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Kleine Experten für ihre LieblingsobjekteKinder erstellen Audioguide für Rautenstrauch-Joest-Museum

Kann man in einem indonesischen Reisspeicher schlafen? In einem Workshop haben Kinder Audioguides zu ihren Lieblingsobjekten erstellt.

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Laribelle, Emine und Daniil arbeiten an Tablets an ihrem Audioguide.

Laribelle, Emine, Daniil (von links) und andere Kinder sowie Jugendliche produzieren im Rautenstrauch-Joest-Museum einen eigenen Audioguide für die Dauerausstellung des Museums.

Der zehnjährige Daniil steht im Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) vor einem Artefakt, das mehr als fünfmal so groß ist wie er selbst. Der indonesische Reisspeicher schmückt das Foyer schon seit fast 20 Jahren, diente ursprünglich zum Trocknen und Aufbewahren von Reis und litt vor der Restaurierung unter Schimmel. Das weiß Daniil auswendig, denn seit dieser Woche ist er Experte für den Reisspeicher. Mit seinem älteren Bruder hat er einen Beitrag dazu für einen neuen Audioguide des Museums erstellt, den Kinder und Jugendliche einsprechen.

Toben und Texten

Zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 8 und 16 Jahren waren von Montag bis Freitag für das Museum im Einsatz. Sie haben den neuen Audioguide aus der Kinderperspektive selbstständig entwickelt. „Space for Kids“ steht in großen gelben Buchstaben über dem Eingang des Raumes, in dem die Kinder arbeiten.

An der Decke hängen weiße Tücher und mittendrin steht ein buntes Zelt, umgeben von knalligen Sitzsäcken. Normalerweise öffnet dieser Raum im Museum nur am Wochenende. Hier können Familien spielen, lesen und basteln. Jetzt wuseln die Kinder des Workshops darin herum und arbeiten an ihren Texten. „Zwischendurch können sie auch mal herumtoben und mit Kissen werfen“, sagt Dominik Fasel vom Museumsdienst Köln.

Der Museumsdienst ist für Bildung und Vermittlung zuständig, das heißt, er gestaltet in allen neuen städtischen Museen Führungen, Workshops und Infotexte. In Zusammenarbeit mit dem RJM ist so der Audioguide-Workshop entstanden. Die museumspädagogische Gemeinschaft trat als Förderin auf. Mit seinen Kolleginnen Fabiola Arellano Cruz und Julia Müller hat Fasel das Projekt organisiert und betreut. „Wir möchten, dass die Kinder aktiv mitgestalten können und ihre besondere Perspektive sichtbar wird“, sagt er.

Vom Lieblingsobjekt zum eigenen Skript

Jedes Kind stellt ein Ausstellungsstück im Audioguide vor. Das durften sie sich Anfang der Woche selbst in der Ausstellung aussuchen. Mit den Erwachsenen haben sie dann gelernt, was einen Audioguide überhaupt ausmacht und wie man eine Geschichte gut erzählt. Über Texte, Gespräche und Videos sind sie zu Experten für ihre Lieblingsobjekte geworden. Das eigene Skript durften sie am Freitag im Hörfunkstudio des In-Haus Vereins in Kalk einsprechen, immer zu zweit. So konnten sie sich die Geschichte gegenseitig erzählen, statt in einen leeren Raum zu sprechen. „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen wortwörtlich eine Stimme geben“, sagt Fasel. In den Beiträgen ist fast alles erlaubt, Meinungsäußerungen und persönliche Eindrücke sind sogar erwünscht.

Emine (9) hat sich direkt einen ganzen Raum vorgenommen: das Kayseri-Zimmer. Die Wandvertäfelungen sind original aus einem Haus der türkischen Stadt Kayseri und stammen aus dem 19. Jahrhundert. „Es erinnert mich an das alte Haus von meinem Vater. Er ist in einem Dorf bei Kayseri aufgewachsen“, erzählt sie. Dort habe es immer türkischen Tee gegeben. Ihr gefallen die Wände mit den orientalischen Formen. Auch die Shisha in der Vitrine findet in ihrem Beitrag Erwähnung.

Kinder aus Kalk gestalten den Audioguide

Der Workshop ist gemeinsam mit dem kulturellen Zentrum In-Haus in Köln-Kalk entstanden. Die Kinder kommen aus Familien, zu denen In-Haus eine Verbindung hat: Der Verein kennt manche Eltern aus dem Deutschkurs, einige waren auch früher in der In-Haus Kita-Gruppe. „Es ist bewusst ein Angebot für Kinder, die sonst wenig Gelegenheit haben, ins Museum zu gehen“, sagt Fasel.

Wie alle Kinder hier hat auch die 14-jährige Laribelle eine Woche ihrer Herbstferien für das Projekt investiert. Ihre Mutter arbeitet für In-Haus in Kalk und Laribelle macht gerne bei den Projekten mit. Neben ihrem Objekt, einem nachgebildeten Lotus-Fuß in einer Vitrine, liest sie aus ihrem Skript vor: „Ein Fuß so groß wie der eines Babys! Das kann man sich doch kaum vorstellen!“

Sie erzählt von einer alten Tradition in China: Mädchen wurden die Füße über Jahre fest abgebunden, weil kleine Füße als schön galten. Die Folgen waren oft lebenslange Schmerzen und Fehlstellungen. „Ich lerne gerne Neues über eine Kultur kennen. Mehr Allgemeinwissen zu haben, hilft mir auch in der Schule“, sagt Laribelle.

Anfang Dezember sollen die Audiobeiträge fertig produziert sein. Dann sollen sie kostenlos auf der Website und auf einigen Leihgeräten im Museum für Kinder und Erwachsene zur Verfügung stehen. In weiteren Workshops mit anderen Kindern sollen laut Fasel einmal noch mehr Museumsobjekte beschrieben werden. Der zehnjährige Daniil hätte in den Ferien zwar auch gerne häufiger ausgeschlafen, aber er konnte sich in einer Woche viele Fragen beantworten: Wie ist der riesige Reisspeicher überhaupt durch die Tür gekommen? Und kann man darin schlafen? „Sie mussten es auseinanderbauen, um es hier reinzubekommen. Und es sieht zwar so aus, aber schlafen kann man nicht darin, leider.“