Sahnetorte. Bei der Anmeldung im Krankenhaus können die werdenden Eltern nämlich den Wunsch für eine einzigartige Zusatz-Option äußern: den Aufenthalt im 1. FC Köln-Patienten-Zimmer. Ein kleiner Plüsch-Hennes begrüßt dort das neue Vereins-Mitglied, dazu ein größerer Artgenosse aus Gips, ein Fanschal, rot-weiße Vorhänge und der Schriftzug: „Spürbar anders“.
1. FC Köln von Anfang an: Das spürbar andere Patientenzimmer
Auch Mario und Sanja Romic äußerten den Wunsch nach dem spürbar anderen Patientenzimmer. Erfahren hatten sie davon auf der Arbeit. Die beiden betreiben das Büdchen „Der Junker“ in Junkersdorf, gut 300 Meter entfernt vom Rheinenergie-Stadion. Im Gespräch mit Kunden berichtete der werdende Vater von der anstehenden Geburt – und einer der Kunden meinte: „Wenn ihr wollt, dass eure Kleine eine richtige Kölnerin wird, dann müsst ihr nach Hohenlind ins FC-Zimmer.“ Auch Sanja Romic war angetan von der Idee.
Doch dann kam alles anders als geplant. Die Geburt verzögerte sich. „Jeden Tag, bevor ich zu meiner Frau gegangen bin, habe ich mir das FC-Zimmer noch einmal angeschaut“, sagt Mario Romic. Als Nika Anfang März schließlich zur Welt kam – übrigens am Tag eines FC-Heimspiels - war das Zimmer schon wieder belegt. Die FC-Mitgliedschaft gab es trotzdem. Mario erlebte die Geburt mit, fuhr zur Arbeit ins Büdchen und kam wieder zurück. „Meine Frau war hier in guten Händen. Das war das Wichtigste.“

Monique Nentwich, Daniel Rein, Jörg Alvermann, Ärztin Yaya van der Goltz, der Plüsch-Hennes und die Familie Romic feiern den elften Geburtstag des FC-Zimmers.
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Elf Jahre nach der Eröffnung ist das FC-Zimmer in Hohenlind zu einer emotional aufgeladenen Erfolgsgeschichte geworden. Denn ähnlich wie das Rheinenergie-Stadion ist das FC-Zimmer im Krankenhaus dauerhaft „ausverkauft“. 1210 Neugeborene haben dort in den vergangenen Jahren mit ihren Eltern die ersten zwei bis drei Tage ihres Lebens verbracht. „Die breite Gesellschaft findet sich in diesem Zimmer wieder“, sagt Hebamme Monique Nentwich. „Egal ob Privatpatienten oder gesetzlich Versicherte, egal ob Hardcore-Fan oder der ganz normale Lindenthaler, Braunsfelder oder Frechener. Jeder hat die Möglichkeit, das Zimmer zu bekommen.“ Nicht allen kann der Wunsch erfüllt werden, die Nachfrage sei groß, sagt Nentwich.
Seinen Ursprung hat die kölsche Kooperation – wie es sich gehört – auf einer Karnevalsveranstaltung. Mit dem damaligen FC-Präsidenten Werner Spinner kam Daniel Rein, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, damals schnell auf einen Nenner. „Wir sind das Krankenhaus, das am nächsten zum Stadion gelegen ist. Das passt einfach“, sagt Rein. Der FC sieht es ähnlich. „Wenn Eltern sich entscheiden, ihr Kind mit einem Bezug zum FC zur Welt zu bringen, dann kann man sich keine schönere Geschichte wünschen.“ So etwas Verbindendes gebe es nur in Köln. Eine Kooperation wie diese sorge für eine Bindung, von der der FC lebe. „Wenn Kinder von Anfang an dieses Zusammengehörigkeitsgefühl mit auf den Weg bekommen, dann können wir in diesem Bereich auch mit den Bayern Münchens dieser Welt mithalten“, glaubt Alvermann.
1210 Neugeborene waren schon im FC-Zimmer zu Gast
Weil das Zimmer längst zu einer Art Attraktion im Krankenhaus geworden ist, würden die Verantwortlichen in Hohenlind das Konzept gerne auch in anderen Fachrichtungen des Hauses bringen. „Wir könnten uns das etwa in der HNO-Klinik vorstellen, wo auch viele Kinder operiert oder behandelt werden“, sagt Chefarzt Daniel Rein.
Auch wenn es noch keine konkreten Pläne gebe, sei auch ein zweites FC-Zimmer auf der Geburtenstation denkbar. Darüber würde sich auch Familie Romic freuen. „Wir wünschen uns ein zweites Kind“, sagt Mario Romic. Auch das soll in Hohenlind zum FC-Mitglied werden. Am liebsten natürlich im FC-Zimmer.
