In mehreren StadtbezirkenLastenrad-Anbieter kündigen Leih-Angebote in Köln an

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Mehrere Männer, die mit drei verschiedenen Lastenrädern in die Kamera lächeln

Vetreter mehrerer Unternehmen haben am Mittwoch an einer Miet-Station der KVB in Deutz ihre Konzepte und Lasten-Radmodelle präsentiert.

Mehrere Unternehmen haben auf der Fachkonferenz „Cargo Bike Sharing Europe“ angekündigt, das Lastenrad-Leihangebot in Köln auszubauen.

Die Kastenform von „Kasimir“, dem ersten Kölner Lastenrad, sticht klobig hervor zwischen den windschnittigen und auch deutlich leichteren Modellen neuerer Bauart. An der Lastenrad-Sharing-Station der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) an der Tempelstraße in Deutz haben mehrere Anbieter ihre modernen Gefährte am Mittwochmorgen zur Ansicht und Probefahrt neben dem zehn Jahre alten Kasimir bereitgestellt.

Sie wollen anlässlich der in Köln stattfindenden Fachkonferenz „Cargo Bike Sharing Europe“ einen Ausblick darauf geben, wie geteilte Lastenräder die Innenstädte entlasten können. „Köln ist dabei eine Pionierstadt“, sagt Arne Behrensen vom Branchen-Dachverein „Zukunft Fahrrad“ aus Berlin. „Hier entstand 2013 mit der ehrenamtlichen Initiative ‚Kasimir – Dein Lastenrad‘ die bundesweite Bewegung der freien Lastenräder“, führt der für den Bereich Transportwende zuständige Interessensvertreter aus.

Im Jahr 2017 folgte mit „System Donk-EE“ von Green Moves dann das erste auf eine Smartphone-App basiertes Sharing-System für die Gefährte in Köln. Lastenräder – und vor allem E-Lastenräder – seien praktisch für Einkäufe und Kindertransport und damit in vielen Fällen eine gute Alternative zum Auto, die Gefährte verbänden Fahrspaß mit Umwelt- und Klimaschutz und machten die Parkplatzsuche überflüssig.

„In ganz Europa boomt das Lastenrad“

„In ganz Europa boomt das Lastenrad“, sagt Behrensen, „doch hochwertige Cargobikes haben ihren Preis und brauchen Platz.“ Gerade im urbanen Raum gewinne so der Stellenwert für die gemeinsame Nutzung der Räder, das sogenannte Cargobike-Sharing. Auch in Köln soll das Angebot wachsen, kündigen die Vertreter verschiedener Unternehmen des Cargobike-Sharing am Dienstag an, unter ihnen Alexander Czeh, Deutschland-Vertreter des niederländischen Cargobike-Sharing-Anbieters „Cargoroo“ sowie Ernst Raupach, Geschäftsführer von „Green Moves“, einer Mobilitätstochter der Naturstrom-AG.

Beide Firmen planen Standorte in mehreren Bezirken der Stadt und wollen in Modellversuchen ihre Konzepte vor Ort testen. Das Interesse an Köln basiert auch auf dem Beschluss des Stadtrates, der 2022 ein zweijähriges Testprojekt zum Cargobike-Sharing initiiert hat und das noch bis Ende 2024 läuft. Erst kürzlich hat das Unternehmen „Sigo“ fünf Ausleihstationen mit zehn Rädern in Köln in Betrieb genommen und die Stadt Köln hat in Zusammenarbeit mit „Green Moves“ ihr ÖPNV-Angebot um das KVB-Lastenrad erweitert.

Seit Dezember 2022 stellt die KVB an 15 Orten im Stadtgebiet Lastenräder zur Leihe bereit. „Mit 650 Registrierungen ist die Nutzerschaft groß und das Interesse an dem Angebot wächst stetig“, erläutert Unternehmenssprecher Stephan Anemüller. Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hebt das Förderprogramm der Stadt hervor und bezeichnet es als großer Erfolg.

Förderung von rund Millionen Euro

„Mit rund drei Millionen Euro haben wir in den letzten Jahren die Anschaffung von Lastenrädern in Köln gefördert und dadurch zur Verkehrsverlagerung und zum CO₂-sparen beigetragen. Aber trotz Förderung könne sich nicht jeder und jede ein eigenes Lastenrad leisten – und da würde auch neue Probleme mit sich bringen, betont Jaron Borensztajn, Gründer des niederländischen Anbieters Cargoroo, der bereits in fünf europäischen Ländern aktiv ist.

„Wir wollen das Lastenrad demokratisieren. Möglichst viele Menschen sollen hochwertige E-Lastenräder komfortabel nutzen können, ohne sie besitzen zu müssen“, sagt er. Darin stecke großes Potenzial für die Verkehrswende. Laut Borensztajn habe eine Umfrage unter Nutzern und Nutzerinnen ergeben, dass 73 Prozent der Ausleihen eine PKW-Fahrt ersetzen würden. „Der Bedarf der Menschen muss dabei im Vordergrund stehen“, ergänzt Ernst Raupach.

Die zentrale Frage sei, wie Unternehmen und Kommunen Lastenrad-Sharing für alle Bewohner und Bewohnerinnen ermöglichen könnten. In Deutschland gebe es Cargobike-Sharing bereits in mehr als 160 Kommunen, Unterschiede bei Preisen sowie mobilen oder starren Leih- und Ladestationen würden von Nutzerinnen und Nutzern auf die vor Ort jeweils bessere Tauglichkeit bewertet, darin sind sich alle einig.

Fachkonferenz soll geteilte Lastenrad-Nutzung weiter voranbringen

Die Pioniere der Firmen, Vertreter von Kommunen und Gruppen aus der Zivilgesellschaft wollen sich auf der internationalen Fachkonferenz im Rahmen der Messe „Polismobility“ in Köln darum jetzt bemühen, weiteren Schwung in die Branche zu bringen und das Konzept der geteilten Lastenrad-Nutzung weiter voranbringen. Weitere Informationen zu der Fachtagung und dem Dachverein „Zukunft Fahrrad“ finden Sie unter diesem Link.

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