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Kein LebenszeichenKölner Journalistin in Syrien vermisst

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Die Kölnerin Eva Maria Michelmann arbeitete in Nordsyrien für kurdische Medien.

Die Kölnerin Eva Maria Michelmann (37) arbeitete in Nordsyrien für kurdische Medien. 

Eva Maria Michelmann hat in Köln Soziale Arbeit studiert. Sie lebte seit mehreren Jahren in Nordsyrien. 

Am Mittwoch um 18 Uhr stand Antonius Michelmann auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz bei der 142. Mahnwache „Stimmen der Solidarität“ und hielt ein Plakat mit den Lettern „Wo ist Eva?“ vor der Brust. Er erzählte die Geschichte seiner Schwester Eva Maria Michelmann, einer Kölner Sozialarbeiterin und Journalistin: Seit mehr als vier Jahren lebe sie im Norden Syriens. Sie habe für eine kurdische Nachrichtenagentur aus der seit dem Jahr 2012 selbstverwalteten kurdischen Region Rojava in Nord-Ost-Syrien berichtet. „Am 18. Januar wurde Eva in Al-Raqqa/Syrien von Kräften der syrischen Übergangsregierung des Präsidenten Ahmed al-Scharaa festgenommen. Die Festnahme erfolgte im Zuge einer militärischen Offensive der syrischen Armee gegen die demokratische Selbstverwaltung. Seither fehlt jedes Lebenszeichen von ihr.“ Mehrere Augenzeugen hätten beobachtet, wie die Kölnerin und der türkische Journalist Ahmed Polad von Militärs in ein Auto gezerrt worden seien.

Das Auswärtige Amt hat unseren Anwälten versichert, sich für meine Schwester einzusetzen
Antonius Michelmann, Bruder

Eva Maria Michelmann sei „eine von vielen. Insgesamt werden noch mehrere hundert Menschen vermisst“, sagt Antonius Michelmann. Das Auswärtige Amt sei informiert, „es hat unseren Anwälten versichert, sich für meine Schwester einzusetzen“, sagt er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Auf Anfrage bestätigte das Auswärtige Amt am Donnerstag die Berichterstattung zu dem Fall – und verwies bei Fragen zu den Hintergründen auf den Persönlichkeitsschutz. Die Deutsche Botschaft Beirut sei „mit dem Sachverhalt befasst und bemüht sich um Aufklärung“, hieß es auf Nachfrage.

Laut der syrischen Journalistenorganisation Vereinigung der freien Presse (VRA) soll Michelmann für verschiedene kurdischsprachige Medien gearbeitet haben.

04.03.2026, Köln: Eva Michaelmann ist eine Journalistin aus Köln, die seit zwei Wochen in Syrien als vermisst gilt. Ihr Bruder Antonius Michelmann fragt: "Wo ist Eva?" auf dem Bahnofsvorplatz hält er eine Rede bei der Mahnwache. Foto: Arton Krasniqi

Bruder Antonius Michelmann berichtete auf dem Bahnhofsvorplatz vom Schicksal seiner Schwester Eva Maria.

Sollte sich bewahrheiten, dass die 37-Jährige, die in Köln Soziale Arbeit studiert hat und ihrem Bruder zufolge lange in der Stadt gearbeitet hat, von den Truppen von Präsident Ahmed al-Scharaa verschleppt wurde, so würde das die zarten diplomatischen Beziehungen Deutschlands zu Syrien deutlicher als zuvor infrage stellen: Nach dem Sturz des Assad-Regimes baut Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amtes „die volle Bandbreite seiner kulturellen und zivilgesellschaftlichen Beziehungen zu Syrien aus“. Im Januar 2025 war die damalige Außenministerin Annalena Baerbock nach Syrien gereist und hatte den früheren Dschihadisten Ahmed al-Scharaa getroffen.

Im März 2025 hatte erstmals wieder eine Delegation von Goethe-Institut, Deutschem Archäologisches Institut, Deutschem Akademischem Austauschdienst und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung Syrien besucht. Im Nordosten Syriens, wo die Kurden den lange dominierenden Islamischen Staat besiegten, hatte sich während des Bürgerkriegs eine relativ liberale Selbstverwaltung aufgebaut, die eigentlich nach dem Sturz von Diktator Assad in die neue staatliche Ordnung eingegliedert werden sollte. Verhandlungen dazu scheiterten indes, stattdessen nahm die Armee der Übergangsregierung Städte wie Kobane, Tabqa und Raqqa ein. Tausende Menschen wurden vertrieben, mindestens 1000 Kämpfer und viele Zivilisten starben. Die Unabhängigkeitsbewegung der Kurden steht vor dem Aus.

Eva Michaelmann

Eva Maria Michelmann

In diese Fronten scheint Eva Maria Michelmann aus Köln, die sich journalistisch für die Unabhängigkeit der Region eingesetzt haben soll, geraten zu sein. „Eva hat ein großes Herz. Sie hat sich immer schon für Menschen eingesetzt, denen es schlecht ging. Wenn sie gebraucht wird, packt sie an. Bei Sozialberatungen oder der Flüchtlingssolidarität, in Kölner Jugendheimen, bei Frauen mit gewalttätigen Männern. Ungerechtigkeiten sind Eva zutiefst zuwider“, sagte ihr Bruder. „Wir haben große Sorge um sie.“

Für kommenden Dienstag planen Eva Maria Michelmanns Mutter Rotraut, Bruder Antonius und die Anwälte eine Pressekonferenz zu dem Fall in der Alten Feuerwache.