Zentraler Baustein aller Überlegungen ist ein neues Hilfsangebot für Schwerstabhängige in der Kölner Innenstadt. Die Anwohner protestieren.
Neues SuchthilfezentrumWieviel Zürich noch im Kölner Modell für die Drogenszene steckt

Die Anwohner der Wilhelm-Hoßdorf-Straße protestieren mit Plakaten gegen das vor ihrer Tür geplante Suchthilfezentrum.
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Aus Sicht von Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), Sozialdezernent Harald Rau (Grüne) und Polizeipräsident Johannes Hermanns gibt es für die Kölner Drogenszene und den Hotspot Neumarkt nur eine Lösung: ein eigenes Kölner Konzept, um die Abwärtsspirale schnellstmöglich abzuwenden. Zentraler Baustein aller Überlegungen ist ein neues Suchthilfezentrum für Schwerstabhängige in der Innenstadt nach Zürcher Vorbild, um sie von der Straße weg in eine sichere Umgebung zu bringen.
Stadt Köln steht unter Zeitdruck
Obwohl es von Anwohnern und Schulleitern massiven Gegenwind gibt, sehen die Stadtspitze und die Mehrheit der Fraktionen im Stadtrat den Standort an der Wilhelm-Hoßdorf-Straße im Pantaleonsviertel als alternativlos. Die sich weiter verschlechternde Situation und die Sorge davor, dass sich in der Szene auch das synthetische Opiod Fentanyl ausbreiten könnte, erzeugen Zeitdruck. Doch wieviel Zürich steckt eigentlich noch in dem Kölner Modell? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Wie groß wird das neue Suchthilfezentrum sein?
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Geplant ist eine Fläche von mehr als 2000 Quadratmetern, damit hat die Stadt Zürich gute Erfahrungen gemacht. Demnach wird das Zentrum nur von den Schwerstabhängigen angenommen, wenn das Hilfsangebot umfangreich und attraktiv genug ist. Auf der Fläche an der Wilhelm-Hoßdorf-Straße lässt sich das nur umsetzen, wenn das Gebäude aus zwei Stockwerken besteht. Noch nicht entschieden ist, ob es aus Containern (geht schnell) oder aus Modulbauten (geht langsamer) bestehen wird. Am Ende will die Stadt dort täglich 100 Schwerstabhängige versorgen.
Werden die Schwerstabhängigen rund um die Uhr betreut?
Das politische Ziel ist eine durchgängige 24-Stunden-Öffnung über sieben Tage die Woche. Ob das direkt zum Start gelingen wird, bleibt allerdings fraglich. Denn die Stadt Köln hat es bis heute nicht geschafft, den bisherigen Drogenkonsumraum am Neumarkt 24/7 zu öffnen, weil die Verwaltung nicht genug Personal finden konnte. Das gilt als maßgeblicher Grund dafür, dass dieses Angebot bis heute nicht funktioniert. Da das neue Suchthilfezentrum aufgrund des deutlich größen Angebots mit Konsumraum, Ruheraum, sozialer Beratung, Arbeitsmöglichkeiten, Duschen und ähnlichem auch deutlich mehr Personal benötigt, stellt sich die Frage, wie das von Beginn an gelingen soll. Möglich wäre deshalb, dass die Stadt mit einem zeitlich begrenzteren Angebot startet, zum Beispiel mit jeweils 16 Stunden an sieben Tagen. Entschieden ist das aber noch nicht. In Zürich stehen in der Innenstadt zwei Konsumräume zur Verfügung, die mit versetzten Öffnungszeiten zusammen ein 24/7-Angebot abdecken.
Wer darf das neue Suchthilfezentrum aufsuchen?
In Köln soll das Angebot allen Schwerstabhängigen offenstehen, unabhängig von ihrem Wohnort. Die Stadt Köln will im Gegenzug eine größere finanzielle Unterstützung von Land und Bund haben. In Zürich dürfen ausschließlich Schwerstabhängige mit einem Wohnsitz in Zürich die zwei Suchthilfezentrum in der Innenstadt und das dritte im weiter außen liegenden Stadtteil Oerlikon benutzen. „Es ist wichtig, dass drogenabhängigen Menschen in ihren Wohngemeinden oder -regionen entsprechende Einrichtungen (insbesondere Drogenkonsumräume) zur Verfügung stehen. Sonst besteht die Gefahr einer erneuten Verlagerung in größere Städte mit entsprechenden Angeboten und in den öffentlichen Raum“, teilte die Stadt Zürich auf Anfrage mit. Eine solche Aufgabe lasse sich nicht an größere Städte wie Zürich wegdelegieren. Da im Sommer und Herbst 2025 zeitweise mehr als die Hälfte der Konsumierenden im öffentlichen Raum der Stadt Zürich Menschen ohne Wohnsitz in Zürich waren, eröffnete die Stadt als Reaktion temporär einen vierten Raum für den Konsum und die Rückführung an die Heimatkommunen.
Wird in dem neuen Suchthilfezentrum der Mikrohandel mit Drogen toleriert?
Die Kölner Polizei schlägt vor, bei ärztlich festgestellter Schwerstabhängigkeit die verordnete Abgabe von Drogen zu erlauben. Jenseits davon gilt: Wenn die Polizei Kenntnis von einem Drogenhandel erhält, muss sie auch eingreifen. Die Kölner Polizei will mit harter Hand gegen den Drogenhandel auf offener Straße vorgehen, insbesondere im Umfeld des neuen Suchthilfezentrums.
Plant die Stadt Köln weitere Suchthilfezentren?
Ja, es sollen nach dem Standort im Pantaleonsviertel noch zwei weitere hinzukommen. So soll der neue Drogenkonsumraum in Kalk, der laut der Stadt kurz vor der Eröffnung steht (es steht noch die Genehmigung seitens der Beziskregierung Köln aus), in Zukunft noch zum Suchthilfezentrum ausgebaut werden. Einen konkreten Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht. In der Innenstadt soll zudem ein zweites Suchthilfezentrum entstehen. Dafür gibt es aber derzeit noch keine konkreten Überlegungen, das Projekt liegt also noch in weiter Ferne. So wird sich der Standort im Pantaleonsviertel zunächst als einziger verfestigen. Die tägliche Bewegung der Drogenszene zwischen zwei Standorten, wie es in Zürich der Fall ist, wird es Köln also vorerst nicht geben.
Wann wird das neue Suchthilfezentrum eröffnen?
Das steht noch nicht fest. Wenn es nach Oberbürgermeister Torsten Burmester geht, dann noch in diesem Jahr. Das hängt aber von vielen verschiedenen Fkatoren ab, unter anderem davon, wie schnell das Gebäude entstehen kann. Deshalb ist es durchaus möglich, dass das erst Anfang 2027 gelingen kann. Der Stadtrat wird am 5. Februar zunächst einen Planungsbeschluss fassen, später in diesem Jahr soll dann ein Baubeschluss folgen.




