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Historische Stadtmauer Was vom Mittelalter in Köln übrig blieb

Das Hahnentor im späten 19. Jahrhundert

Das Hahnentor im späten 19. Jahrhundert

  • Als sich die Stadtplaner in den 1880er Jahren für den Abriss entschieden, waren sie wenig zimperlich im Umgang mit dem historischen Erbe. Nur drei von zwölf Torburgen überlebten.
  • Die verbliebenen Gebäude hat die Stadt heute über Erbpachtverträge an verschiedene Nutzer vergeben. Sie zahlen eine geringe Pacht, verpflichten sich aber zur Bauunterhaltung.

Köln – Die geplante Neugestaltung des Rudolfplatzes hat eine Diskussion über den Anbau an der Hahnentorburg entfacht. Wie soll die Stadt mit den wenigen Resten ihrer mittelalterlichen Stadtmauer umgehen?

Als sich die Stadtplaner in den 1880er Jahren für den Abriss entschieden, waren sie wenig zimperlich im Umgang mit dem historischen Erbe. Nur drei von zwölf Torburgen überlebten. Von 52 Wehrtürmen blieben sechs.

Selbst stattliche Gebäude wie das Gereons- oder das Ehrentor hatten keine Chance zu überdauern. Der schützende Panzer war zu eng geworden.  Immer mehr Güter und Menschen mussten sich durch die Torburgen quetschen, um den Warenaustausch zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu erreichen. Die Mauer wurde zum Hindernis und galt damals als hässliches Überbleibsel vergangener Zeiten.  

Mauer als Ausdruck der Selbstbehauptung

Als mit ihrem Bau 1180 begonnen wurde, hatte sie eine ganz andere Symbolkraft: Die  Botschaft  von der  mächtigen, unbezwingbaren Stadt ging in die Welt. Ihre Bürger sind reich und selbstbewusst  – sie wagen es  sogar, dem mächtigen Erzbischof, ihrem Stadtherrn, die Stirn zu bieten.  Diese Mauer war viel mehr als ein riesiges Bauprojekt, das enorme Kosten verursachte und  Jahrzehnte bis zu seiner Vollendung brauchte. Sie war  vor allem Ausdruck der Selbstbehauptung der  Bürger, die sich sogar  Rechte anmaßten, die ihnen nicht zustanden.  Denn nur der König und die Reichsfürsten durften Befestigungsanlagen errichten.  

Erzbischof Philipp von Heinsberg versuchte, den Bau zu verhindern, wurde von den Kölnern aber einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Ganz ungeschoren kamen  diese aber nicht davon. Nach Verhandlungen mit Kaiser Barbarossa mussten sie 2.000 Kölner Mark an den Erzbischof  zahlen, eine riesige Summe, erhielten dafür aber das „Stadtmauerprivileg“. Am Ende hatte die Stadtmauer, die entlang der heutigen Ringe verlief,  eine  Gesamtlänge von rund neun Kilometern. Auch zum Rhein schützte eine Mauer mit mehr als 20 Türmen das auf 400 Hektar angewachsene Stadtgebiet. 

Immer wieder neu genutzt

700 Jahre lang machte  die gewaltige, abschreckende Befestigungsanlage von 1180 die Stadt so gut wie uneinnehmbar. Abgesehen von  einigen Scharmützeln wurde Köln nur selten bedroht. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Mauer aber immer wieder umgenutzt. Bürger nutzten ihre Nischen als Wohnraum oder Werkstatt, setzten sogar Häuser und Windmühlen darauf und daran.

Die verbliebenen Gebäude hat die Stadt heute über Erbpachtverträge an verschiedene Nutzer vergeben. Sie zahlen eine geringe Pacht, verpflichten sich aber zur Bauunterhaltung. Ausnahmen sind Bottmühle und Gereonsmühlenturm, die an Jugendverbände vermietet wurden, und die Severinstorburg. Für sie gilt eine besondere vertragliche Regelung, die ihre Nutzung für alle Bürger sichert.

Wer wissen will, wie Köln und seine Stadtmauer zur Zeit ihrer Blüte aussahen, muss die Ausstellung „Willkommen im alten Köln“ im Historischen Archiv (Heumarkt 14) besuchen. Der Maler Siegfried Glos hat das alte Köln rekonstruiert.

Hahnentorburg: Die Ehrengarde  verliert ihren Versammlungsraum

Das Hahnentor am Rudolfplatz.

Das Hahnentor am Rudolfplatz.

