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Länder-TarifrundeHunderte Lehrer streiken in Köln – „Haben es satt, Mangel zu verwalten“

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Die Gewerkschaften verhandeln auch über die Gehälter von Lehrkräften – die wehren sich gegen Kürzungen und Mehrbelastung. Das war der Streiktag in Köln.

Hunderte Lehrerinnen und Lehrer sind am Donnerstagvormittag durch die Kölner Innenstadt gezogen, anstatt an ihren Schulen zu unterrichten. Trommeln in den Händen, Trillerpfeifen und Tröten um den Hals, riefen sie im Demozug: „Wir sind es wert.“ Unter dem Slogan „Profis brauchen mehr“ hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bundesweit zum „Streiktag Bildung“ mit Protestaktionen in fünf deutschen Städten aufgerufen, darunter auch Köln. Vom Gewerkschaftshaus am Hans-Böckler-Platz zogen die Teilnehmer am Vormittag zur Kundgebung auf den Heumarkt.

Nur für wenige Kölner Schülerinnen und Schüler bedeutete der Streik Unterrichtsausfall, denn nur angestellte Lehrer dürfen wegen eines Streiks nicht zur Arbeit gehen. Der Großteil der Lehrer in Köln ist jedoch verbeamtet und durfte deshalb nicht teilnehmen. 

Gewerkschafts-Vorsitzende Ayla Celik in Köln: „Bildung bleibt außen vor“

Ayla Celik, GEW-Landesvorsitzende NRW, sagte in Köln: „Wir machen auf die Unzulänglichkeiten im Bildungssektor aufmerksam. Bildung ist unsere einzige Ressource, aber wir sparen seit Jahren daran.“ Besonders kritisiert wird das Sondervermögen der Bundesregierung für Investitionen in die öffentliche Infrastruktur in Höhe von 500 Milliarden Euro. Grundsätzlich seien Investitionen gut, aber: „Bildung bleibt außen vor“, sagte Celik.

GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik (Archivfoto)

GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik (Archivfoto)

Am Donnerstag tragen die Lehrkräfte und Gewerkschaftsvertreter auf den Podien viele Alternativen vor, was eine solch hohe Geldsumme in der Bildung bringen könnte: Man könnte dringend benötigte Lehrkräfte für die nächsten 20 Jahre einstellen, man könnte auch jede marode Schule und Uni in diesem Land sanieren. Immer wieder zu hören ist der Satz: „Wer an der Bildung spart, spart an der Zukunft des Landes.“ Celik fasst zusammen: Deutschland müsse auch zugunsten seiner Wirtschaft mehr in den Nachwuchs investieren: „Die Lehrer haben es satt, diesen Mangel zu verwalten. Deshalb sind wir auf der Straße.“ 

Lehrkräfte für Streik auch aus Nachbarländern nach Köln gereist

Beim Streik dabei ist die Kölnerin Gudrun Skeide-Panek, seit den 1990er arbeitet sie als Lehrerin, seit den 1990er ist sie streikerfahren. Damals seien viele Lehrkräfte nicht mehr verbeamtet worden. Skeide-Panek sagt, sie leiste als Angestellte die gleiche Arbeit wie ihr verbeamtetes Kollegium – zu schlechteren Konditionen. Aktuell ist ein Fünftel der Lehrer in Köln angestellt: Der gesamte Regierungsbezirk, der bis nach Aachen und Leverkusen reicht, zählt 40.000 verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer und 10.000 angestellte.

Die Kölner Gymnasiallehrerin Gudrun Skeide-Panek (rechts) nimmt am Demozug zum Streiktag Bildung teil.

Die Kölner Gymnasiallehrerin Gudrun Skeide-Panek (rechts) nimmt am Demozug zum Streiktag Bildung teil.

Für Skeide-Panek und die anderen Streikenden geht es am Protesttag über die konkreten Forderungen der Tarifverhandlungen weit hinaus. Auf der Venloer Straße im Demozug sagt sie: „Es gibt viel mehr Ungerechtigkeiten, die nicht in Tarifverhandlungen besprochen werden.“ Etwa Arbeitszeiten und zunehmende Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer. Bei einem ersten Warnstreik in Köln vorige Woche hatte die Kölner Grundschullehrerin Tanja Welter bereits gesagt, die Situation an den Grundschulen werde nicht ernst genommen. „Aber die Kinder kommen nicht mehr mit den gleichen Fähigkeiten in die Schule wie früher“ – auffangen müssten das die Lehrkräfte.

Gehaltserhöhung von sieben Prozent gefordert

Für den Streiktag reisten auch Teilnehmer aus den umliegenden Kreisen und Städten an, auch aus Rheinland-Pfalz. 3000 Menschen erwartete die Gewerkschaft auf dem Heumarkt, darunter nicht nur Lehrkräfte. Eva S. ist Wissenschaftlerin an einer Kölner Bibliothek, ein Bereich, der unter den Kürzungen des Landes für Gelder im Forschungsbereich leide. „Forschung und Wissenschaft sind die Grundlage für Innovation im Land, da zu kürzen, ist eine Katastrophe“, warnte sie.

Der Streiktag ist Teil der Länder-Tarifrunde, die in den vergangenen Wochen schon zu einigen Warnstreiks auch etwa an Krankenhäusern geführt hat. Die Gewerkschaft fordert im Kern eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent, mindestens aber ein Plus von 300 Euro monatlich. Sie setzt sich auch für höhere Vergütungen für Auszubildende ein und fordert erstmals einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Die Tarifgemeinschaft Deutscher Länder, die die Arbeitgeber vertritt, hat in den aktuellen Verhandlungen bislang kein Angebot vorgelegt. Die zweite Verhandlungsrunde fand am 15. und 16. Januar in Potsdam statt. Mit dem Streiktag möchte die Gewerkschaft den Druck auf die Verhandlungen erhöhen, sie spricht von einer „anhaltenden Blockadehaltung“.