Aktivisten haben erneut die leer stehenden „Russenhäuser“ in Sülz besetzt. Sie fordern die Nutzung der 80 Wohnungen.
Protest in SülzAktivisten besetzen unbewohnte „Russenhäuser“ in Köln – Polizei rückt an
Ein seit langer Zeit leer stehendes Wohnhaus in Köln-Sülz ist am Freitagvormittag (24. April) besetzt worden. Die Aktion in der Friedrich-Engels-Straße 7 ging von Angehörigen des „Aktionsbündnisses gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung“ aus. Ihr Ziel verdeutlichten sie mit einem Spruchband, das die Worte „Sicherer Wohnraum für alle!“ trug. Die Situation blieb friedlich, obwohl die Polizei mit einigen Wagen präsent war. Eine vergleichbare Aktion hatte es bereits im Jahr 2022 gegeben.
Die Immobilie ist Eigentum der Russischen Föderation und seit dem Jahr 2000 unbewohnt. Sie umfasst 80 Wohnungen, einen Kinobereich im Untergeschoss und eine Sporthalle. Dass diese hochwertige Wohnfläche nicht genutzt wird, stößt bei den Aktivisten auf Kritik.
Besetzung am Morgen – Transparent und Polizeieinsatz
Hauptanliegen der Initiative ist die Realisierung eines Bebauungsplans, der schon vor anderthalb Jahren verabschiedet wurde. Kalle Gerigk, der dem Verein „Obdachlose mit Zukunft“ (OMZ) vorsteht und die Maßnahme unterstützt, erklärte: „Der vor eineinhalb Jahren beschlossene Bebauungsplan für gemeinnützige Zwecke soll endlich umgesetzt werden“.
Die Bezirksvertretung Lindenthal hatte diesen Plan verabschiedet, und der Stadtentwicklungsausschuss des Rates von Köln stimmte ebenfalls zu. Der Plan bezieht sich auf drei Liegenschaften der Russischen Föderation in der Stadt: die Gebäude Friedrich-Engels-Straße 3, 5 und 7, an der Aachener Straße 240–244 und in der Classen-Kappelmann-Straße 47. Wenn die Stadtverwaltung den Bebauungsplan formell in Kraft setzt, könnte dies sogar zu einem Enteignungsprozess führen. Dieser Schritt fände bei Politikern und Bürgern in Köln viel Zuspruch.

Mit einer Leiter kletterten die Aktivisten auf einen Balkon der „Russenhäuser“.
Copyright: Gregor Nick
Im Anschluss an den Zerfall der Sowjetunion 1991 war die Immobilie für rund ein Jahrzehnt in der Verwaltung des Kölner Wohnungsamtes. Damals bot sie Geflüchteten, wohnungslosen Personen und anderen, die es auf dem Wohnungsmarkt schwer hatten, ein Zuhause. Seither ist der Gebäudekomplex unbewohnt.
Aktivisten fordern Umsetzung politischer Beschlüsse
Die Dringlichkeit unterstreicht Kalle Gerigk: „Dass man hier diesen Top-Wohnraum leerstehen lässt, geht einfach nicht!“ Er beschreibt den Zustand der Wohnungen als gut. Man müsse nur tapezieren und einen Bodenbelag anbringen, dann sei ein Einzug sofort möglich. Sein Appell richtet sich an die Stadtverwaltung, aktiv zu werden.
Die Initiative scheut keine Auseinandersetzung und ist bereit, den Fall gerichtlich klären zu lassen. „Wir wollen deshalb vor Gericht gezerrt werden. Wir wollen, dass der russische Staat die Hausbesetzer anzeigt“, äußert die Gruppe. Man verfolge das Ziel, mit einem Gerichtsverfahren die größtmögliche öffentliche Aufmerksamkeit für das Problem zu schaffen. (red)