Die Ehrengarde sieht dem bevorstehenden Bau eines Büro- und  Geschäftshauses am Rudolfplatz mit  gedämpfter Freude entgegen.  Denn das Traditionskorps, das   seit knapp 30 Jahren sein Vereinsheim in der  Hahnentorburg hat, wird seinen Festsaal  verlieren. Der befindet sich in der Brücke zwischen der Torburg und dem Nachbargebäude, und eben diese Verbindung wird  im kommenden Sommer abgebrochen.   Im Anschluss  will die  Hamburger Momeni-Gruppe  auf dem angrenzenden Grundstück ihren 120 Millionen Euro teuren  Neubau errichten.  Während der Arbeiten wird die  Karnevalsgesellschaft bei der Prinzen-Garde unterkommen. Dass die  Ehrengarde später an den Rudolfplatz zurückkehrt,  scheint jedoch gar nicht mehr so sicher.

Ohne einen etwa 300 Quadratmeter  großen Raum für Veranstaltungen verliere das Domizil in der Hahnentorburg seinen Reiz, heißt es. Den Vorschlag des Investors, in  dem Neubau einen Saal zu mieten, lehne man aus Kostengründen ab.   Lieber würde die Ehrengarde  einen neuen Anbau schaffen, diesmal auf der nach Osten zum Neumarkt hin gelegenen Seite. Das Traditionskorps, das jährlich rund 70.000 Euro in den Erhalt der Hahnentorburg investiert, erhofft sich von einem Architektenwettbewerb Ideen, wie sich das  möglichst  ästhetisch bewerkstelligen lässt. „Es handelt sich erst einmal um  Gedankenspiele“, sagt Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma, der Vorsitzende der Freunde und Förderer der Hahnentorburg. Der neue Vorstand, dessen Wahl im kommenden Monat bevorsteht,   werde die Überlegungen vorantreiben.

Wie immer ein Anbau aussehen könnte, ohne  Zustimmung des Denkmalschutzes und des Stadtrates ist nichts zu machen. Sollte die Ehrengarde mit ihrem  Wunsch scheitern, müsste sie sich  wohl nach einer neuen  Heimstatt umsehen.

Das nächste Kapitel der Hahnentorburg ist also offen. Das Anfang des 13. Jahrhunderts vollendete Bauwerk hatte für das mittelalterliche Köln eine  ganz besondere Bedeutung. Durch die  im Westen gelegene Pforte pflegten  die Könige nach ihrer Krönung in Aachen die Stadt zu betreten, um am Dreikönigenschrein im Dom  ein Gebet zu sprechen.  Das Gemäuer diente  wie  andere Türme der Stadtbefestigung als Gefängnis. Hier musste der  Wanderprediger und Reformator Adolf Clarenbach seine letzten Tage fristen, bevor er am 28. September 1529 in der Nähe des Melaten-Friedhofs auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Knapp 400 Jahre später, nach der von Stadtbaumeister Josef Stübben  angeordneten Restaurierung, wurde die  Hahnentorburg als Historisches Museum eingerichtet – der Vorgänger des  Stadtmuseums. Es folgte eine Nutzung als Ausstellungsgebäude des Berufsverbands Bildender Künstler, bis die  Ehrengarde 1988 das Tor in Erbpacht von der Stadt übernahm.

Eigelsteintorburg: Wo Napoleon und Joséphine in die Stadt einzogen

Gerichtshaus, Zollstation, Gefängnis für  Militärsträflinge, Museum, Musikschule:  die 1248 vollendete Porta Eigelis, wie die Eigelsteintorburg im Mittelalter hieß, diente  den  unterschiedlichsten Zwecken.  Dem französischen Kaiser Napoleon, begleitet  von Glockengeläut, Kanonendonner und seiner Frau Joséphine, diente sie am Abend des 13. September 1804 als Entree für seinen triumphalen Einzug in die Stadt.

Ende des 19. Jahrhunderts zeigte das  Historische Museum   in der  Torburg einen Teil seiner Sammlung. Im östlichen Turmgewölbe wurde ein Rettungsboot des  im Ersten Weltkrieg untergegangenen Kreuzers Cöln aufgehängt. In einer Nische  befindet sich zudem eine Steinfigur „Der Kölsche Boor“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der  Wehrgang  wiederhergestellt und  der  Dachausstiegsturm originalgetreu nachgebaut.    Nach der  Eröffnung des  Stadtmuseums im ehemaligen Zeughaus übernahm das  Kunstgewerbemuseum die Torburg, das heutige  Museum für  Angewandte Kunst.  Seit 1995 ist die Offene Jazzhaus Schule in der Eigelsteintorburg untergebracht.

