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Hänneschen-TheaterPuppensitzung rechnet mit Kölner Politik ab und prangert soziale Ungleichheit an

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Puppensitzung im Hänneschen Theater

Im Hänneschen Theater am Eisenmarkt feierte die Puppensitzung Premiere.

Die Puppensitzung im Hänneschen-Theater begeistert mit kölschen Sprüchen, toller Musik und politischen Kommentaren.

Tumult im Kölner Hauptbahnhof. „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin“, grölen ein paar Knollendorfer quer durch die Bahnhofshalle. Von wegen Berlin. „Mir welle Fruhsinn en de Welt drage, fahre do hin, wo et nüdig es“, verkündet Präsident Schäl höchstpersönlich. „Mir bringe Leech en et Dunkle un fahre noh Mainz.“ „Wo mir sin es Kölle“, spielt die fantastische Hänneschen-Band, während halb Knollendorf mit Sack und Pack und Pittermännchen auf den ICE 4712 Richtung Mainz Hauptbahnhof wartet.

Flotte Sprüche und deftige Dialoge in feinstem Kölsch

Natürlich hat der Zug Verspätung. Präsidöres Schäl (Alexis Berg) nutzt die Gelegenheit, hält eine Rede vor versammelter Mannschaft. Schäl rechnet ab mit der Politik in Stadt und Land, macht sich Gedanken zu Bundeswehr und Rente, kritisiert die Sparmaßnahmen vor allem im sozialen und kulturellen Bereich. Sein Appell an Kölns OB Torsten Burmester: „Levve Herr Burmester, dat jeiht jetzt an üch, uns steiht et bis he, mer bruche dich, mir künne nit mieh et Klopapier bezahle. Et muss sich jet dun för de nächste Wahle.“ Applaus für den Redner.

Längst läuft die Hänneschen-Puppensitzung im Hauptbahnhof auf Hochtouren, denn d‘r Zoch kütt nit – fällt aus. „Wir wünschen Ihnen einen schönen Aufenthalt“, verkündet eine Stimme aus dem DB-Lautsprecher. Die Ensembleproduktion unter der Regie von Heike Huhmann und Katharina Seidel (Regieassistenz) kommt gut an beim Publikum.

Unter dem Titel „Mer dun et för Kölle“ begeistert das äußerst lebendige kölsche Hänneschenstück die Gäste zweieinhalb Stunden lang mit flotten Sprüchen, deftigen Dialogen, dynamischen Songs, toller Musik und herrlichen Witzen in feinstem Kölsch. Besonders die kurzen, knackigen Gags von Witzeerzähler Putschblos (Stefan Mertens) bringen das Publikum in Schieflage. „Der Film ‚Titanic‘ kommt in den USA viel besser an als das Schiff“. Tätä! Oder die neue Dachbox fürs Auto. Echt praktisch. „Mer höht die Pänz bahl jar nit mieh.“

Ex-Höhner-Sänger Peter Horn kommt als Engel zurück

Dann wird’s wieder politisch: „Wählen Sie Ajuja, die feministische, antifaschistische und humoristischste Partei Deutschlands“, grölt et Kättche (Silke Essert) in den Saal. „Ajuja steht für Alt un Jung, Jameinsam“, erklärt sie jameinsam mem Rösche. Sie prangern das Ungleichgewicht zwischen den Superreichen und der immer größer werdenden Anzahl an ärmeren Menschen an. Dabei gebe es eine ganz einfache Lösung: „Esst die Reichen!“ Denn wenn „die sich he op d’r Ääd benemme wie die Säu, dann kann mer se och schlachte“. Erst Gelächter, dann wird’s ernst. Wo ist Literat Sp-sp-sp-eimanes (Stefan Mertens) mit der hellije Woosch abgeblieben? Die Auflösung: In Afrika, beim König der Löwen. „Die Flönz broot ens frische Luff“. Circle of Life, Manes kommt zurück – samt Woosch. Aufatmen beim Sitzungspräsidenten.

Auch ein „echter Fründ“ kommt zurück, als Engel auf Wolke 8 mit goldenen Flügelchen. Ein Medley seiner Songs erinnert an den im vergangenen Herbst verstorbenen Ex-Höhner-Sänger Peter Horn. Und noch eine Premiere: Gleich zweimal taucht der Kölner Sänger und Altmeister des Karnevals Ludwig Sebus bei der Hänneschen-Premiere auf: einmal als Gast im Saal, von Intendantin Mareike Marx aufs Herzlichste begrüßt, und als Mottolied singende Hänneschenfigur auf der Bühne.

Reichlich Applaus gab es auch für AWB-Manni, das Kehrmännchen von der Kehr-Force-One, das Papageien-Gesangsquartett, das kölsche Klapperjestell Skully (Silke Essert) und et Rösche (Heike Huhmann) mit der Reibeisenstimme. „Deiht üch vun dä rude Bänk de Fott ald wieh?“, fragt sie ins Publikum. „Wat meint ihr wie et mir jeiht, met däm Stock en d’r Fott.“ Deftig, kölsch. Das ist Hänneschen!