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KampfmittelTausende Blindgänger in Köln

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Köln – Die Luftmine explodierte mit einer derartigen Wucht, dass der Knall auch noch 25 Kilometer von Euskirchen entfernt zu hören war. Ein Baggerfahrer starb, 13 Menschen wurden verletzt, in mehr als 200 Gebäuden zerbrachen Fenster, fielen Türen aus den Rahmen und Ziegeln von den Dächern. Die Bombenexplosion am Freitag zeigt, wie gefährlich die Kampfmittel sein können, die seit mehr als 70 Jahren in der Erde liegen.

In Köln rücken die Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung mehr als 20-mal im Jahr aus, um Sprengkörper in der Stadt zu entschärfen. Ein Dutzend Fünf-Zentner-Bomben wurden allein 2012 gefunden. Bei jedem Fund ist äußerste Vorsicht geboten, oft müssen Tausende Anwohner ihre Wohnungen verlassen, Straßen werden abgesperrt, Züge gestoppt. Fast schon routiniert nehmen viele schließlich die Entwarnung zur Kenntnis – es ist ja immer gutgegangen. In Köln ist noch kein Blindgänger detoniert.

In Euskirchen ist es nicht gutgegangen. Der 50-jährige Baggerfahrer hatte versucht, einen Betonklotz zu zerkleinern. Die Bombe war vermutlich in dem Brocken versteckt – die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. „Es war aber weder im noch nach dem Zweiten Weltkrieg ein gängiges Verfahren, Bomben einzubetonieren“, sagt Rolf Vogelbacher, Dezernent für Kampfmittelbeseitigung von der Bezirksregierung Düsseldorf. Ihm ist kein einziger Fall bekannt.

Köln wurde im Zweiten Weltkrieg 262-mal bombardiert – so massiv wie kaum eine andere deutsche Stadt. 5,1 Millionen Bomben fielen auf Köln, es müssen Tausende Sprengkörper sein, die noch nicht entdeckt wurden. Wer auf Kölner Stadtgebiet bauen möchte, muss einen Nachweis über die „Kampfmittelfreiheit“ des Areals vorlegen, erklärt Stadtsprecher Jürgen Müllenberg. Sonst werde keine Baugenehmigung erteilt. Dazu können Bauherrn private Kampfmittelbeseitigungsfirmen mit der Untersuchung beauftragen oder die Dienste der Bezirksregierung Düsseldorf in Anspruch nehmen.

Die Spezialisten aus der Landeshauptstadt prüfen mit Hilfe von Luftaufnahmen aus dem Krieg, ob Aufschlagskrater zu sehen sind. Vor allem der Kraterdurchmesser ist interessant, um Blindgänger zu orten. Ein großer Krater deutet auf detonierte Bomben hin, ist der Krater kleiner, könnte dort eine Bombe liegen, die nicht explodiert ist. „Gibt es einen Verdacht, wird zuerst von der Oberfläche detektiert“, sagt Dezernent Vogelbacher. Ergebe diese Untersuchung des Bodens mit einem Metalldetektor kein Ergebnis, würden rund um die verdächtigen Stellen rasterförmig Löcher gebohrt. „Dann detektieren wir in den Löchern erneut.“ Entschärfung, Abtransport und die Auswertung der Luftbilder zahlt das Land. Bauherrn tragen die Kosten für die Bodenuntersuchungen.

250.000 Tonnen Schutt

Schutt aus einer Baugrube oder von abgebrochenen Häusern wird zu Recycling-Anlagen transportiert – wie dem Euskirchener Betrieb, in dem die Bombe hochging. B+R Recycling in Niehl ist Kölns größte Firma dieser Art. Jährlich werden hier rund 250.000 Tonnen Schutt angeliefert, sagt Geschäftsführer Frank Grasmehr. „Wir nehmen jeden Eingang genau in Augenschein, erfassen ihn mit der Waage.“ Dass unter dem Schutt ein Sprengkörper liegen könnte, sei nicht auszuschließen, weiß Grasmehr: „Ein Restrisiko bleibt, man kann die Kontrollmechanismen eigentlich nicht verbessern.“ Das Ereignis in Euskirchen mache ihn nachdenklich – auch, wenn er es für die tragische Verkettung unglücklicher Zufälle hält. „In 15 Jahren habe ich noch nie von einem solchen Fall gehört.“