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Zunehmende AnfeindungenKölner Synagogengemeinde besorgt über wachsenden Antisemitismus

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Der Vorstand der Synagogengemeinde und Oberbürgermeister Torsten Burmester.

Michael Rado (v.li.), Moderator Helge Fuhst, Oberbürgermeister Torsten Burmester, Abraham Lehrer, Anne Henk-Hollstein, Felix Schotland und Bettina Levy beim Jahresempfang der Synagogengemeinde.

Auch in Köln werde „die Bühne wieder frei gemacht für antisemitische Veranstaltungen“, sagte der Vorstand beim Jahresempfang in der Synagoge.

Die Kölner Synagogengemeinde sieht sich zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt. Antisemitismus und Gewaltbereitschaft würden stärker und deutlicher ausgesprochen, sagte Bettina Levy vom Vorstand der Gemeinde am Rande des Jahresempfangs in der Synagoge an der Roonstraße. Laut ihrem Vorstandskollegen Felix Schotland finden alte Vorurteile gegenüber Juden in hohem Maße auch in den sozialen Medien Verbreitung. Hier würden zum Beispiel Aussagen von Rabbinern durch Künstliche Intelligenz manipuliert.

Mehr als 500 Gäste von Kirchen, Vereinen, Politik und Behörden nahmen am Jahresempfang der Synagogengemeinde teil. Viele hätten sich sofort nach der Einladung für den Abend angemeldet, so Schotland: „Der Solidaritätsgedanke mit Israel ist spürbar.“ Im gemeinsamen Vortrag mit Bettina Levy äußerte er gleichzeitig seine Sorge über aktuelle Entwicklungen. An Universitäten, Kunst- und Kulturstätten werde auch in Köln die „Bühne wieder frei gemacht für antisemitische Veranstaltungen“.

Antisemitismus von rechts und von links

Antisemitismus komme von rechts und von links: „Wer in dieser Stadt öffentliche Verantwortung trägt, darf bei Antisemitismus keine Grauzone zulassen.“ Auch die aktuellen Angriffe Israels und der USA auf Iran kamen zur Sprache: „Unser Mitgefühl, unsere Solidarität gelten dem iranischen Volk, den vielen mutigen Menschen, die seit Jahren für Würde, Stärke und Freiheit kämpfen“, so Levy und Schotland. Das iranische Regime sei eine globale Bedrohung: „Die Mullahs in Teheran haben die Vernichtung Israels nicht als Rhetorik gemeint, sie meinen sie als Programm.“

Oberbürgermeister Torsten Burmester betrachtete es als seine Verantwortung, gegen Antisemitismus zu kämpfen: „Für mich beginnt das mit klarer Haltung, einem ehrlichen Interesse an jüdischem Leben in unserer Stadt.“ Die geplante Neugestaltung des NS-Dokumentationszentrums habe seinen „vollen Rückhalt“. Einsetzen werde er sich zudem für die Ansiedlung einer deutschen Außenstelle der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Köln: „Dieses Projekt ist mir ein Herzensthema, für das ich mich persönlich stark mache.“

Neue Welle des Antisemitismus

Journalist und Moderator Helge Fuhst zeigte sich besorgt über den Zustand der Gesellschaft. Dass Synagogen von der Polizei und jüdische Kindergärten mit Panzerglas geschützt werden müssten, „mag die Normalität sein, aber normal ist das nicht“.

Der Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 habe eine neue Welle des Antisemitismus losgetreten. Dabei sei es für die Hamas wichtiger, den israelischen Staat zu zerstören als einen palästinensischen Staat zu errichten: „Israel wird den 7. Oktober nie vergessen und das sollten wir in Deutschland auch nicht tun“, so der Vorsitzende der Chefredaktionen der „Premium-Gruppe“ des Axel-Springer-Verlags.