Nach Stellwerksausfall fahren zwischen Köln und Düsseldorf am Dienstag stundenlang keine Züge. Probleme auch bei der S-Bahn. Die Bahn schwört ihre Kunden auf ein hartes Jahr ein.
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Auf der Anzeigentafel im Düsseldorfer Hauptbahnhof werden Reisende am Dienstagmorgen informiert, dass es wegen eines Stellwerkdefekts zu Zugausfällen kommt. Foto: dpa
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Das Jahr ist gerade mal sechs Tage alt, da bekommen Berufspendler und Fernreisende im Rheinland mal wieder mit voller Wucht zu spüren, wie störanfällig die Bahninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen ist. Am Dienstag um kurz nach sechs Uhr früh gibt das Stellwerk für den Düsseldorfer Hauptbahnhof, dessen Technik mehr als 50 Jahre alt ist, seinen Geist auf. Nicht geht mehr. Die Landeshauptstadt verabschiedet sich von der Schiene. Für vier Stunden.
Eine Weichenstörung und ein liegengebliebener Zug zwischen Düsseldorf-Oberbilk und Eller Süd machen das Chaos komplett. Zwischen Köln und Düsseldorf fährt vier Stunden lang bis auf ein paar S-Bahnen nichts mehr, zumindest ein paar Regionalzüge können über Neuss umgeleitet werden. Auch der Fernverkehr ist stark eingeschränkt. Es kommt zu Verspätungen und Zugausfällen. Mit dem Wintereinbruch haben diese Störungen nichts zu tun. „Wir haben uns bemüht, möglichst viele Züge durch Köln zu bekommen“, sagt ein Bahnsprecher.
Auch die S-Bahn zeitweise betroffen
Die Bahn organisiert auf die Schnelle einen Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Düsseldorf und Köln-Mülheim und kann von Glück reden, dass am letzten Tag der Weihnachtsferien der Pendlerstrom noch nicht auf das übliche Maß angeschwollen ist.
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Für den NRW-Verkehrsminister kommt das Chaos zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Auf einem Betriebshof der Rheinbahn in Düsseldorf will Oliver Krischer mit den Spitzen der Verkehrsverbünde doch eine gute Nachricht für die Bahnkunden in NRW verkünden.

Werbung für das eezy-Ticket auf einem Zug der Düsseldorfer Rheinbahn. Das Digitalticket ist seit Januar mit einer Bestpreisgarantie ausgestattet. Foto: Imago
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Das Land stattet das landesweit gültige Digitalticket eezy.NRW ab Januar mit einer dreifachen Bestpreisgarantie aus, die zunächst bis Dezember 2027 gilt. „Wer mit dem eezy-Ticket fährt, zahlt immer den günstigsten Tarif“, sagt der Grünen-Politiker in einer Straßenbahn, die mit eezy-Werbung und einer überdimensionalen eezy-Torte an Bord auf dem verschneiten Betriebsgelände steht. „Bei einzelnen Fahrten, bei mehreren am Tag. Für den Kalendermonat gilt: Wenn die 63 Euro des Deutschlandtickets erreicht sind, fährt man mit eezy den Rest des Monats landesweit kostenlos“, frohlockt der Minister.
Bestpreisgarantie für das Digitalticket
Wenn man fahren kann. In NRW. Das dürfte im neuen Jahr noch schwieriger werden, als es bisher schon war. „2026 und die folgenden Jahre werden sehr herausfordernd“, sagt der Bahnsprecher in Düsseldorf, der auf dem Weg ins Büro selbst von der Weichenstörung betroffen war, und stützt damit die Prognose der neuen Bahnchefin Evelyn Palla, die angesichts der vielen Baustellen für NRW wenig Hoffnung hat, die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit im Regionalverkehr zu verbessern.
Zu den größten Herausforderungen zählen die beiden Generalsanierungen, die im Rheinland anstehen. Ab 6. Februar wird die Strecke Köln-Wuppertal-Hagen bis zum 10. Juli wegen der grundlegenden Modernisierung gesperrt, anschließend folgt bis zum 11. Dezember die rechte Rheinseite zwischen Troisdorf und Wiesbaden.
