Kölner Food-Bloggerin über Gastro„Ich meide Lokale, die nur Barzahlung akzeptieren“

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Gol Ebrahimpour ist Cologne Food Explorer auf Instagram.

Köln – Es gibt Hobbys, für die man tief in die Tasche greifen muss: Skifahren oder Pokern zum Beispiel. Auch Essengehen kann zum großen Posten im eigenen Haushaltsbuch werden, wenn man wie Gol Ebrahimpour gefühlt fast jeden Freizeit-Euro in die Gastronomie steckt. „Ich gehe sechs bis sieben Mal die Woche essen, manchmal auch zwei Mal an einem Tag. Ich liebe Essen“, sagt die Food-Bloggerin.

Auf Social Media heißt sie „Cologne Food Explorer“ und präsentiert seit der ersten Stunde der Plattform „Instagram“ ihre Lieblingslokale und vor allem Gerichte, die auf ästhetische Weise inszeniert Lust auf einen Besuch machen sollen. Mittlerweile folgen ihr rund 8000 Nutzer, zu „90 Prozent aus Köln“, so die 35-Jährige. Ihre Leidenschaft für die Gastro ist aber deutlich älter als Instagram. Schon mit 16, erzählt sie in einem Café am Eigelstein, habe sie die Schule geschwänzt, „um Lokale auszuchecken und Kaffee zu trinken“.

Pop-Up-Veranstaltung in Köln

„In der Abiphase habe ich mich lieber quer durch Köln gegessen, statt für die Klausuren zu büffeln.“ Dann kam der erste Aushilfsjob im „Café Café“ auf der Aachener Straße. Auch während des Design-Studiums an der Kölner TH stand sie immer mit einem Bein in einem Café oder Restaurant und lernte vom Service bis zur Küche viele Bereiche kennen. Gastgeberin war sie auch schon, allerdings nicht im eigenen Café, sondern bei sich zuhause.

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Bei ihrer Pop-ip-Veranstaltung „Breakfast Club Cologne“ vor fünf Jahren empfing sie jedes Wochenende etwa 20 Gäste zum Frühstück und tischte mehrere Gänge auf. Kochen sei wie Yoga, dabei könne man so schön entspannen. Doch für eigene kulinarische Experimente habe sie mittlerweile nicht mehr viel Zeit.

Stattdessen probiert sie sich durch die Menus der Stadt, am liebsten im Belgischen Viertel und in der Südstadt, wo sie aufgewachsen ist. „Hier gibt es die besten Lokale für mich“, sagt Ebrahimpour. Ihre Lieblingsküche ist die japanische und vietnamesische. „Ich esse Currys in jeglicher Form und bin bei der Auswahl mutig. Ich lasse mir immer Gerichte empfehlen, weil ich was Authentisches bestellen will und nicht das, was die meisten bestellen“, sagt die Kölnerin mit iranischen Wurzeln. Persische Restaurants meidet sie jedoch partout. Denn die würden ohnehin nicht ihrem Anspruch genügen. „Persisches Essen? Da muss ich immer alle enttäuschen, die mich danach fragen, aber das bekommt man nur bei meiner Mutter zuhause. Sie ist eine begnadete Köchin.“

Kölner Lokale im Vergleich mit anderen Städten

Neben Essen und Fotografie ist Reise eine weitere Leidenschaft der Kölnerin. Zuletzt hat sie einen Monat in Lissabon verbracht und von dort aus gearbeitet – und nebenbei die lokale Gastroszene erkundet. Begeistert hat sie das Frühstücksangebot in der portugiesischen Hauptstadt. Längere Aufenthalte in Amsterdam oder Abstecher nach Barcelona zeigten ihr, dass Köln in Sachen Gastro „zwei, drei Jahre hinterhinkt“. Vor allem in Bezug auf Karten- und Online-Zahlung. „Ein Restaurant, das nur noch Barzahlung annimmt, entspricht nicht mehr dem heutigen Zeitgeist, insbesondere in Corona-Zeiten. Daher meide ich die, die da nicht mitziehen.“

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Aber auch wenn in den urbanen Großstädten Europas die Gastro weiter sei, gehöre ihr Herz Köln. „Ich liebe Köln über alles und ich finde es auch manchmal nicht schlimm, dass nicht alles so durchgestylt ist.“ Manchmal könnten Lokale und ihre Inhaber mehr Mut in ihren Konzepten aufbringen, findet sie, und beispielsweise ihre Karte ein wenig entschlacken, um es nicht allen recht machen zu wollen. Aber die hiesige Szene zeichne sich für Ebrahimpour dadurch aus, „dass man unglaublich schnell ins Gespräch kommt, dass die Leute sehr offen und untereinander gut vernetzt sind“.

Kölner Gastronomen immer für ein Pläuschchen zu haben

Ein Pläuschchen sei immer drin. Man merke den Kölner Gastronomen einfach an, dass sie gerne Gastgeber sind. Die 35-Jährige muss es wissen: Während ihrer Jobs und ihrer Food-Blogger-Tätigkeit seien viele Freundschaften entstanden. Und trotzdem möchte sie mit dem Vorurteil aufräumen, dass sie ständig eingeladen und der rote Teppich ausgerollt wird, sobald sie auf den Plan tritt. „99 Prozent geht auf mich.“

Mittlerweile verdient sie auch Geld mit dem Food-Bloggen. „Es kam eins zu anderen: Die Empfehlungen, dann die Kooperationen und mittlerweile habe ich angefangen, für eine Werbefläche auf meinem Account Geld zu nehmen.“ Wichtig sei ihr jedoch, dass sie mit sich im Reinen bleibe, sie müsse vorher erst kosten, und „wenn es nicht schmeckt, kommt der Auftrag nicht zustande“.

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