Köln früher und heute„Über das Dom-Hotel gehen viele Geschichten um die Welt”

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So sah das Dom-Hotel zwischen den Weltkriegen aus.

  • In unserer PLUS-Serie „Köln früher und heute” zeigen wir jede Woche einen Ort in Köln und erzählen von dessen Geschichte und Gegenwart.
  • In dieser Folge geht es das derzeit unbewohnte und eingerüstete Dom-Hotel am Roncalliplatz, viele Jahrzehnte lang Treffpunkt der Schönen, Reichen und Mächtigen.
  • Um das Hotel ranken sich viele Geschichten, unter anderem die, dass die Diva Sophia Loren einst eine saftige Rechnung kassierte, als sie in ihrem Hotelzimmer Nagellack auf den Teppich verschüttete.
  • Aber auch die Bau-Geschichte des prominentesten Hotels der Stadt steckt voller Kuriositäten.

Köln – Einen bedeutenderen und erhabeneren Ort, seine Tage und Nächte in Köln zu verbringen, gibt es wohl kaum: „Wer einmal bei einer großen Veranstaltung auf dem Balkon des Hotels stand, wird die Ansicht nicht mehr missen wollen“, sagt Ulrich S. Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs.

Gemeint ist das Dom-Hotel, wo allerdings schon lange kein Gast mehr die überwältigende Aussicht auf den Dom genossen hat. Das Bauwerk aus dem Jahr 1893 ist seit Jahren geschlossen, es wird komplett entkernt und modernisiert. Die Fassade ist größtenteils verhüllt und es wird wohl noch ein ganzes Weilchen dauern, bis der große Balkon am Roncalliplatz wieder zum Treffpunkt der Reichen, Schönen und Mächtigen wird.

Kaiser Wilhelm II, Adolf Hitler, Queen Elizabeth II., Lyndon B. Johnson, Peter Ustinov – sie alle stiegen schon in der Nobel-Herberge an Kölns bester Adresse ab. Sophia Loren soll einst Nagellack auf dem Teppich ihres Zimmers verschüttet haben, für die Reinigung stellte ihr das Hotel 2500 D-Mark in Rechnung. Ulrich S. Soénius nennt das Dom-Hotel mit seinen illustren Gästen sogar einen „Standort-Faktor“ für die Stadt, „gehen doch über das Haus viele Geschichten um die Welt“.

Das historische Foto zeigt das Grand-Hotel vor dem Zweiten Weltkrieg. Das Dach mit seinen Kuppeln und Türmen ist noch vorhanden, nach den Bombenangriffen auf Köln, die auch das Hotel massiv treffen, wird es nicht mehr aufgebaut. Das Flachdach entstand in den Nachkriegsjahren auch aus Rücksicht auf den Dom, dem das Hotel schließlich seinen Aufstieg zu verdanken hatte: Es sollte den Blick auf die Kathedrale weniger stören als die drei Kuppeln samt Turmhauben und diverser Ornamente. „Das Dom-Hotel passte sich in seiner langen Geschichte als Hotel seit 1840 immer der Umgegend an und nahm Rücksicht auf das heutige Weltkulturerbe Dom“, sagt Ulrich S. Soénius.

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Im 18. und 19. Jahrhundert war der Dom noch eng umbaut, am Domhof Nummer 9, dem heutigen Roncalliplatz, stand das Haus „Zum Palat“ (Zum Palast), das als Keimzelle des Dom-Hotels gilt. Hier gab es seit 1779 einen Ballsaal, der später erweitert wurde, bis 1840 schließlich der „Gasthof zum Kölner Dom“ erstmals auch einen Hotelbetrieb aufnahm. „Für internationale Gäste nannte Besitzer Albert Harff sein Haus „Hôtel du Dôme“ beziehungsweise „Dome Hotel““, so Soénius. Die Grundsteinlegung für den Weiterbau des Kölner Doms 1842 habe die Attraktivität des neuen Hotels enorm gesteigert.

1857 eröffnet nach einem Umbau das „Dom-Hotel“, das immer weiter expandiert und nicht zuletzt durch den neuen Hauptbahnhof und die Dombrücke in unmittelbarer Nachbarschaft mehr und mehr Übernachtungen verbuchen kann. Nachdem 1885 der Mittelteil des Gebäudes bei Renovierungsarbeiten wegen fehlerhafter statischer Berechnungen einstürzte, entstand an derselben Stelle ein größerer Neubau. Eröffnung des Gebäudes mit 66 Zimmern und aufwendig gestalteter Fassade im Neorenaissance-Stil sowie Arkadengang im Erdgeschoss mit zehn Bögen war im Februar 1886.

Nobelherberge mit langer Geschichte

Doch dieser Bau überstand nur wenige Jahre. Ab 1890 sollten die Gebäude in unmittelbarer Dom-Umgebung abgebrochen werden und auch die Verlegung des Dom-Hotels wurde verhandelt. „Der Dom sollte in seiner gesamten Pracht gesehen und nicht von hohen Gebäuden verdeckt werden“, sagt Ulrich S. Soénius. Die Eigentümer-Familie Metz stimmte einem Grundstückstausch zu, sodass von 1890 bis 1893 der wesentlich größere Nachfolgebau errichtet wurde – 34 Meter hinter dem erst wenige Jahr zuvor eröffneten Dom-Hotel. Kurios: Als das neue Hotel am 15. April 1893 in Betrieb genommen wurde, stand das alte noch. Allerdings nicht mehr lange.

Architekten des neuen, wilhelminischen Prachtbaus im Stile der Neorenaissance waren Heinrich Joseph Kayser und Karl von Großheim aus Berlin. 180 Zimmer hatte das 65 Meter lange Haus, hinzu kamen ein Arkadengang, geschmückte Balkons und Balustraden. Es wurde eine Nobelherberge mit langer Geschichte und vielen trivialen und traurigen Geschichten. Dazu gehören Spionage-Aktivitäten der deutschen Agentin und Nackttänzerin Mata Hari im Kriegsjahr 1916, aber auch der März 1944, als Hotel-Direktor Roland Metz im Dachstuhl der nördlichen Kuppel erhängt aufgefunden wird. Nach mehreren kritischen Äußerungen gegenüber dem NS-Regime wollte er möglicherweise einer Verhaftung durch die Gestapo zuvorkommen.

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