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Serie Lebenslagen
In Köln einen Job zu finden, wird immer schwieriger

Deutlich mehr Langzeitarbeitslose, aber höheres politisches Interesse. Wie sich die Lebenslagen Kölner Erwachsener verändert haben. Teil 3 unserer Serie

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Der Barbarossaplatz in Köln (Symbolbild)

Der Barbarossaplatz in Köln (Symbolbild)

Ein fester Job, ein Sportverein, Zufriedenheit mit dem eigenen Veedel: Bei der Durchschnitts-Kölnerin Marie Schmitz scheint vieles zu stimmen. Doch die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt in Köln haben sich verschärft. Hätte sie es nicht zu einem festen Job gebracht, wäre ihr Armutsrisiko deutlich höher und ihre politische und gesellschaftliche Teilhabe erschwert.

Marie Schmitz ist die Protagonistin dieser Serie – eine Kunstfigur, zusammengesetzt aus Daten und Erkenntnissen des zweiten Kölner Lebenslagenberichts, der in großer Detailtiefe untersucht, wie es den Menschen in Köln ergeht. Als „Durchschnitts-Kölnerin“ soll sie veranschaulichen, wie sich das Lernen, Arbeiten und Alt-Werden in dieser Stadt verändert hat. Im vorherigen Teil ging es um die Bedingungen, unter denen Marie Schmitz im Bildungssystem aufgewachsen ist. Jetzt ist sie erwachsen.

Wir begleiten die fiktive Durchschnitts-Kölnerin Marie Schmitz als Kind, als erwachsene Erwerbstätige und als Seniorin. Grundlage sind die Daten des Lebenslagenberichts der Stadt Köln.

Wenn Marie Schmitz heute ins Berufsleben starten würde, träfe sie auf einen Arbeitsmarkt, der sich seit dem ersten Kölner Lebenslagenbericht spürbar eingetrübt hat. Die Arbeitslosenquote stieg von 8 Prozent im Jahr 2018 auf 9 Prozent im Jahr 2023 – das ist auf den ersten Blick nicht viel, stellt aber einen bedeutsamen Einschnitt dar. Seit 2009 ging die Arbeitslosigkeit in Köln kontinuierlich zurück. 2023 hat sich dieser Trend erstmals umgekehrt.

Noch deutlicher zeigt sich die Verschlechterung bei der Langzeitarbeitslosigkeit. Ihre Zahl wuchs von rund 20.000 im Jahr 2018 auf fast 24.000 im Jahr 2024 – ein Anstieg von 24 Prozent.

Sollte sich Marie Schmitz am Anfang ihres Berufslebens für eine Ausbildung entscheiden, trifft sie auf deutlich schlechtere Bedingungen, als noch vor wenigen Jahren. Kamen 2019 noch 1,39 Ausbildungsstellen auf eine Bewerberin oder einen Bewerber, waren es 2024 nur noch 1,01. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber stieg in diesem Zeitraum um 4 Prozent, die Zahl der Ausbildungsstellen sank um 19 Prozent. Die Zahl der unversorgten Jugendlichen hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt.

Höheres Einkommen für Köln, aber größere Ungleichheit

Beim Einkommen zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Das verfügbare Einkommen pro Kopf ist gegenüber dem ersten Bericht um 15 Prozent gestiegen, auf 25.657 Euro im Jahr – rechnerisch rund 2.138 Euro im Monat, wie Marie Schmitz sie verdient. Gleichzeitig zog aber auch die Inflation deutlich an. Verringert hat sich die Ungleichheit dadurch ebenfalls nicht: Die zehn Prozent einkommensstärksten Kölnerinnen und Kölner verdienen weiterhin knapp sechsmal so viel wie die zehn Prozent einkommensschwächsten – ein Verhältnis, das seit dem ersten Bericht unverändert geblieben ist. Auch das Armutsrisiko ist leicht gestiegen, von 23 auf 24 Prozent.

Das Armutsrisiko von Marie Schmitz hängt stark von der Phase ab, in der sie sich befindet. Die Quote beschreibt, wie viele Menschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ein deutlich geringeres Einkommen als der Durchschnitt haben. Als 18- bis 24-Jährige, wenn sie studiert oder eine Ausbildung macht, beträgt das Armutsrisiko für Marie und gleichaltrige Kölner 51 Prozent. Als junge Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahren sinkt das Armutsrisiko mit dem Berufseinstieg auf 19 Prozent. Für junge Erwachsene mit internationaler Familiengeschichte weist der Bericht allerdings ein höheres Armutsrisiko aus als für Gleichaltrige ohne diese Familiengeschichte: 38 gegenüber 23 Prozent.

Frauen sind seltener sozialversicherungspflichtig angestellt

Für Marie Schmitz ist es wichtig, dass sie einen Job hat, über den sie sozialversicherungspflichtig angemeldet ist. Der sichert ihr den Zugang zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Unfall- und Rentenversicherung und ist damit eine Absicherung gegen existenzielle Lebensrisiken. Die sind für Minijobber oder Freiberufler deutlich höher. Die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter liegt im zweiten Bericht bei 444.241 Menschen. Bezogen auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, also zwischen 15 und 64 Jahren, entsprach das  rund 60 Beschäftigten je 100 Personen – im ersten Bericht waren es noch 56.

Generell lag die Erwerbstätigenquote bei Frauen (57 Prozent) niedriger als bei Männern (65 Prozent) und bei Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit niedriger als bei Deutschen. Als mögliche strukturelle Gründe nennt der Bericht unter anderem Familienverantwortung, Sprachbarrieren und die Anerkennung von Qualifikationen.

Kölner mit Job haben auch mehr gesellschaftliche Teilhabe

Der Bericht der Stadt zeigt, dass die Integration im Arbeitsmarkt auch stark mit politischer Teilhabe verknüpft ist. Arbeitslose Personen wählen seltener als Berufstätige und sind seltener Mitglied in Vereinen. Marie Schmitz ist Mitglied in einem Sportverein. Im Alter von 41 bis 60 Jahren sind das 63 Prozent aller Kölner, zeigen Daten des Sportamtes. Und von den Vereinsmitgliedern sind 69 Prozent Frauen.

Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zum ersten Bericht in Köln gestiegen, besonders durch die Bundestagswahl. Das zeigt ein wachsendes politisches Interesse. Laut Bericht spricht das für eine „erhöhte Sensibilität gegenüber gesellschaftlichen Herausforderungen und eine größere Bedeutung, die Wählerinnen und Wähler ihrer politischen Stimme beimessen“.

Trotz der zunehmenden Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt: Mit ihrem Wohnort Köln ist Marie Schmitz zufrieden, so wie 56 Prozent der Einwohner im mittleren Erwachsenenalter. Die direkte Umgebung der eigenen Wohnung wird am besten bewertet: 74 Prozent sind eher oder sehr zufrieden mit ihrem Wohngebiet. Aber je größer die Entfernung, desto mehr nimmt die Zufriedenheit ab: Mit dem Stadtteil sind noch 69 Prozent zufrieden, mit ganz Köln nur noch 56 Prozent.

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