Pferdefleisch für Löwen, Tee für Affen und Medical-Training für Hirscheber: So sieht der Alltag hinter den Kulissen des Kölner Zoos aus. Der Zootag am kommenden Sonntag legt Verborgenes für Besucher offen.
Vom Anliefern zum FütternHinter den Kulissen im Kölner Zoo

Zwei Pflegerinnen führen mit den Sulawesi-Hirschebern das Medical-Training durch.
Copyright: Carolina Mombaur
Mit der Schranke am Ende des Zoos endet normalerweise der Weg eines normalen Besuchers. Doch wenige Meter weiter zeigt sich der Zoo von einer anderen Seite. Hier liegt Heu auf dem Boden, stehen schwere Fahrzeuge in den Garagen, wartet Grünschnitt auf den Abtransport. Ein großer Teil von dem, was es braucht, um einen Zoo am Laufen zu halten, geschieht im Verborgenen.
„Das ist der Wirtschaftshof“, sagt Pressesprecher Christoph Schütt. „Es gibt einen Schlosser, einen Architekten, ein großes Gewächshaus und den Futterhof.“ Der Futterhof ist der Ort, an den kiloweise Futter für die Tiere geliefert wird. Jeden Donnerstag kommt die Wochenlieferung vom Großmarkt. Deswegen steht der Boden des Futterhofes heute voll mit Kisten.

Ingo Linden öffnet die Tür zur Kältekammer im Kölner Zoo. Darin befinden sich rote Kisten voll mit Fleisch.
Copyright: Carolina Mombaur
„Wir stellen das Futter hier zusammen, verpacken es und fahren es dann in die Reviere“, erklärt Ingo Linden, der für den Futterhof zuständig ist. Auf dem Speiseplan stehen Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch. Das Fleisch geht vor allem an die Raubkatzen, aber auch an Affen und Vögel. Hauptsächlich sei es Pferdefleisch, da das gut verträglich sei, so Linden. Fleisch und Fisch lagern in der Kühlkammer. Auf den roten Kisten stehen bereits die Namen der Löwen, die das Fleisch fressen werden. In weißen Kartons, in denen man Druckerpapier vermuten könnte, sind tote Kaninchen. An der Wand hängen sogenannte Hinterviertel vom Pferd, sprich ein ganzes Bein, das zum Beispiel für Erdmännchen kleingemacht werde, so Linden.
Tee für Affen und Schildkröten
Im Trockenraum lagern Obst und Gemüse wie Möhren, Äpfel und Auberginen. „Wir achten darauf, dass das Angebot saisonal ist“, sagt Linden. Sie bestellen bei Einzelhändlern wie Aldi oder Lidl. Der dritte Raum sieht aus wie die Vorratskammer eines Menschen. Dort stehen Honig, Nuss-Nougatcreme und Sonnenblumenöl in den Regalen. „Viel davon ist Beschäftigungsessen“, sagt Linden. „Die Nuss-Nougat-Creme verteilen wir auf der Bärenanlage, damit die Tiere danach suchen können.“ Auch Tee ist in den Regalen zu finden. Darf es Fenchel sein, Earl Grey oder lieber Pfefferminze? Die Pfleger servieren den Affen jeden Morgen Tee, damit sie daran gewöhnt sind, falls sie Medikamente nehmen müssen. Auch den Schildkröten hilft Earl Grey, weil er den Schildkrötenpanzer bei äußerer Anwendung stärkt.

Das Obst, Gemüse und Fleisch für die Tiere wird zum Futterhof geliefert und dort gelagert.
Copyright: Carolina Mombaur
Wenn das Menü eines Tieres am Gehege angekommen ist, wird es von den Pflegern geschnitten und verteilt. Ein Sulawesi-Hirscheber, eine asiatische Schweineart, frisst zum Beispiel Salat, Obst, Wirsing, Pellets und Eier. Das ganze zwei Mal am Tag. Doch Füttern ist nicht alles: Die Pfleger machen jeden Tag ein sogenanntes Medical-Training mit den Schweinen. Dazu gehen sie in das Gehege und trainieren ihnen Tricks an, die bei einer etwaigen medizinischen Behandlung helfen. „Die Schweine lernen, mir die Füße zu geben, weil wir ihnen dann Blut abnehmen können“, erklärt Pflegerin Anja Reißenweber. Auch das kleine Hirscheberkind Peri wird schon trainiert. Dazu steht es auf einem kleinen Podest, damit es weiß, wann es Zeit für das Training ist und sich von der Mutter trennt. Das Training baue außerdem Vertrauen zu den Pflegerinnen und Pflegern auf. „Sie sind ein bisschen wie Hunde und freuen sich jeden Morgen, wenn wir kommen“, sagt Reißenweber.
Führungen und Tätowieren im Zoo
Die Besichtigung des Futterhofes und das Medical-Training sind zwei von fünf Programmpunkten, die der Zoo am Wochenende den Besuchern des Zootages anbietet. Außerdem führt der Zoo durch Hippodom, Giraffenhaus und Aquarium. Alle Sonderführungen sind allerdings bereits ausgebucht. Der Zootag findet jedes Jahr am letzten Sonntag im September statt und soll den Besucherinnen und Besuchern die Arbeit des Zoos näherbringen. Dazu wird es Infostände und Sonderaktionen geben. Dabei sind viele Partner des Zoos vor Ort, wie zum Beispiel der Nabu und das Porzer Gut Leidenhausen. Außerdem können sich Mutige im Zoo tätowieren lassen. Dafür wird die Zooschule zum Tätowier-Studio: Die Erlöse der Tätowierungen kommen einem Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Zoos zum Schutz von Feuchtgebieten zugute. Am Zootag gelten die regulären Tickettarife.