Vermietung: In den Türmen befinden sich  Veranstaltungsräume, die für Feiern vermietet werden; ab 105 Quadratmeter, ab 450 Euro.

www.eigelsteintorburg.de

Severinstorburg: Bürgertreff fürs Veedel

Der verstorbene Edelweißpirat Jean Jülich hat aus der Vringspooz einen Bürgertreff gemacht. Die  Vereinbarung mit der Stadt, die von seiner Tochter Claudia Rademacher weiterhin gelebt wird, hat allen genutzt: Familie Jülich verdient mit der Gastronomie und garantiert so, dass die Torburg gepflegt wird und von den Bürgern genutzt werden kann. Und das Veedel hat einen Treffpunkt mit bezahlbaren Räumen für Feste, Kulturveranstaltungen  und Vereinstreffen. Der schönste Raum ist der Turmsaal, in dem 60 Personen   sitzen können. In der Torburg kann man sich auch trauen lassen.

Das Gebäude mit Zinnenmauer und Kampfplattform war einst repräsentativer Eingang zur Stadt, an dem Prinzessinnen und Könige mit Reitturnieren und Minnespiel empfangen wurden. Auch Jan von Werth wurde hier nach seiner Rückkehr aus dem Dreißigjährigen Krieg bejubelt. Stadtauswärts war das Tor für manchen Straftäter  der Weg in die Freiheit – falls er die Prügelstrafe überlebte und es an „Schmitz Backes“, dem sprichwörtlich gewordenen Backhaus an der Severinstraße, vorbei geschafft hatte. Nach dem Abriss der Stadtmauer war das Tor Heimat für verschiedene Museen, aber auch die Zentrale der Hitler-Jugend.

Eine Besichtigung ist Montag von 17 bis 19 und Donnerstag von 17 bis 18 Uhr möglich. Drei Räume werden vermietet. Die Gastronomin bietet einen Komplettservice. Man kann die Räume aber auch ohne Gastronomie für nur 45 Euro mieten.

www.severinstorburg.de

Gereonsmühle: Wahrzeichen für ein besseres Bildungsangebot

Der alte Mühlenturm am Hansaring hat das Zeug, zum Wahrzeichen für ein bildungspolitisches Vorzeigeprojekt zu werden. Das alte Gemäuer und seine Nutzer sind Teil der „Bildungslandschaft Altstadt-Nord“, einem Zusammenschluss von sechs bestehenden Einrichtungen und einer neuen Kindertagesstätte rund um den Klingelpützpark. Als „KSJ-Tower“ integriert sich der Turm mit einem 113 Meter langen, erhaltenen Stadtmauerrest in ein zukunftsweisendes Bildungsnetzwerk, in dem Schulen und Jugendeinrichtungen eng zusammenarbeiten, um „ein lebensnahes, verantwortungsvolles und inklusives Lehren und Lernen“ zu ermöglichen, wie es die Stadt verspricht.

Die Abkürzung KSJ steht für „Katholische Studierende Jugend“, einem Jugendverband, der  in den Räumen des Turms eine Nachmittagsbetreuung für Schüler der umliegenden Schulen und Aktivitäten für seine Mitglieder  anbietet. Der Verein für Schüler und Studenten beteiligt sich an Konzeption und Entwicklung des Bildungsprojekts, für das zurzeit in der Nachbarschaft des Turms neue Häuser – darunter ein gemeinsames Studienhaus sowie ein Mensa- und Ateliergebäude – gebaut werden.

Im 15.Jahrhundert war der Turm zu einer Windmühle ausgebaut worden, die Mühlenflügel sind nicht erhalten. Die Nähe zum prächtigen und leider abgerissenen Gereonstor führte zum Namen „Gereonsmühle“. Auch der Name  „Herrenleichnam-Mühle“ war geläufig. Er nahm Bezug auf das dahintergelegene Kloster Herrenleichnam. Das Gemäuer zu erhalten ist für einen Jugendverband  im Vergleich zu manchem anderen Nutzer der Mauerreste nicht einfach. Die KSJ braucht Einnahmen aus der Vermietung von Räumen. Der attraktive, größere Raum ist jedoch von Brandschützern gesperrt worden. Ihre Auflagen zu erfüllen kostet Geld, das ohne die Vermietung wiederum nur schwer aufzubringen ist. So müssten für einen Notausstieg Fenster vergrößert werden. Bei meterdicken Mauern ein recht aufwendiges Projekt.

