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Ab in die Bütt„Et Vünkchen“ ringt mit Tonproblemen und um Aufmerksamkeit

3 min
Vera Passy bei der Brauhaussitzung der KG Große Eigelsteiner

Vera Passy steht auf der Bühne bei der Brauhaussitzung der KG Große Eigelsteiner.

In der Serie „Ab in die Bütt“ begleiten wir die Büttenredner-Newcomerin Vera Passy.

„Du weißt nie, was auf dich zukommt“, sagt Vera Passy lächelnd. Ihr Blick schweift durch die holzvertäfelte Gaststätte, die wahrscheinlich vor 50 Jahren schon genauso aussah, wie an diesem Sonntagmittag. Rund 25 überwiegend grauhaarige Jecke sitzen in dem vielleicht 40 Quadratmeter großen Raum. „Das ist definitiv mein kleinster Auftritt bisher. Aber es ist auch mal schön, so kann ich ganz anders auf die Leute eingehen.“

Köln: Auf so vielen Bühnen steht ein Büttenredner am Tag

Es ist Sonntag, halb zwölf in Köln-Vogelsang. Die Karnevalsgesellschaft Kölsche Rotshäre von 1990 feiert ihre Nubbelauferstehung im Zwitscherhäuschen, erster Programmpunkt: „Et Vünkchen“. Vera Passy schlüpft seit rund drei Jahren in die Rolle des gescheiterten Funkemariechens, das sich als Büttenrednerin im Karneval neu versuchen will. Sonst steht die 42-Jährige als Schauspielerin auf der Bühne des Scala-Theaters oder der Volksbühne am Rudolfplatz beim Impro-Musical „It’s my Musical“. Im Sommer 2021 startete Passy dann nebenbei ihre Ausbildung bei der Akademie des Festkomitees Kölner Karneval.

Vera Passy als Vünkchen bei den Kölschen Rotshären

„Et Vünkchen“ spricht bei der KG Kölsche Rotshäre ohne Mikrofonverstärkung.

In dieser kurzen Session stehen knapp 20 Termine als Büttenrednerin in ihrem Kalender. Die großen im Kölner Büttenredner-Geschäft wie „Sitzungspräsident“ Volker Weininger oder „Blötschkopp“ Marc Metzger haben an einem Wochenendtag auch mal bis zu sieben Auftritte. Als Nachwuchskünstlerin in der Bütt freut Vera Passy sich, wenn es mehr als ein Auftritt pro Tag ist. Wie an diesem Sonntag.

Der Auftritt bei den Kölschen Rotshären beginnt mit technischen Problemen: Der Lautsprecher vorne im Raum ist zu nah, eine Rückkopplung mit dem Mikrofon sorgt für unangenehme Geräusche. Passy legt das Mikro kurzerhand zur Seite, für den kleinen Raum muss auch ihr eigenes Stimmorgan ohne Verstärkung ausreichen.

Die tragische Geschichte ihrer Kunstfigur, die vom Major gefallen ist und sich alle Knochen gebrochen hat, gefällt dem Publikum genauso wie ihre Witze über ihre danach veränderte Körperform („Fott för zwei“) oder die erdachte Absage des Festkomitees, das eigentlich mehr Frauen im Programm wollte und dann doch eine Dragqueen genommen hat („Sie haben doch tatsächlich einen Kompromiss zwischen Mann und Frau gefunden!“).

Eigentlicher Höhepunkt ihrer Büttenrede ist Gerda Bützlers „Ich ben esu glöcklich“. Doch der Song, gespeichert auf einem USB-Stick, will nicht. Um Zeit zu überbrücken, fängt Passy an, „Heidewitzka, Herr Kapitän“ zu singen – ein alter Trick aus dem Scala-Theater. „Klappt es? Ich kann die Strophe nicht“, fragt sie lachend. Als Antwort kommt nur Rauschen aus der Box. Nichts zu machen, Passy verspricht eine Zugabe mit dem Song bei ihrem nächsten Besuch in Vogelsang. Weiter geht’s Richtung Eigelstein.

Von kleiner Veedelssitzung zu Party im Brauhaus

Kontrastprogramm: Mehr als hundert Jecke sitzen und stehen im Eigelsteiner Brauhaus „Em kölsche Boor“. Rund eine Stunde nachdem Vera Passy sich in Vogelsang verabschiedet hat, zieht sie ihren roten Lippenstift für den zweiten Auftritt nach. Ein richtiges Aufwärm-Ritual hat sie nicht. „Ich nehme vor den Auftritten einfach die Stimmung in mich auf. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht zu laut mitsinge, sonst ist meine Stimme später weg.“

Vera Passy bei der Brauhaussitzung der KG Große Eigelsteiner

Vera Passy muss bei der Brauhaussitzung der KG Große Eigelsteiner zwei Säle bespaßen.

Bei der Brauhaussitzung der KG Große Eigelsteiner von 2019 läuft die Technik einwandfrei. Dafür muss Passy mit einer anderen Schwierigkeit ringen: Die Bühne ist in der Mitte von zwei Sälen. Heißt, Passy muss sich nicht nur auf ihre Rede konzentrieren, sondern auch aufpassen, dass sie sich regelmäßig umdreht. Bleibt sie zu lange einer Seite zugewandt, droht die andere, unruhig zu werden.

Zum Glück ist sie kein Bühnenneuling und weiß mit der Situation umzugehen. Auch ihr Finalsong klappt dieses Mal, dafür erntet Passy die erste Rakete der Brauhaussitzung. Und auch Michael Hehn, der nach ihr als „Dä Nubbel“ auftritt, hat der Song offenbar gefallen: „Ich ben esu glöcklich wie ‚Et Vünkchen‘“, nimmt er die Liedzeilen bei seiner Begrüßung auf. Passys Fazit zum Tag: „Mega!“