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Vereinbarung unterzeichnetStadt bringt Drogenkonsumraum in Kalk auf die Zielgerade

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Der Drogenkonsumraum in Kalk könnte jederzeit in Betrieb gehen.

Der Drogenkonsumraum in Kalk könnte jederzeit in Betrieb gehen.

Der geplante Drogenkonsumraum in Kalk verzögerte sich wegen Finanzierungsproblemen und technischer Anpassungen. Jetzt ist die Genehmigung greifbar.

Die Eröffnung des Drogenkonsumraums (DKR) an der Dillenburger Straße ist ein Stück näher gerückt. Dr. Harald Rau, verantwortlicher Dezernent, ließ es sich nicht nehmen, die gute Nachricht den Bezirksvertretern in Kalk persönlich zu überbringen. „Die Kooperationsvereinbarung zwischen Gesundheitsamt, Polizei und Staatsanwaltschaft ist unterschrieben. Damit sind alle Unterlagen komplett, die wir beim Land für die Genehmigung des DKR einreichen müssen.“

Unterschrieben wurde die Vereinbarung am Tag der städtischen Informationsveranstaltung für das Suchthilfezentrum am Perlengraben. In Begleitung von Rau, ihrem Chef, war Dr. Sabine Eichberg nach Kalk gekommen. Sie leitet die Abteilung Gesundheitsplanung und -förderung im Gesundheitsamt und kennt sich mit den Einzelheiten aus: „Nach Prüfung der Unterlagen im Landesamt für Unfall- und Arbeitsschutz wird es Ende Februar eine Begehung des DKR in Kalk geben. Dann werden wir, wenn gefordert, Nachbesserungen vornehmen. Danach kann Vision e.V. als Träger den Raum in Betrieb nehmen.“

Antrag auf Drogenkonsumraum in Kalk besteht seit 2016

Der werde sechs Stunden am Tag für die Drogengebrauchenden geöffnet sein und acht Plätze zum Konsum vorhalten. Vier für den sogenannten inhalativen Konsum, etwa für Crack-Rauchende, und vier für Menschen, die sich die Drogen spritzen. „Das Gesundheitsamt wird den Verein beim Betrieb des Konsumraums eng begleiten. Wir wollen schließlich alle, dass das eine Erfolgsgeschichte wird“, ergänzte der Dezernent.

Die leere Fläche neben dem Gebäude von Vision e.V. (l.) könnte Platz für ein Suchthilfezentrum bieten.

Die leere Fläche neben dem Gebäude von Vision e.V. (l.) könnte Platz für ein Suchthilfezentrum bieten.

Warum die Vorgeschichte so lang war, fragte Christian Robyns, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksvertretung Kalk: „Wir haben den Antrag auf Einrichtung eines Drogenkonsumraum in Kalk 2016 beschlossen. Aber die Eröffnung wurde jahrelang immer wieder verschoben.“ Nachdem der von der Verwaltung für Anfang Dezember angekündigte Sachstandsbericht zum DKK nicht vorgelegt worden sei, habe man sich entschlossen, eine Aktuelle Stunde zum Thema anzuberaumen, bei der Rau nun Rede und Antwort stand.

Auch ein Suchthilfezentrum in Kalk sei denkbar

Die Verzögerung der Eröffnung des DKR habe verschiedene Gründe, sagte der Dezernent. Zunächst habe man von den möglichen Trägern erwartet, eigenes Geld in den Betrieb zu stecken. Das hätten die natürlich nicht leisten können. Man habe dann andere Möglichkeiten gefunden, den Betrieb des DKR finanziell zu unterstützen. Darüber hinaus seien die Abzugsanlagen nicht effizient genug gewesen, um zu gewährleisten, dass die Mitarbeitenden bei inhalativem Konsum der Drogengebrauchenden nicht passiv mitkonsumieren. Und am Ende habe man lange um die Kooperationsvereinbarung gerungen. Es seien Fragen zu klären gewesen. Vor allem: Wie kann man im DKR gesetzlich einwandfrei konsumieren, obwohl der Besitz etwa von Heroin und Crack gesetzlich verboten ist? „Zürich ist da Lehrbuchvorbild“, erklärte Rau.

Dort sei es Schwerstabhängigen in den Suchthilfezentren erlaubt, untereinander mit Drogen zu handeln. Die Polizei leite nur bei offenem Handel mit Drogen eine Strafverfolgung ein. Das würde auch für ein Suchthilfezentrum gelten, das der Dezernent in Kalk für möglich hält. „Kalk ist mit der Kooperationsvereinbarung für den DKR bundesweit ganz weit vorn“, sagte Rau. Und er trat einem Gerücht entgegen: „Wir wollen gerade nicht, dass der Drogenkonsum einfacher wird. Wir wollen unter geschützten Bedingungen Schadensminimierung bei den Suchtkranken leisten. Die leiden schwere Not.“ Und da sich die Menschen in Suchthilfezentren aufhielten und nicht davor, sei die Nachbarschaft fast gar nicht betroffen.