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Kölner Gewerkschaften am 1. Mai„Wir rechnen mit der Krise nach der Krise“

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Demonstrationen waren am 1. Mai nur eingeschränkt möglich.

Köln – Für Gewerkschaften stellt sich die Corona-Krise als ambivalente Situation dar: Auf der einen Seite steht die Sorge um bedrohte Arbeitsplätze, auf der anderen Seite eine neue öffentliche Wertschätzung für „systemrelevante“ Berufe, deren gesellschaftliche und finanzielle Wertschätzung bisher zu wünschen übrig ließ.

„Ich finde es sehr wichtig, dass Bahnfahrer und Pfleger jetzt endlich Anerkennung bekommen. Wir haben leere Züge, die brechen einem das Herz. Aber wir sind nicht in Kurzarbeit“, erklärt Lokführer Daniel Grunke. „Das wäre mit einer privatisierten Eisenbahn nicht möglich“, pflichtet ihm ein Kollege der Eisenbahngewerkschaft bei. Beide sprechen auf einer Pressekonferenz der Kölner Gewerkschaften, die notgedrungen mit großen Sicherheitsabständen stattfindet.

Kölner Gewerkschaften: Solidarität auf Distanz

Auch bei der KVB müssen Fahrer nicht in Kurzarbeit, allerdings aus anderen Gründen: Die Taktung wurde nach den ersten Lockerungen wieder erhöht. „Wir müssen jetzt sehr flexibel sein. Wir wissen nie, wann wir am nächsten Tag arbeiten müssen“, so Fahrerin Sabine Risoph.„Wir rechnen mit der Krise nach der Krise, wenn es keine Aufträge mehr gibt“, sagt Thilo Niklas von der IG Bau. Aktuell gebe es im Bausektor kaum Kurzarbeit, im Gegenteil: Oft wird mehr gearbeitet als unter normalen Umständen.

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Mustafa Coezmez arbeitet in der Ford-Produktion, die am kommenden Montag in Köln wieder anlaufen soll. Hier setzte sich der Betriebsrat für ausreichende Sicherheitsabstände ein. Außerdem sollen mit einem Thermometer am Tor Mitarbeiter mit erhöhter Temperatur abgefangen und nach Hause geschickt werden. „Kurzarbeit rettet Jobs. Das war in den letzten Wochen unser Schwerpunkt. Jetzt wollen wir verhindern, dass Kurzarbeit irgendwann in betriebsbedingte Kündigungen umgewandelt wird“, erklärt Dieter Kolsch von der IG Metall.

Ein 1. Mai mit besonderer Dringlichkeit

Die Situation der Arbeitnehmer in Köln könnte sich unterschiedlicher kaum darstellen: Viele dürfen nicht mehr so viel arbeiten, wie sie gerne würden, andere sind plötzlich gezwungen, Überstunden zu machen. Alle Gewerkschaften allerdings eint das Ziel, dass die Kosten für die Krise solidarisch getragen werden.

„Ja, die Politik hat viel getan. Aber: Es gibt Bereiche in unserer Gesellschaft, die noch nicht im Blick der Politik sind. Es gilt, gerade an einem Tag wie heute, den Blick auf Solidarität zu richten“, so Daniel Kolle von ver.di. Die Anliegen der Gewerkschaften, das steht außer Frage, haben an diesem 1. Mai eine besondere Dringlichkeit.