Köln steht in weiten Teilen still diese Woche. Was sagen Bürgerinnen und Bürger dazu? Wir haben uns umgehört.
Reaktionen zum KVB-Streik„Der Druck liegt vollständig bei den Familien“

KVB-Streik-Impression am Kölner Neumarkt
Copyright: IMAGO/Jan Huebner
Wieder KVB-Streik, wieder stehen die Bahnen still. Viele Kölner sind genervt – auch unter unseren Leserinnen und Lesern. Ulricht L. etwa schreibt: „Ich finde das Streikrecht in Deutschland ein hohes Gut. Der Sinn eines Streiks sollte es aber sein, den Arbeitgeber zu Verhandlungen zu drängen. Dieser jetzt fünftägige Streik in Köln hilft aber nur der KVB, ihre Kosten zu reduzieren.“
Für ihn habe das zur Folge, dass „ich meine Tochter fast 30 Kilometer zur Schule nach Michaelshoven fahren und wieder bholen darf. Es gibt keine Alternative zur Linie 16 auf dieser Strecke. Ich muss mir dazu frei nehmen.“ In der Klasse seiner Tochter seien am Mittwoch nur fünf Schüler anwesend gewesen, da nicht alle auf ein Elterntaxi zurückgreifen können und die Schüler in der Berufsschule aus einem großen Einzugsgebiet kommen.
„Ganz Köln müsste mal streiken“
Leser Mike ärgert sich, dass er eine Monatskarte hat und einige Tage nicht fahren kann. „Wer ersetzt mir denn bei den ewigen Streiks den Verlust?“ Wenn nicht gestreikt werde, gebe es regelmäßig Ausfälle wegen Signalstörungen oder Reparaturen am Gleis. Er schlägt vor: „Ganz Köln müsste mal streiken und keine Monatskarten kaufen.“
Auch Stephanie, Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, findet, dass der KVB-Streik die Falschen trifft. „Wen trifft der Streik eigentlich? Bei uns sind es die Kinder. Zwei Kinder, die pünktlich zur Schule müssen – zu unterschiedlichen Zeiten. Der Schulweg ist ohne Bus und Bahn nicht sicher machbar, vor allem nicht bei überfüllten Straßen und zunehmend aggressivem Verkehr“, schreibt sie. „Der Druck liegt vollständig bei den Familien. Dabei finanzieren genau diese Familien das System – über Tickets und Abos. Natürlich sind bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung berechtigte Ziele. Doch wenn die Auswirkungen eines Streiks vor allem diejenigen treffen, die weder Einfluss auf Verhandlungen haben noch ausweichen können, gerät etwas aus dem Gleichgewicht. Ein Streik sollte den Arbeitgeber treffen – nicht die Familien.“
Mehr Rückhalt für Streikende
Leser Stefan schreibt: „Die Arbeitgeber freut es, sparen Diesel, Strom und Personalkosten. Warum haben die Städte kein Interesse daran, dass die Bürger sich auf den ÖPNV verlassen können und die Fahrer verbeamtet werden, bei einem angemessenen Gehalt?“, fragt er. Seine eigene Antwort: „So sparen die Städte an jedem Tag Strom und Diesel und bekommen doch Geld dafür, und die Bürger müssen sich bei den aktuellen Spritpreisen von zwei Euro pro Liter und mehr selbst darum kümmern, wie sie zur Arbeit kommen.“ Kevin K., der schreibt, er könne auf das Fahrrad zurückgreifen, wünscht ich mehr Unterstützung für die Streikenden: „Schön wäre es, wenn die Mitarbeitenden der KVB mehr Rückhalt aus der Gesellschaft bekommen würden. “ (red)
