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EinzelhandelskonzeptSo bewerten Gutachter das Zentrum und die Nahversorgung in Frechen

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Auf dem Bild sind zu verkaufende Kleider eines Modegeschäfts in der Fußgängerzone zu sehen.

Entlang der Fußgängerzone in der Frechener Innenstadt finden sich noch einige inhabergeführte Einzelhandelsgschäfte.

Rund 8000 Euro gibt jeder Frechener pro Jahr im Einzelhandel vor Ort aus, doch gegenüber 2014 hat die Stadt 40 Prozent ihrer Geschäfte verloren.

Rund 8000 Euro gibt jeder Frechener pro Jahr im Einzelhandel vor Ort aus, doch gegenüber 2014 hat die Stadt 40 Prozent ihrer Geschäfte verloren. Das sind zwei Zahlen aus der über 100 Seiten starken Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts, die der Bauausschuss jetzt mit klarer Zweidrittelmehrheit verabschiedete.

Ein Einzelhandelskonzept ist die planungsrechtliche Grundlage, um die Ansiedlung von Gewerbe zu steuern, so die Verwaltung im Beschlussvorschlag. Es sei nicht Aufgabe des Konzepts zu definieren, mit welchen Maßnahmen der Einzelhandel gestärkt werden könne. Dennoch lässt sich herauslesen, was in Frechen getan werden müsste, um das Zentrum und die Nahversorgung im Stadtgebiet zu stärken.

Frechen: Immer kleinere Haushalte und mehr Nutzung von Onlinediensten

Die Planer vom Büro Stadt + Handel Beckmann und Föhrer sagen auch, welche allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen Stadt und Geschäftstreibende zu erwarten haben. Das sind zum Beispiel immer kleinere Haushalte, mehr Individualisierung, mehr Interesse des Einzelnen an körperlichem Wohlbefinden und am Teilen von Dingen (Nutzen statt Besitzen) sowie mehr Nutzung von Online- und Bringdiensten.

Die Frechener Innenstadt und das „Nahversorgungszentrum Königsdorf“ entlang der Aachener Straße definieren die Planer vom Büro Stadt + Handel Beckmann und Föhrer als zentrale Versorgungsbereiche. Sie sind in Wohnbebauung eingebunden, es gibt Geschäfte, Gastronomie und Dienstleistungen. Solche zentralen Versorgungsbereiche stehen unter besonderem Schutz.

Auf dem Bild ist eine Straßenbahn zu sehen, die durch die Fußgängerzone fährt.

Die Durchfahrt der Straßenbahn habe eine Barrierewirkung, so die Planer.

Um die Innenstadt lebendig zu halten, dürften Angebote nicht in die Gewerbegebiete Dürener Straße, Kölner Straße West und Frechen Ost umziehen. 84 Prozent der Verkaufsflächen Frechens liegen mittlerweile in Gewerbegebieten, 10 Prozent im Zentrum.

Die Sortimentsliste ist ein wichtiges Steuerungsinstrument. Dass es Lebensmittel, Apotheken, Bücher, Zeitschriften und Restaurants in der Innenstadt geben sollte, ist naheliegend. Neu aufgenommen in die Sortimentsliste wurden jetzt auch Wäsche, medizinische und orthopädische Geräte, Musikinstrumente und Musikalien.

Planer: In der Innenstadt fehlen „Magnetbetriebe“

Die Gegend rund um den Klüttenbrunnen bewerten die Planer als gepflegt. Zu den Randlagen hin aber sei der Eindruck verbesserungswürdig. In den Randlagen wachse zudem der Leerstand. Als Plus bewerten die Planer, dass das Rathaus und Einrichtungen wie Stadtbücherei und VHS zentral liegen. Die Durchfahrt der Stadtbahn habe Barrierewirkung.

Der Innenstadt fehlten „Magnetbetriebe“ mit einem Hauptsortiment für mittel- oder langfristigen Bedarf. Gemeint sind Kleidung, Baumarktartikel oder Sport-, Spiel- und Bastelsachen. Möbel, Brillen und andere medizinische Artikel zählen zum langfristigen Bedarf. Angeregt wird auch mehr Erlebnis: Außengastronomie, Pop-Up-Stores, visuelle Reize.

Das neue Konzept ersetzt das alte von 2018

Als Nahversorgungsstandorte sind die Frechener Straße in Habbelrath und die Hubert-Prott-Straße in Bachem ausgewiesen. Für den Zedernweg nahe dem Katharinen-Hospital ist das derzeit nicht möglich. Grund: Laut Bezirksregierung Köln liegt der Zedernweg nicht im sogenannten Allgemeinen Siedlungsbereich. Bei den vorhandenen Geschäften, zwei Discountern, ist daher nur Bestandssicherung möglich. Der Regionalplan müsste geändert werden, um am Zedernweg mehr Geschäfte anzusiedeln.

Mit den Stimmen von SPD, CDU, Perspektive für Frechen und Linke beschloss der Bauausschuss die Zentrenhierarchie, die Abgrenzung der zentralen Versorgungsbereiche sowie die vorgeschlagene Sortimentsliste. AfD und Grüne lehnten das Konzept ab, die FDP enthielt sich. Der Einzelhandel brauche keine Regulierung, sondern Impulse und die Innenstadt benötige attraktivitätssteigernde Maßnahmen, kritisierte Uta Spork (Grüne).

Die dritte Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts war in Arbeitskreisen von Verwaltung, Planungsbüro Stadt + Handel, IHK und Bezirksregierung Köln abgestimmt worden. Nachbarkommunen und Bevölkerung konnten während der Offenlegungsphase bis Februar Anmerkungen machen. Das neue Konzept ersetzt das von 2018, das in punkto Einwohnerzahl, Sortimentsliste und Bestand an Betrieben veraltet war.


Ergebnisse

Wer in Grefrath, Hücheln, Buschbell, Grube Carl, im nördlichen oder westlichen Teil von Königsdorf lebt, kann zurzeit nicht binnen zwölf Minuten zu Fuß einen Supermarkt erreichen. Damit ist eine wohnortnahe Versorgung nicht gegeben. Auch für die geplanten Wohnneubauprojekte Grube Carl und Rhenania West muss die Nahversorgung sichergestellt werden.

In der Innenstadt fehlt das Angebot einiger typischer sogenannter Leitsortimente. Gemeint ist vor allem Kleidung, Schuhe, Hausrat, Spielwaren und Einrichtungszubehör. Es sollte angenehmer werden, sich in der Innenstadt aufzuhalten. Sanierung von Gebäuden, mehr Erlebnisangebote und einladendere, grünere Zugänge werden genannt.

Die Geschäfte stehen unter Druck, auch durch die Angebote in Köln-Marsdorf. (bsz)

8000 Euro...

... gibt jeder Bewohner vor Ort jedes Jahr aus. Rund 4000 Euro fließen in kurzfristigen Bedarf, etwa Nahrungsmittel (3200 Euro) und Drogerieartikel (450 Euro). Bei mittelfristigen Anschaffungen wird das meiste für Kleidung (640 Euro), Baumarktartikel (rund 500 Euro) oder Sport-, Spiel- und Bastelsachen (über 400 Euro) ausgegeben. (bsz)