Das dreiwöchige Musikfest mit mehr als 50 Veranstaltungen will die Kunst des Geschichtenerzählens erhalten – Start war im Brauhaus zur Malzmühle.
Zehnter GeburtstagKrätzjer-Fest mit Gesellschaftskritik und Rock’n’Roll-Gefühl

Schunkeln im Dreivierteltakt: die Jeckespill-Brauhauselfen mit Krätzjer-Fest-Organisator und KStA-Redakteur Helmut Frangenberg an der Quetsch
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Das Kölner Krätzjer-Fest ist eröffnet. Zum zehnten Geburtstag zeigt sich das kölsche Festival so bunt und so vielfältig wie nie zuvor. In fast 50 Veranstaltungen an vielen verschiedenen Orten würdigen dieses Mal mehr als 70 Bands und Interpreten die Vielfalt der kölnischen Lied- und Musikkultur außerhalb des Karnevals.
„Mit dem Krätzjer-Fest soll die Kunst des Geschichtenerzählens erhalten werden“, sagte Organisator und KStA-Redakteur Helmut Frangenberg zum Auftakt des dreiwöchigen Musikfestes am Freitagabend im Brauhaus zur Malzmühle. Ob witzig oder ernst: Kölsche Texte seien immer auch ein Spiegel ihrer Zeit.
Bunter Mix aus Folk, Pop, Rock oder Blues
Im Programmheft zum Jubiläumsfest weisen die Organisatoren auf den Sprachwissenschaftler Adam Wrede hin, der den Begriff „Krätzjer“ als lustiges „Verzällche“ übersetzt – ohne Bindung an einen besonderen Vortragsstil. Diese Interpretation ermögliche dem Kölner Krätzjer-Fest eine bunte Vielfalt an musikalischen Stilrichtungen von Folk, Rock, Pop über Blues, Jazz bis zur typischen minimalistischen Vortragsform mit Quetsch und Flitsch (Akkordeon und Mandoline), sagt Frangenberg, . Im Programmteil erinnerte er an den großen Kölner Liedermacher Willi Ostermann, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird und mit dessen Liedtitel „Su schön wie augenblecklich, su schön wor et noch nie!“ das 10. Krätzjer-Fest überschrieben ist.

Dieter Schmitz trat alleine auf und übernahm kurzfristig die Rolle seiner Partnerin Renate Heymans – inklusive heller Stimme und roter Haarschleife.
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Zur Festivaleröffnung präsentierte Frangenberg in Begleitung der Jeckespill-Brauhauselfen und der Saalkapelle Botzeraf Ostermanns kritischen Song aus dem Jahr 1932, ergänzt durch zwei neue Strophen, als heutige „Parodie auf schlechte Zeiten“, wie er sagt. Themen wie Falschmeldungen statt Fakten oder auch der unaufhaltsame Aufstieg der KI werden darin kritisch betrachtet.
Gesellschaftskritik beim Krätzjer-Fest in Köln
Gesellschaftskritisch äußerte sich auch Singer-Songwriter Stefan Knittler in seinem neuen Lied „Hurra, mir sin am Arsch, mir danze op dä Trümmer, denn et weed alles suwiesu noch schlimmer“. Zusammen mit dem Musiker Simon Bay drehte er den Brauhaus-Saal im „Anno 1858“ musikalisch auf links. Superstimmung. Krätzjer Fest goes Rock’n’Roll.
Dann eine Weltpremiere: Dieter Schmitz vom angekündigten Klassiker-Duo Knubbelefutz un Schmalbedaach, trat alleine auf – zum ersten Mal ohne seine Partnerin Renate Heymans (Knubbelefutz). Familiäre Verpflichtungen zogen sie kurzfristig nach Norddeutschland. Dieter Schmitz übernahm kurzfristig ihre Rolle, mit heller Stimme und roter Haarschleife. Fantastisch!
Reihe mit Bürgerorden der Stadt Köln ausgezeichnet
Die Entwicklung des Krätzjer-Festes ist beeindruckend. Was 2016 mit einem kleinen Konzert von wenigen Akteuren, darunter der Ahl Kamelle Band von Loss mer singe, JP Weber und Rickes Hunsdorf, im Hänneschen-Theater begann, zählt heute zu einem der erfolgreichsten Musikfestivals Kölns. Zahlreiche Gastgeber, Akteure und Förderer bereichern die mit dem Bürgerorden der Stadt Köln ausgezeichnete Veranstaltungsreihe.
Neben den vielen Konzerten und Vorträgen sind musikalische Stadt- und Museumsführungen dazugekommen. Immer wieder zeichnet sich das Krätzjer-Fest durch neue Band- oder Künstler-Konstellationen aus oder lockt einstige kölsche Musikpoeten wie den Musiker Jörg Schnabel auf die Bühne zurück. Besondere Jubiläen, wie der diesjährige 150. Geburtstag von Willi Ostermann, werden an vielen Kulturorten gewürdigt.
