Abo

„Sperrung wäre Horrorszenario“Mit allen Mitteln gegen die Überlastung der Wiehltalbrücke

4 min
Ein Lkw auf der Autobahn.

Die Hinweisschilder und gelben Markierungen, die derzeit auf das Abstandsgebot hinweisen, werden von vielen Lkw-Fahrer ignoriert.

Die Autobahn-GmbH will den Lkw-Verkehr auf der Wiehltalbrücke strenger regulieren. Aber reichen die Maßnahmen aus?

Für seine eigenen Fahrzeuge braucht Heiner Schmallenbach die Wiehltalbrücke eigentlich gar nicht. Wenn sich die schweren und ausladenden Spezialtransporte des Spediteurs aus Morsbach-Lichtenberg in Richtung Köln aufmachen, fahren sie derzeit erst in Drabenderhöhe auf die Autobahn. Dennoch ist Schmallenbach überzeugt: „Die Sperrung der Brücke wäre ein Horrorszenario für die ganze Region.“

Wie so viele Oberberger verfolgt er darum mit Interesse, wie die Autobahn-GmbH mit allerlei Mitteln versucht, den Lkw-Verkehr auf der Brücke zu dosieren. Kürzlich informierten die verantwortlichen Abteilungsleiter bei einer Veranstaltung in Drabenderhöhe über die Maßnahmen, mit denen sie eine Teilsperrung für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen verhindern wollen. Aber sind diese Maßnahmen sinnvoll?

Wiehler Ratsherr ist skeptisch

Udo Dabringhausen hat da große Zweifel. Der Wiehler CDU-Ratsherr war früher in der Logistikbranche tätig und hat noch immer gute Kontakte zu Spediteuren in ganz Deutschland. Von den Hinweisen auf das 50-Meter-Abstandsgebot per CB-Funk, welche die Autobahn-GmbH angekündigt hat, hält er beispielsweise nichts (siehe Kasten).

Dabringhausen hält zum anderen die Beschilderung für völlig unzureichend, mit der die Lkw-Fahrer derzeit aufgefordert werden, 50 Meter Abstand zu halten. „Da muss man schon ganz genau hingucken. Viele Fahrer halten so wenig Abstand, dass sie den Hinweis zu spät bemerken. So ist nun mal die Praxis.“ Der Lichtenberger Schmallenbach stimmt zu. „Das Abstandsgebot müsste mit auffälligen Leuchtschildern anzeigt und am besten mit der Androhung von Polizeikontrollen verbunden werden.“

Im Nachgang der Drabenderhöher Infoveranstaltung hat die Autobahn-GmbH derweil die Sichtbarkeit und Platzierung der Hinweisschilder   kritisch überprüft und kündigt an, dass die Beschilderung optimiert wird. Der Hinweis soll früher und deutlicher platziert werden.

Wiegen während der Fahrt

Ansonsten bleibt es dabei, dass die Schwertransporte mit mehr als 44 Tonnen Gewicht eine Extraeinladung bekommen. Mit einer telematischen „Weigh-in-Motion“-Anlage wird das Gewicht der Transporter während der Fahrt gemessen. Eine LED-Tafel zeigt noch vor den Anschlussstellen Bielstein und Gummersbach/Wiehl an, wenn sie eine Überlast darstellen, und fordert diese Lkw mit ihrem Kennzeichen dazu auf, die Autobahn zu verlassen. Die Komponenten der Anlage würden derzeit montiert und bald installiert, kündigt die Autobahn GmbH in dieser Woche an.

Die Autobahnpolizei teilt auf Nachfrage mit, dass ihr die gehäuften Verstöße der Lkw gegen die Verkehrsvorschriften durchaus bekannt sind und sie mit Schwerpunktkontrollen reagieren will, um die Autobahn GmbH bei ihren Bemühungen zu unterstützen. Die Probleme mit dem illegalen Schwerlastverkehr und überladenden Lkw auch an anderen maroden Brücken haben derweil die NRW-Landesregierung veranlasst, eine Initiative in den Bundesrat einzubringen: Deutlich höhere Bußgelder und moderne Kontrolltechnik sollen verhindern, dass die Schäden an den Straßenbrücken weiter zunehmen. Innenminister Herbert Reul meint: „Wenn Verbote bewusst ignoriert werden, können wir nicht tatenlos zusehen. Einige ,gewichtige' Verkehrsteilnehmer verschaffen sich auf Kosten der Allgemeinheit einen Vorteil, weil es sich im Geldbeutel lohnt.“

Die Diskussion ist angespannt. Der Waldbröler Spediteur Peter Peisker berichtet, dass er die Infoveranstaltung in Drabenderhöhe vorzeitig verlassen hat, weil ihm die Feindseligkeiten gegen seine Branche auf die Nerven gingen. „Viele Leute haben vergessen, dass alles, was sie im Haus haben, mit dem Lkw dahingekommen ist.“ Und dass die großen Arbeitsgeber von BPW bis Dörrenberg ebenfalls nicht ohne Lkw-Transporte auskommen.

Heiner Schmallenbach betont: „Wir schulen unsere Fahrer dahingehend, dass sie sich an die Regeln halten.“ Der Lichtenberger Spediteur begrüßt, dass die Autobahn-GmbH die regionalen Unternehmen Ende des Monats zu einer Videokonferenz eingeladen hat. Die Infrastruktur in Deutschland sei kaputtgespart worden. Jetzt müsse man damit irgendwie umgehen. „Sicher wäre alles viel einfacher, wenn alle mehr Rücksicht aufeinander nähmen.“


Warnung über CB-Funk?

Der Wiehler Ratsherr Udo Dabringhausen ist sich mit dem Waldbröler Spediteur Peter Peisker einig, dass Warnhinweise per CB-Funk nichts bringen. Nur wenige Trucker würden noch diese Kommunikationstechnik nutzen, seit eine Freisprechanlage vorgeschrieben ist, berichtet Peisker. Handyverträge seien billig geworden, sagt Dabringhausen, und die Zahl der deutschsprachigen Lkw-Fahrer, mit denen man plaudern könne, sei stark zurückgegangen.

Der Lichtenberger Schwertransportspediteur Heiner Schmallenbach sieht das anders. Die CB-Funk-Ausstattung ist bei ihm noch Standard, auch wegen der Kommunikation mit den Begleitfahrzeugen. Der Warnhinweis könne helfen und sei mit wenig Aufwand verbunden.

Auf Anfrage rechtfertigt auch die Autobahn-GmbH die Warnung per CB-Funk: Gerade die europaweite Verbreitung mache den Funk interessant, in dieser Weise könne man   Fahrer in bis zu sieben weiteren Sprachen erreichen, darunter viele, die deutsche Hinweisschilder möglicherweise nicht verstehen.