Gänse-Manager entnehmen EierWie die Stadt Köln die Verbreitung der Wildgänse stoppen will

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Ein Nilgänse-Paar mit drei Gössel am Aachener Weiher.

Seit März brüten die Nilgänse wieder in städtischen Anlagen, wie hier am Aachener Weiher.

Zu viele aggressive Wildgänse, die Unmengen Kot hinterlassen. Die Stadt will das ändern. Als Vorbild dient der Nachbar aus Düsseldorf.

Seit dem 1. Februar suchen Gänse-Manager in den Parks und an den Gewässern Kölns nach Eiern. Bisher haben sie zwei Nester gefunden, drei weitere beobachten sie noch. Ihre Aufgabe ist es, aus den Nestern alle Eier bis auf eins zu entnehmen. Im Auftrag der Stadt Köln setzen sie das sogenannte Gelegemanagement um, das die Geburtenrate der Wildgänse unter Kontrolle bringen soll.

Stadt Köln: „Einsichtsfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger“ gefragt

Denn seit Jahren breiten sich mehrere Gänsearten auf städtischen Grünanlagen aus. Dem will die Stadt mit der bis Mitte Mai andauernden Maßnahme ein Ende setzen. Auch wenn das Hauptproblem Menschen seien, die die Wasservögel widerrechtlich füttern. „Der Erfolg hängt von der Einsichtsfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger ab, dass Fütterungen schaden statt nutzen“, sagt Andrea Langefeld von der Unteren Jagdbehörde des Grünflächenamts, das sich seit 2020 mit dem Thema beschäftigt.

Eine schnatternde Nilgans geht auf den Fotografen zu.

Eine Nilgans verjagt einen vermeintlichen Angreifer.

Es sei „noch zu früh“, um ein Zwischenfazit zum Gelegemanagement zu ziehen, sagt Langefeld. Einen Erfolg konnte man jedoch schon verzeichnen. Denn das Beispiel Mediapark zeigt, welchen Unterschied ein Fütterungsverbot ausmacht. Von 50 Gänsen haben 42 die Gegend verlassen, weil sie dort nun keine Nahrung mehr finden, so Langefeld weiter.

150 Kothäufchen pro Tag pro Gans

Die Verbreitung der Gänse ist erstens wegen ihrer Exkremente ein Problem. Ohne menschlichen Einfluss koten die Gänse rund 1,4 Kilo. Das sind 150 Kothäufchen pro Tag pro Gans. Durch die nicht vorgesehene Fütterung steigt die Menge auf bis zu zwei Kilo, sagt Langefeld. Die Hinterlassenschaften sind nicht nur für Parkbesucher unangenehm. Sie können auch die Gewässer verunreinigen und sogar zum Umkippen bringen.

Zweitens verteidigen die Gänse ihren Nachwuchs auch aggressiv. Das sind die mit den auffälligen Ringen um die Augen. In der Brutzeit zwischen März und Juni verteidigen die ruffreudigen Gänsepaare ihre jungen Gössel. Sie machen sich groß, schnattern und breiten ihre Flügel aus, um die (vermeintlichen) Angreifer zu verscheuchen. Zeigt das keine Wirkung, attackieren sie auch Menschen.

Drei Gössel sitzen auf einer zugefrorenen Wiese.

Hier wurde ein Nest übersehen: Die Gelege-Manager sollen alle Eier außer einem entnehmen.

Das Gelegemanagement hat die Einschätzung von Biologen bestätigt, dass sich an Kölner Gewässern etwa 600 Kanadagänse – die mit dem weißen Kehlfleck – und 70 Nilgänse befinden. Nilgänse legen zwischen sechs und zehn, Kanadagänse zwischen fünf und sechs Eier. Die Eier werden „entsprechend den gesetzlichen Vorgaben“ entsorgt, heißt es von der Stadt. Derzeit nehme der Zoo die Eier ab.

Auch in anderen rheinischen Städten sorgt die Wildgans seit Jahren für Diskussionsstoff. Bereits 2017 trafen sich Vertreter der Grünflächenämter, um über das Gänse-Problem zu sprechen. Der Lösungsansatz eines Gelegemanagements ist auch nicht neu. In Düsseldorf machen Gänse-Manager seit 2018 vor, wie die Gänse-Population erfolgreich in Griff gehalten werden kann. Dort werden die Eier durch Kunsteier ersetzt. Dafür erkannte man in Köln keinen „sachlichen Grund“, so Langefeld. Ähnliche Konzepte lassen sich in Duisburg, Neuss und einigen bayerischen Ortschaften wiederfinden.

Die Jagd auf Gänse in der Innenstadt als Mittel zur Populationskontrolle ist nicht vorgesehen. Das Bundesjagdgesetz verbietet es. 

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