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Vorwürfe reichen über JahreGeldwäsche, Sozialbetrug, Menschenhandel – Kölner Großfamilie vor Gericht

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Bei einer Razzia fand die Polizei Luxusautos in der Garage der Kölner Familie, die Sozialhilfe bezog. (Archivbild)

Bei einer Razzia fand die Polizei Luxusautos in der Garage der Kölner Familie, die Sozialhilfe bezog. (Archivbild)

Die Vorwürfe gegen eine Kölner Großfamilie wiegen schwer. Doch nach dem ersten Prozesstag ist das Verfahren offener als gedacht.

Seit Donnerstag müssen sich fünf Mitglieder einer Kölner Großfamilie vor dem Landgericht verantworten: die Eltern (beide 68 Jahre alt), zwei Schwestern (44 und 48 Jahre) und der Sohn (26 Jahre) einer der Schwestern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen laut Radio Köln unter anderem Geldwäsche, Menschenhandel, Betrug, Hehlerei, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Sozialleistungsbetrug in Höhe von rund 145.000 Euro vor.

Eine Immobilie in Ostheim als Dreh- und Angelpunkt des Clans

Den Angeklagten wird laut Anklage vorgeworfen, ihren Lebensunterhalt über Jahre hinweg durch Eigentums- und Vermögensdelikte bestritten zu haben. Eine Immobilie in Köln-Ostheim habe dabei eine zentrale Rolle gespielt. Das Haus sei 2009 mit Geld aus Straftaten erworben worden und habe dem Clan zugleich als Wohnort und finanzielle Drehscheibe gedient. Bei einer Razzia im Jahr 2020 wurden Luxusautos, teure Uhren und Schmuck sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft strebe nun an, die Immobilie einzuziehen.

Eine Razzia fand 2020 in der Familienvilla in Ostheim statt. (Archivbild)

Eine Razzia fand 2020 in der Familienvilla in Ostheim statt. (Archivbild)

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Familie Teil eines größeren, familiär vernetzten Gefüges gewesen sein soll. „Die Gruppierung war Teil einer Reihe von familiär verbundenen Organisationseinheiten“, sagte die Staatsanwältin laut „Kölnische Rundschau“ bei der Anklageverlesung. Diese hätten sich gegenseitig bei Straftaten und im Umgang mit deren Folgen unterstützt. Das Rechtsverständnis der Angeklagten sei von einer „Ablehnung beziehungsweise Ignoranz gegenüber der deutschen Rechtsordnung“ geprägt gewesen.

Clan-Prozess in Köln: Zwölf Verhandlungstage sind angesetzt

Besonders detailliert beschreibt die „Welt“ das mutmaßliche System, das sich über mehrere Generationen erstreckt haben soll. Demnach seien Sozialleistungen bezogen worden, obwohl keine Bedürftigkeit bestanden habe. Die Ermittler sprechen von einem „bewusst geschaffenen Konstrukt“, mit dem Leistungen dauerhaft gesichert worden seien. Auch viele Diebstähle zum Nachteil von Senioren gehören laut Anklage zum Tatkomplex des Clans.

Zusätzliche Brisanz erhält das Verfahren durch den Vorwurf des Menschenhandels. Ein bei der Razzia sichergestelltes Blanko-Dokument mit der Überschrift „Heiratsverpflichtungen“ ist seit Donnerstag Teil der Beweisaufnahme. Es soll den Kauf einer minderjährigen Frau regeln und bildet einen zentralen Punkt der Anklage.

Doch schon am ersten Verhandlungstag zeigte sich, dass der Prozess nicht geradlinig verlaufen könnte. Nach einem Rechtsgespräch machte das Gericht deutlich, dass es erhebliche Zweifel habe, ob weite Teile der Anklage überhaupt beweisbar seien. Diskutiert wurde sogar, das Verfahren auf den Vorwurf des Sozialleistungsbetrugs zu beschränken und die übrigen Anklagepunkte einzustellen, wie die „Rundschau“ schreibt.

Die 44-jährige Angeklagte ließ wohl über ihren Verteidiger erklären, sie bestreite die Vorwürfe aus der „fantasievollen Anklage“. Die übrigen Angeklagten äußerten sich bislang nicht. Wie es weitergeht, ist offen. Der nächste Verhandlungstag ist am 4. Februar (Mittwoch). (sbo)