- Cordula Winkel führt seit 26 Jahren eine allgemeinmedizinische Hausarztpraxis in Köln-Eil.
- In der Corona-Krise fühlt sie sich vom Gesundheitsamt und von der Kassenärztlichen Vereinigung alleine gelassen.
- Uns hat sie erklärt, warum.
Sie fühlen sich als niedergelassene Hausärztin vom Gesundheitsamt und von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) alleine gelassen. Inwiefern?
Als Hausärztin soll ich Verdachtsfälle auf Corona telefonisch abklären, gegebenenfalls einen Abstrich nehmen. Manche Hausärzte tun das. Für mich macht der Abstrich aber überhaupt keinen Sinn. Wir haben dafür gar nicht genug Masken und Anzüge in den Praxen. Wir brauchen zentrale und mobile Teststellen, die sich um Corona-Patienten kümmern, wo sie von Anfang an von anderen Patienten getrennt werden. Wenn das nicht bald geschieht, werden unsere Hauspraxen zum Brandbeschleuniger. In Heinsberg hat deswegen eine Hausarztpraxis nach der anderen zugemacht. Die Corona-Patienten müssen von den Nichtinfizierten getrennt werden. Wir müssen doch unsere anderen Patienten gefahrlos weiterbehandeln können und auch unsere Mitarbeiter schützen.
Jetzt für „Stadt mit K“ anmelden!

Copyright: Matthias Heinekamp/Nikolas Janitzki/Tobias Hahn
Was bringt der Tag? Was kann ich in Köln unternehmen? Wo sollte ich essen gehen? Oder soll ich vielleicht doch lieber ein Rezept nachkochen? Wie ist die aktuelle Corona-Lage in der Stadt? Und welche Geschichten sollte ich auf keinen Fall verpassen?
All das liefern wir Ihnen in unserem Newsletter „Stadt mit K“ von Montag bis Freitag immer bis spätestens 7 Uhr bequem und kostenlos in ihr E-Mail-Postfach.
Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie außerdem regelmäßig exklusive Informationen und können an interessanten Aktionen und Gewinnspielen teilnehmen.
Jetzt für „Stadt mit K“ anmelden und über Köln auf dem Laufenden bleiben!
Was beklagen Sie?
Die Informationspolitik ist miserabel. Ich kann den Patienten beraten, beruhigen, führen, ihn bei einfachen Infekten krankschreiben. Unsere Aufgabe ist zu sortieren. Das geht auch ganz gut. Bei einem telefonisch eruierten, dringenden klinischen Verdacht oder bei einem sicher festgestellten Kontakt mit einem Corona-Infizierten möchte ich ihn an eine Teststelle überweisen. Zum Glück gibt es eine an der Uni-Klinik Köln. Aber der Zugang ist undurchsichtig und extrem schwierig und muss dringend transparent gemacht werden. Ich kann meinen Patienten aber keine Telefonnummer von dieser Teststelle geben. Es gibt eine Arzt-Hotline, wo ich aber niemanden erreiche. Manchen Patienten gelingt der Zugang über einen Anruf bei der Zentrale der Uni-Klinik. Manchmal erfahre ich auch von den Patienten, dass der Betriebsarzt testet. Auch habe ich von Patienten erfahren, dass das Gesundheitsamt Lehrer testet.
Das könnte Sie auch interessieren:
Was fordern Sie?
Es kann doch nicht sein, dass das Kölner Gesundheitsamt und alle Bürgertelefone auf den Hausarzt verweisen. Ich will ja als Ärztin helfen, beraten, organisieren, aber wir brauchen zentrale Teststellen. Wir brauchen mobile ambulante Behandlungseinheiten, wo diese Patienten versorgt werden. Die Bürger müssen wissen, wo die sind und wie sie funktionieren. Darum habe ich in Briefen an das Kölner Gesundheitsamt und die KV-Kreisstelle gebeten, aber ich erhalte keine Reaktion darauf. Warum geschieht in Köln nicht das, was in Heinsberg, München oder in Südkorea geschieht? Wir hätten uns darauf schon vor geraumer Zeit vorbereiten und ambulante Test- und Therapiestellen etablieren müssen. Das Gesundheitsamt Düsseldorf hat eine eigene Teststelle. Es läuft in vielen KV-Kreisstellen besser als bei uns. Auf der KV Nord-Internetseite wird gezeigt, wie es in Heinsberg funktioniert. Und warum macht Köln das nicht auch so?


