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Zu wenig PersonalJede dritte städtische Kita in Köln muss Angebot einschränken

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Ein Kind spielt im Sandkasten einer Kita.

Ein Kind spielt im Sandkasten einer Kita. (Symbolbild)

Weil Personal fehlt oder erkrankt ist, muss ein Drittel der städtischen Kitas das Angebot einschränken. Beim Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gibt es Fortschritte.

In einem Drittel aller städtischen Kindertagesstätten kann der Betrieb derzeit nur eingeschränkt aufrechterhalten werden. Wie die Stadt auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mitteilte, mussten von den 211 städtischen Kitas 70 ihr Angebot Mitte Dezember reduzieren. „Die Ursache für die Einschränkungen im Betrieb sind in der Regel unbesetzte Stellen, die aufgrund fehlender Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt nicht zeitnah nachbesetzt werden können“, sagt eine Sprecherin. Außerdem machten der Stadt auch krankheitsbedingte Ausfälle zu schaffen. Die betroffenen Kitas hätten in Abstimmung mit den Eltern entweder ihre Betreuungszeiten oder die Zahl der betreuten Kinder reduziert.

Die Stadt hat in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, zusätzli­ches Personal zu gewinnen
Sprecherin der Stadt

„Die Stadt hat in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, zusätzli­ches Personal zu gewinnen“, teilt die städtische Sprecherin mit. Neben Stellenausschreibungen und Präsenz auf Jobmessen habe es verschiedene Imagekampagnen gegeben. Die Kommune habe zudem die Ausbildungsquote in den städtischen Kitas in den letzten Jahren um rund 45 Prozent angeho­ben – es befänden sich mittlerweile regelmäßig zwischen 230 und 250 Menschen in der Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher beziehungsweise zur Kinderpflegerin oder zum Kinderpfleger. Darüber hinaus gebe es ein umfangrei­ches Fort- und Weiterbildungsprogramm für die Beschäftigten.

Kita-Gebühren sorgen weiterhin für  Diskussionen

Für Diskussionen hatte im vergangenen Jahr gesorgt, dass die Stadt die Gebühren für die Betreuung in der Tagespflege und in Kitas verändert hatte: Mit einem jährlichen Haushaltseinkommen über 120.000 Euro zahlen Eltern in Köln seit August 2025 deutlich höhere Beiträge. Gleichzeitig zahlen Eltern, die weniger als 24.542 Euro brutto verdienen, keine Beiträge. Spitzenverdiener, die mehr als 160.000 Euro verdienen, müssen bei 45 Betreuungsstunden 830 Euro für Kinder unter zwei Jahren zahlen. Das ist im Vergleich zu anderen NRW-Städten viel: In Düsseldorf fällt ein Betrag in der höchsten Stufe (ab einem Verdienst von 80.000 Euro bei 45 Stunden für Kinder unter drei Jahren) von 350 Euro an. In Bonn liegt der Betrag für Kinder unter drei Jahren bei 610 Euro ab einem Einkommen von 150.000 Euro. Geringverdiener werden in beiden Städten (wie in Köln) von Beiträgen befreit.

Beim Ausbau der Kita-Plätze macht die Stadt offenbar Fortschritte. Während es für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren (Ü3) mehr Plätze als eigentlich benötigt gebe (101 Prozent), liege die Versorgungsquote bei den Kindern unter drei Jahren (U3) bei 54 Prozent. Im Kindergartenjahr 2025/2026 gebe es damit insgesamt 14.686 Betreu­ungsplätze für Kinder unter drei Jahren sowie 31.654 Betreu­ungsplätze für Kinder über drei Jahren. Die Stadt sieht damit die vom Rat beschlossene Quote von 52 Prozent im U3-Bereich als erfüllt an.

Rechtsanspruch wächst schneller als das Angebot

Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre verdeutliche den kontinuier­lichen Ausbau der Kindertagesbetreuung, insbesondere im U3-Bereich, so die Stadt weiter. Im Kindergar­tenjahr 2015/16 habe es stadtweit 12.372 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gegeben; die damalige U3-Versorgungsquote habe bei rund 37 Prozent gelegen. Im Ü3-Bereich hätten seinerzeit 30.824 Betreuungsplätze zur Verfügung gestanden, was einer Versorgungsquote von etwa 97 Prozent entsprochen habe.

Seit 2013 haben Kinder ab dem ersten Geburtstag einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter. Ab dem dritten Lebensjahr besteht der Anspruch auf einen Kindergartenplatz. „Die Stadt geht davon aus, dass der Bedarf aller Eltern schon recht weitgehend, aber noch nicht komplett gedeckt ist“, so die Sprecherin. Eine Elternbefragung aus den Jahren 2014/2015 habe einen Bedarf von 52 Prozent ergeben.

Eine neuere Analyse über das digitale Anmeldetool „Little Bird“ komme zu einem Bedarf von 58 Prozent. Entscheidend sei, dass nicht alle Eltern einen Betreuungsplatz in einer Kita oder bei Tageseltern wünschen. Gerade Kinder unter einem Jahr würden in der Regel in der Familie betreut. Weil der Bedarf aber ansteige, wolle die Kommune auch künftig die Zahl der Betreuungsplätze „unter Berücksichtigung der personellen, räumlichen und finanziellen Rahmenbedingungen“ ausbauen.

Besonders in Nordrhein-Westfalen haben es Familien schwer
Wido Geis-Thöne, Institut der deutschen Wirtschaft

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem vergangenen November hatte ergeben, dass bundesweit 300.000 Kita-Plätze fehlen. „Besonders in Nordrhein-Westfalen haben es Familien schwer: Hier fehlen 85.000 Plätze (18 Prozent) – mehr als in jedem anderen Bundesland“, schreibt IW-Autor Wido Geis-Thöne. Auf die Stadt Köln kann das IW die Zahlen auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ allerdings nicht herunterbrechen.

IW: In NRW fehlen 85.000 Kita-Plätze

Ein Blick auf die Stadtbezirke macht deutlich, dass die Versorgungslage in Köln sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Während in den meisten linksrheinischen Bezirken das Gros der Kinder einen Betreuungsplatz finden dürfte, müssen Eltern in Mülheim, Kalk, Porz, aber auch Chorweiler deutlich länger suchen. Die Stadt macht im „22. Statusbericht zum Ausbau der Kinderbetreuung in Köln“ vom Juli 2024 als Ursache aus, dass es linksrheinisch deutlich mehr Tagespflegeplätze gebe. Freilich gibt es auch linksrheinisch Stadtteile, die eine geringe Rate aufweisen, wie etwa Immendorf mit acht Prozent. Andere wie Widdersdorf kommen auf 99 Prozent. Rechtsrheinisch gibt es aber zahlreiche Viertel wie Finkenberg, Ensen oder Stammheim, die eine weit unterdurchschnittliche Quote aufweisen.