Einen kleineren Raum im Turm kann man ab 125 Euro gastronomiefrei mieten. Mehr Infos im Netz.

www.ksj-tower.de

Bayenturm: Ein Bollwerk der Frauenbewegung

Der Bayenturm ist heute ein Bollwerk der Frauenbewegung und mit dem Namen Alice Schwarzer verbunden. Seit 1994 ist das Bauwerk Sitz der gemeinnützigen Stiftung Frauen-Media-Turm, die hier ein Archiv und ein Dokumentationszentrum zur Frauenbewegung unterhält. Auch die  Zeitschrift „Emma“, deren Herausgeberin Schwarzer ist, hat hier ihren Sitz.

2014 kam es mit der Stadt zu einem Streit, als die Stiftung einen Raum untervermietete, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Die  Stadtverwaltung sah darin eine Verletzung des Erbpachtvertrags  und schickte eine Abmahnung. Der Streit wurde erst beigelegt, nachdem die Stiftung versichert hatte, dass der Raum nur ein einziges Mal für 100 Euro vermietet worden sei. Der Bayenturm bildet den südöstlichen Abschluss der Stadtmauer und ist damit das Gegenstück zum Kunibertsturm, der Weckschnapp. Um 1220 als dreigeschossiger Bau errichtet, erhielt er rund hundert Jahre später einen achteckigen Aufbau.

Von dem wehrhaften Turm führte eine befestigte Mauer bis in das Wasser des Rheins. Ein Torbogen über der Uferstraße ermöglichte das Treideln, das Ziehen von Schiffen durch Pferde auf dem Leinpfad. Da der Turm bei der Stadterweiterung nicht störte, blieb er auch nach 1880 gut erhalten. Erst im Zweiten Weltkrieg wurde der Bayenturm stark beschädigt und war lange Ruine, bis er 1987 wiederaufgebaut wurde.

Einmal im Monat kann man bei Führungen den Turm besichtigen.

www.frauenmediaturm.de

Bottmühle: Trutzburg für sozialistische Ideale

Auch in der Bottmühle im Severinsviertel residiert ein Jugendverband. Der wehrhafte Turm steht bis heute für den selbstbewussten Anspruch einer Bewegung, der Sozialistischen Jugend Deutschlands „Die Falken“. Die Kölner Nachfahren der Kinder- und Jugendorganisationen der Arbeiterbewegung aus Kaiserzeit und Weimarer Republik bieten Freizeitangebote und politische Bildung für ihre Mitglieder und Interessierte.

Seit den 1970er Jahren nutzen die „Falken“ den Mühlenturm, der streng genommen nicht zur mittelalterlichen Stadtmauer gehört. Er wurde im 17. Jahrhundert auf einer Wehrplattform hinter der Mauer errichtet. Seit 2010 wird der Turm saniert, in diesem Sommer soll dieses ewig lange Kapitel  abgeschlossen sein.

Die Stadt hatte die Sanierung im Rahmen eines sogenannten „Win-win-Projekts“ auf den Weg gebracht. Die Arbeiten wurden von Arbeitsloseninitiativen durchgeführt. Im September wollen die  „Falken“ die Wiedereröffnung aller Räume und ihren 70. Geburtstag feiern.

Eine Besichtigung ist grundsätzlich immer möglich, wenn montags bis freitags die Geschäftsstelle im Turm besetzt ist.

www.sjd-diefalken-koeln.de

Ulrepforte und Sachsenring: Karnevalistische Hochburgen im ländlichen Köln

Die Kreuzung an der Ulrepforte in Köln.

Die Kreuzung an der Ulrepforte in Köln.

Die Ulrepforte, die heute  so imposant erscheint, war im Mittelalter ein eher bescheidener Tordurchgang  in einer ländlichen Ecke Kölns. Der Weg nach draußen mündete auf das freie Feld, und auch auf der  Innenseite der Mauer herrschte nicht gerade städtisches Leben. Hier gingen die  „Ulner“ (Töpfer) zwischen Lehmgruben und Brennöfen ihrem Handwerk nach. Traditionell wurden sie dorthin verbannt, wo ihre Öfen keinen Schaden anrichten konnten.

Es muss wohl eine windige Ecke gewesen sein, denn um 1450 wurde das wenig genutzte Tor zugemauert und eine Windmühle auf einen der vorhandenen Halbtürme aufgesetzt. Solche Mühlen gab es auch an anderen Stellen der Stadtmauer und sogar auf dem Neumarkt. 1885 erwarb der Unternehmer Franz Guilleaume (Felten und Guilleaume) die Ulrepforte, ließ sie umfangreich renovieren und richtete in der heute mit Kanonen gekrönten Kaponniere eine Gaststätte ein.

