Einst war er der Boss der Kölner Bandidaos. Ab Mittwoch muss sich Aykut Ö. (38) vor dem Kölner Landgericht verantworten.
Er narrte einst die JustizKölner Rockergröße droht jetzt die Sicherungsverwahrung

Der frühere Kölner Bandidos-Präsident Aykut Ö. (38) steht bald vor Gericht.
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Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen verhandelt das Kölner Landgericht ab Mittwoch gegen eine Kölner Rockergröße. Der ehemalige Bandidos-Präsident Aykut Ö. (38) muss sich wegen Anstiftung zum versuchten Mord in zwei Fällen verantworten – er soll laut Staatsanwaltschaft für Schüsse auf ein Auto auf der Zoobrücke und ein Café in Buchheim verantwortlich sein. Zur Tatzeit 2018 tobte in Köln ein erbitterter Kampf zwischen den Bandidos und den Hells Angels um die Vorherrschaft in Köln. Aykut Ö. konnte lange einer Anklage entgehen. Nun aber droht ihm die Sicherungsverwahrung.
Köln: Blutiger Rockerkrieg zwischen Bandidos und Hells Angels
Bereits das ganze Jahr über hatten sich Mitglieder der damals verfeindeten Rockergruppierungen gegenseitig beschossen. Allein dem Zufall war es geschuldet, dass es keine Todesopfer zu beklagen gab. So auch im November 2018, als ein regelrechtes Rollkommando das Feuer auf Besucher eines Lokals in Ostheim eröffnete. Drei Männer, die von den Ermittlern dem Umfeld der Bandidos zugeordnet wurden, erlitten Schussverletzungen. Bandidos-Boss Ö. soll einem Untergebenen danach den Auftrag zu einer Vergeltungsaktion erteilt haben – wieder unter Verwendung einer Schusswaffe.

Als Auslöser der Vergeltungsaktion gilt eine Schießerei vom November 2018, bei der vor einem Café in Ostheim mehrere Personen verletzt wurden.
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Ziel der Racheaktion sollte ein führendes Hells-Angels-Mitglied werden. Die Täter observierten eine Shisha-Bar, wo der Mann verkehrte, verfolgten in einem Miet-Mercedes dessen VW Golf. Auf der Zoobrücke positionierten sich die Täter dann neben dem Volkswagen und zwei Insassen eröffneten das Feuer. Sechsmal wurde das Fahrzeug des Konkurrenten getroffen. Später stellte sich heraus, dass die „Zielperson“ sich gar nicht in dem VW befunden hatte. Getroffen wurde ein 21-Jähriger, der sich das Auto geliehen hatte und mit einem Freund lediglich zu einem Fast-Food-Imbiss fahren wollte.
Die Hüfte des jungen Mannes wurde durchschossen, der Darm verletzt. Eine Not-Operation rettete dem Mann das Leben. Verurteilt wurde dafür bereits der Mann, der den Auftrag entgegengenommen haben soll – er erhielt im November 2024 eine Gesamtstrafe von neuneinhalb Jahren Gefängnis. Der Schütze hatte sich zunächst in die Türkei abgesetzt, seine Ehefrau und zwei Kinder in Deutschland zurückgelassen. Fünf Jahre später hatte der Mann sich zur Rückkehr entschlossen und nach seiner Verhaftung reinen Tisch gemacht – und dabei auch seinen früheren Boss Aykut Ö. belastet.
Köln: Schüsse auch auf Café in Buchheim
Auch soll Ö. laut Anklage hinter den Schüssen auf ein Café in Buchheim im Januar 2019 stecken. Das gehörte einem verfeindeten Hells-Angels-Mitglied, mit dem Ö. kurz zuvor bei einem Steuerberater in der Innenstadt aneinandergeraten war. Es kam zu einem Schusswechsel auf offener Straße. Danach soll Ö. ein Bandidos-Mitglied zu dem Café des Kontrahenten geschickt und ihm zu diesem Zweck eine Maschinenpistole überreicht haben. Die Gäste des Lokals überlebten eine Schusssalve, sie konnten rechtzeitig in Deckung gehen. Der Schütze erhielt für den Mordanschlag eine hohe Gefängnisstrafe.
Zu einer Anklage gegen Ö. war es im Zusammenhang mit den Schüssen auf der Zoobrücke und das Café in Buchheim zunächst nicht gekommen. So hatte der ursprüngliche Kronzeuge seine belastenden Aussagen widerrufen und bei Polizei, Staatsanwaltschaft und vor Gericht abweichende Aussagen zur Rolle von Aykut Ö. gemacht. Später stellte sich heraus: Rockerboss Aykut Ö. soll ihm dafür über Mittelsmänner 150.000 Euro gezahlt haben – 50.000 Euro im Mai 2024, den Rest im September. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-Jährigen daher auch versuchte Anstiftung zur Falschaussage vor.
Köln: Aykut Ö. narrte die Justiz und floh nach Spanien
Den Rockerkrieg hatte der damalige Kölner Polizeipräsident so kommentiert: „Mitten auf Kölner Straßen wird mit hochkarätigen Waffen geschossen, als wären wir hier im Wilden Westen.“ Aykut Ö. hingegen sah das alles wohl eher als Spiel an. Mitte 2021 narrte er noch die Kölner Justiz. Einen Haftantritt im offenen Vollzug für die Schießerei in der Innenstadt ließ er mit kuriosen Anträgen immer weiter nach hinten verschieben. Seine Ehefrau sei schwanger, er habe Corona, er müsse sein Haus in der Türkei verkaufen und leide an einem Hexenschuss, ließ Aykut Ö. als Gründe übermitteln.
Als die Behörden schließlich auf den Haftantritt gepocht haben sollen, flüchtete Aykut Ö. aus der JVA Euskirchen ins spanische Marbella. Im dortigen Jachthafen wurde er schließlich festgenommen und später nach Deutschland ausgeliefert. Im jetzt startenden Prozess verfolgt die Staatsanwaltschaft auch die Sicherungsverwahrung des Mannes. Er sei infolge eines Hanges zu schweren Straftaten für die Allgemeinheit gefährlich. Die Schwurgerichtskammer von Richterin Sibylle Grassmann hat bisher 26 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil im Landgericht soll frühestens Ende August fallen.
