Die Züricher befürchten Verlagerungseffekte aus kleineren Kommunen, die Kölner Stadtverwaltung teilt diese Sorge nicht.
SuchthilfezentrumStadt will auch Menschen ohne Wohnsitz in Köln helfen

Die Kölner Polizei ist am Neumarkt in der Drogenszene im Dauereinsatz.
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Die Stadt Köln will das neue Suchthilfezentrum im Pantaleonsviertel für jeden Schwerstabhängigen öffnen – egal, woher er kommt. Die Schweizer Stadt Zürich, deren Modell für den Umgang mit Suchtkranken Köln als Vorbild dienen soll, unterstützt in ihren Suchthilfezentren hingegen ausschließlich Menschen, die in Zürich einen festen Wohnsitz haben oder als Wohnungslose zuletzt hatten. Die Züricher sehen die Gefahr, dass sich ansonsten Drogenszenen aus kleineren Kommunen in ihre Stadt verlagern würden. Deshalb kontrollieren Mitarbeiter, ob die Suchtkranken eine Zugangsberechtigung haben, bevor sie eine der Kontakt- und Anlaufstellen betreten dürfen.
Sog-Wirkung in Köln nicht zu erwarten
Die Verantwortlichen der Kölner Stadtverwaltung teilen diese Sorge nicht. „Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage, dass Konsumierende aus anderen Städten angelockt werden. Mit einer Sog-Wirkung ist nicht zu rechnen“, teilte eine Stadtsprecherin auf Anfrage mit. Eine Studie des Suchtforschers Daniel Deimel zeige, dass etwa 83 Prozent der Konsumierenden am Neumarkt ihren Wohnsitz in Köln und weitere zehn Prozent ihren Lebensmittelpunkt seit durchschnittlich anderthalb Jahren in Köln haben. 27 Prozent der befragten Personen in Köln gaben an, in der vergangenen Woche überwiegend in der eigenen Wohnung geschlafen zu haben, 63 Prozent waren wohnungslos. Für die Studie wurden im Herbst 2024 insgesamt 120 Angehörige der Kölner Drogenszene befragt.
Bei dem neuen Suchthilfezentrum handele es sich um ein niedrigschwelliges Angebot, sagte die Stadtsprecherin. So sollen die Nutzer dort weder nach Klarnamen noch nach dem Wohnsitz befragt werden. Die Sorge der Stadt Köln: Würden Personen abgelehnt werden, die nicht in Köln ihren Wohnsitz haben, würde der Konsum stattdessen im öffentlichen Raum stattfinden.
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Und tatsächlich war es in Zürich im Sommer und Herbst 2025 so, dass zeitweise mehr als die Hälfte der Konsumierenden im öffentlichen Raum Menschen ohne einen Wohnsitz in der Stadt Zürich waren. Als Reaktion darauf eröffnete die Stadt Zürich im Rahmen einer temporären Angebotserweiterung einen „Raum für Konsum und Triage“. Dieser bietet Konsumierenden ohne Wohnsitz in Zürich in einem ersten Schritt einen geschützten Rückzugs- und Aufenthaltsort mit Konsummöglichkeit. In einem zweiten Schritt sollen die Menschen an die für sie zuständigen Herkunftsgemeinden vermittelt werden.
In Zürich ist der Kleinhandel möglich
Das neue Suchthilfezentrum soll neben einem Drogenkonsumraum auch über weitere Räume verfügen, in denen sich die Schwerstabhängigen ausruhen und duschen und ihre Kleidung waschen können. Außerdem soll es die Möglichkeit geben, sich Sozialarbeitern anzuvertrauen.
In Zürich ist in den sichtgeschützten und umzäunten Außenbereichen zudem der Kleinhandel mit Drogen möglich. Schwerstabhängige, die den Sozialarbeitern bekannt sind, dürfen dort in geringen Mengen Drogen verkaufen. Das hat den Vorteil, dass die Polizei außerhalb des Suchthilfezentrums rigide gegen Drogenhändler vorgehen kann.