Funken investierten viel in die Erhaltung

1955 wurde die Ulrepforte, die sich inzwischen in städtischer Hand befand und im Krieg beschädigt worden war, den Roten Funken zur Pacht überlassen.  Mit ihnen wurde die Tradition begründet, Türme der Stadtmauer an Karnevalsgesellschaften in Erbpacht zu übertragen, wenn diese sich verpflichteten,  sich um deren  Erhalt zu kümmern. Das haben die Funken bis heute getan, nur mit ihrem neuen Erweiterungsbau geht es nicht recht voran. Die Schaffung neuer Fluchtwege, eines neuen Haupteingangs und die Sicherung des Turms, der nur auf einem schwachen Fundament steht, dauern  an.  

In unmittelbarer Nähe  zur Ulrepforte findet man am Sachsenring  ein  weiteres gut erhaltenes Stück der   Stadtmauer, an deren Außenseite man sogar noch den Wallgraben erkennen kann. Auch hier haben sich Karnevalisten der Pflege des mittelalterlichen Erbes verschrieben: Im südlichen  Turm haben die Blauen Funken 1970 ihr Quartier bezogen, im nördlichen die Prinzen-Garde. Die Prinzen-Garde hat das Erbbaurecht für den Turm dem Architekten Peter Neufert abgekauft.

Beide Gesellschaften haben  viel Geld in den Erhalt der Türme gesteckt. Die Blauen Funken planen derzeit eine Erweiterung: Südlich ihres Turmes soll ein  Anbau entstehen, der den Eindruck der Stadtmauer nicht beeinträchtigen soll.

An der Außenseite der Stadtmauer findet man Deutschlands ältestes Denkmal für ein historisches Ereignis. Der Abguss  erinnert an ein Ereignis aus dem Jahr 1268, als die Patrizierfamilie der Weisen mit ihren Verbündeten die  Mauer überwand, um sich für ihre Vertreibung aus der Stadt zu rächen. Angeblich hatten sie einen Schuster namens Konrad Havenith  dazu überreden können, für sie einen Tunnel unter der Stadtmauer durchzugraben. Es kam zur „Schlacht an der Ulrepforte“, in der die Weisen unterlagen. Zur Erinnerung an das Ereignis wurde rund 100 Jahre später das  Relief angebracht, dessen Original heute im Stadtmuseum  zu sehen ist.

Für Gruppen ab zehn Teilnehmer bieten die Roten Funken  Führungen an (Tel. 0221/524381).

Weckschnapp: Vom berüchtigten Gefängnis zur Architektenwohnung

Wohnen in einem mittelalterlichen Turm, und das mit Blick auf den Rhein   –   für den Käufer der Weckschnapp im Kunibertsviertel wird sich der Wunsch schon bald erfüllen. Für rund 300.000 Euro werde „eine Privatperson“ das 15 Meter hohe Gemäuer mit 162 Quadratmetern  Wohnfläche übernehmen, sagte Immobilienmakler Stefan Maaß von  Greif & Contzen. Der Vertrag sei  ausgehandelt, vor dem Notartermin müsse noch der Stadtrat  zustimmen. Denn die Kommune vergibt auch diesen Turm in  Erbpacht.

Der Bau stammt aus dem 14. Jahrhundert und war Teil der Stadtbefestigung. 1956 erwarb ihn der Architekt Martin Kratz und zog mit seiner Familie  ein. Später baute er   das Dachgeschoss aus und legte eine Terrasse  innerhalb des Zinnenkranzes an.  

Der Name Weckschnapp beruht auf einer Sage, die von einem grausamen Kapitel aus der Stadtgeschichte berichtet. Der Turm diente als Hinrichtungsraum. An der Decke sollen die Wärter einen Weck aufgehängt haben, ein kleines Brot.  Man ließ die Gefangenen hungern, und so versuchten sie, den Weck im Sprung zu schnappen. Sie stürzten auf eine sich öffnende Falltür durch einen mit Messern versehenen Schacht direkt in den Rhein.

Der künftige Bewohner braucht indes keine Angst zu haben, dass ihn die Geister heimsuchen. Die ursprüngliche Weckschnapp befand sich an anderer Stelle gleich nebenan.  Im 19. Jahrhundert haben die Kölner den Namen auf diesen einzigen erhaltenen Teil der Kunibertsbefestigung übertragen.