„Eine Katastrophe“KVB-Leihrad-Vandalismus in Köln durch „TikTok“-Challenge ausgelöst

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Zerstörte Leihräder

Die beschädigten Fahrräder in der Nextbike-Werkstatt in der Vitalisstraße.

Köln – Die KVB arbeitet daran, die Leihrad-Flotte im Rechtsrheinischen schnellstmöglich wieder aufzustellen. Aktuell ist der Betrieb im rechtsrheinischen Köln eingestellt. Grund ist eine Vandalismuswelle, die zur Zerstörung von 1500 Radschlössern führte. Zuvor wurde via „TikTok“ zur Zerstörung der Schlösser aufgerufen.

„Es wurde zu einer Challenge aufgerufen, die mich fassungslos macht“, sagte die KVB-Chefin Stefanie Haaks am Dienstag im Verkehrsausschuss. Die Straftaten haben sich laut Haaks „wie im Uhrzeigersinn einmal quer durch Köln gezogen.“ Inzwischen sei auch linksrheinisch eine erhebliche Zahl von Straftaten gemeldet worden. Der Schaden liegt laut Haaks im hohen sechsstelligen Bereich.

TikTok-Challenge soll Auslöser gewesen sein

„Wir sind als öffentliches Unternehmen auch angehalten, wirtschaftlich zu denken. Am Ende wird dieser Schaden von der Allgemeinheit finanziert“, sagte Haaks. Sie kündigte an, die KVB arbeite an einem besseren Schutz der Räder. Details hierzu wollte Haaks aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben. Auch Ersatzteile seien bereits bestellt.

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Derzeit arbeite man bei Nextbike – dem Dienstleister, der die KVB-Räder zur Verfügung stellt – in rund um die Uhr in einer Werkstatt in der Vitalisstraße an der Beseitigung der Schäden. „Ich bin entsetzt, dass es so viele junge Menschen gibt, die so einem beknackten Aufruf folgen“, sagte Haaks. „Das Problem betrifft auch Bonn. Wir haben aber das dichteste Leihrad-Netz. Wenn Sie an so einer Challenge teilnehmen, ergibt es mehr Sinn, wenn sie kurze Wege haben“, sagte die KVB-Chefin. „Aus unserer Sicht ist das eine Katastrophe.“

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Die bislang betroffenen Stadtteile (Stand 21.3.)

Die Reduzierung im Rechtsrheinischen habe rein logistische Gründe gehabt, so Haaks weiter. „Es gab in keiner Weise den Gedanken, einen Bereich der Stadt zu benachteiligen.“ Eine Auswertung der KVB, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, zeigt, dass die erste Häufung zerstörter Schlösser im Linksrheinischen am 16. März festgestellt wurde: Ossendorf, Bocklemünd und Widdersdorf waren betroffen. Einen Tag später folgten Ehrenfeld und Nippes. Im Rechtsrheinischen bekam das Problem jedoch eine völlig neue Dimension, an den folgenden Tagen wurden massenhaft Schäden etwa in Holweise, Mülheim, Deutz, Vingst, Poll, Finkenberg und Zündorf gemeldet.

Vandalismus in Köln: Täter zwischen zehn und 16 Jahren alt

Nach Informationen der KVB seien die Täter zwischen zehn und 16 Jahre alt. „Wir werden Anzeigen stellen. Wohl wissend, dass wir nicht alle erreichen werden.“ Ohnehin sei die KVB nicht für die Resozialisierung von Jugendlichen und Kindern zuständig. Stattdessen bitte man um aufmerksame Beobachtung – und Meldungen an die KVB, wenn Vandalismus beobachtet wird. Detaillierte Informationen zu den Vorfällen sollen nun auch dem Jugendhilfeausschuss und im Rechtsausschuss zur Verfügung gestellt werden.

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Lino Hammer (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses, fordert: „Der KVB-Partner Nextbike solle die Räder nun schnell mit zerstörungssicheren Schlössern ausstatten, damit sie bald wieder wie gewohnt stadtweit genutzt werden können. Vor allem im Rechtsrheinischen reißt der notgedrungene Rückzug der Leihräder derzeit eine große Lücke.“