Altes Stellwerk im Kölner Hauptbahnhof muss durchhalten
Auch das Stellwerk am Kölner Hauptbahnhof, das den Fern- und Regionalverkehr überwacht, bleibt ein Wackelkandidat. Weil die Umrüstung der Infrastruktur auf moderne Digitaltechnik wegen erheblicher Softwareprobleme nicht wie geplant am Jahresende über die Bühne gehen konnte, muss es mindestens bis März 2027 durchhalten. Ein Ausfall wie in Düsseldorf lasse sich nie ausschließen, „auch wenn wir viele störanfällige Elemente in den letzten Jahren bereits ausgetauscht haben“, so der Bahnsprecher.
Die Bahn könne den zweiten Anlauf für die Umrüstung nicht vorziehen, weil neben den Großbaustellen beim neuen Digitalstellwerk noch umfassende Anpassungen der Gesamtsoftware erforderlich seien.
Der von Experten des Herstellers Hitachi nach langem Suchen identifizierte Softwarefehler betrifft laut Bahn den am meisten befahrenen Abschnitt zwischen Köln Messe/Deutz und dem Hauptbahnhof mit mehr als 1300 Zugfahrten pro Tag. Jede einzelne Fahrmöglichkeit müsse jetzt noch einmal geprüft werden. Das brauche seine Zeit. „Die Sicherheit des Bahnverkehrs hat oberste Priorität“, so der Bahnsprecher.
Aus Sicht des NRW-Verkehrsministers muss es bei den vielen Großbaustellen, die auf das Rheinland und NRW zukommen, darum gehen, die Auswirkungen für Pendler möglichst gering zu halten. „Jahrzehntelang hat der Bund vor allem unter CSU-Verkehrsministern viel zu wenig in die Schiene investiert. Für diese Politik der Nicht-Investitionen des Bundes bekommt NRW als hauptbetroffenes Land jetzt die Quittung. Ich bin heilfroh, dass sich das mit der Ampel in Berlin grundsätzlich geändert hat. Endlich haben wir Generalsanierungen. Überall wird gebaut. Es geht voran.“
Wir müssen Nahverkehr und Fernverkehr in NRW besser aufeinander abstimmen
Man rede mit der DB darüber, „wie wir Nahverkehr und Fernverkehr besser abstimmen“, sagt Krischer. Dass der Fernverkehr auch auf hochbelasteten Strecken grundsätzlich Vorfahrt habe, sei nicht mehr zeitgemäß.
„Es kann ja nicht sein, dass ständig verspätete ICE aus Berlin oder Hamburg bei uns ankommen und das System weiter durcheinanderbringen. Als frühere DB-Regio-Chefin kennt Frau Palla das Thema sehr gut. Alle Unternehmen und Verbände scheinen inzwischen begriffen zu haben, dass Vertragsauseinandersetzungen auf dem Rücken der Fahrgäste keine Option sind und sein dürfen. Wir wollen, dass alle langfristig ihren Job gut machen können“, sagt der Minister.
Eine Million Fahrten monatlich sind das Ziel
Easy wird für die Pendler also rein gar nichts im Bahnverkehr in NRW. Bis auf das eezy-Ticket. Von dem ist die Verkehrsbranche vor allem wegen des unkomplizierten Ein- und Auscheckens fest überzeugt, dass es auf Dauer noch mehr Gelegenheitsfahrer überzeugen wird. Eine Million Fahrten pro Monat sind das Ziel, das sie sich ursprünglich für 2026 gesteckt hat.
„Diese Marke haben wir schon im Dezember erreicht“, sagt Krischer auf dem Betriebshof der Rheinbahn in Düsseldorf. „Es ist schon ungewöhnlich, dass man ein Ziel, das man sich gesetzt hat, bereits bei der Verkündung als vollendet melden kann.“ Jeder, der in Zukunft mit dem Smartphone vor einem Fahrscheinautomaten stehe, müsse sich fragen, „ob er nicht etwas grundsätzlich falsch macht“.
Das mag stimmen. Aber das haben sich am Dienstagmorgen viele Pendler auch gefragt, die im Kölner Hauptbahnhof stehen und glauben, sie könnten nach Düsseldorf fahren. Mit welchem Ticket und auf welchem Weg auch immer. Sie werden mal wieder bitter enttäuscht.
