„Wünsche ich mir auch an minge Jrav“Ludwig Sebus und Kasalla besingen in neuem Song das Leben und Sterben

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Mit „Wenn ich ne Engel bin“ veröffentlichen Kasalla und Ludwig Sebus eine Single, die das Leben und den Tod feiert. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Es soll Konfetti regnen – und zwar zur „After-Show-Party“ des Lebens. Das wünschen sich Kasalla; und für „Wenn ich ne Engel bin“ haben sie sich lebenserfahrene Unterstützung geholt: Ludwig Sebus, 98 Jahre alt, singt in der neuen Single der Kölschrocker mit, auch die 92-jährige Biggi Fahnenschreiber tanzt durchs Musikvideo. „Ich will üch danze seh’n, wenn ich ne Engel bin / Et sull Konfetti rän op minge Sarg“ singt Bastian Campmann in dem Song.

Und: „Das ist genau das, was ich mir auch wünsche an minge Jrav“, sagt Sebus beim Gespräch in seinem Haus im Kölner Westen. Sebus steckt auch mit bald 100 Jahren voller Energie – „solange man lebt, soll man das, was man wahrnehmen kann, auch nutzen“, sagt er. Morgens tue ihm manchmal alles weh, sodass er gern liegen bleiben würde. Davon lässt er sich nicht unterkriegen. „Man muss gewillt sein, einiges wegzudrücken“, sagt er.

Kasalla-Frontmann begeistert von Ludwig Sebus' Energie und Lebensfreude

Dieser Biss beeindruckte auch die Musiker von Kasalla. Sänger Basti Campmann erzählt: „Wir haben dich als jemanden kennenlernen dürfen, der trotz allem, was das Alter mitbringt, eine unglaubliche Lebensenergie hat.“ Besonders seine Rede bei „Arsch-Huh“ habe sie begeistert. Ludwig Sebus sei daher die perfekte Ergänzung für den fröhlichen Song. Ein Anruf und die Sache war fix. „Basti war sehr freundlich am Telefon, davon war ich angetan“, erzählt Sebus und lacht. „Ich war hocherfreut, weil ich euch, wenn auch aus der Distanz, immer begleitet habe und wahrgenommen habe, in welchen Etappen ihr euch nach vorne gebracht habt.“ Als er die Jungs dann kennenlernte, sei diese Distanz völlig verflogen. „Es war, als wären sie meine Söhne oder Enkel“, sagt Sebus.

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Beim Interview grinst und lacht und witzelt der 98-Jährige, er versprüht eine ansteckende Positivität, und erzählt ein Anekdötchen: „Ich wurde mal von einer Journalistin gefragt, was ich habe, dass ich so alt bin. Vielleicht war sie nicht ganz so geschickt. Da hab ich gesagt, fragen Sie doch lieber, was ich nicht habe, dann bin ich schneller durch. Sie fragt und da sage ich: Verdauung.“ Basti Campmann lacht, auch Ludwig Sebus wischt sich ein Lachtränchen weg. „Es gibt immer Dinge, über die man sich freuen kann“, sagt er. „Die Erinnerung an einen Menschen, der lebenslustig war, ist viel stärker.“

Ludwig Sebus: Keine Schwierigkeiten mit Gedanken an den Tod

Und auch der Tod ist für ihn keine traurige Angelegenheit. „Wir haben in Köln eine besondere Vorstellung vom Tod und vom Weiterleben“, sagt er. „Wir kölschen Seelen, auch ich, haben eine positive Einstellung, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Et jeiht irjendwie wigger.“ Er habe keine Schwierigkeiten mit dem Gedanken ans Ableben. „Ich brauche auch keine 100 zu werden. Wie ich es auch in einem meiner Lieder besungen habe: Ich tät dat alles su widder dun.“

Das Thema begleite seit dem plötzlichen Tod seines Vaters auch Basti Campmann, erzählt er. „Seitdem haben wir in unseren Songs immer mal wieder Memento-Mori-Momente. Es kann heute zu Ende sein oder morgen oder in 100 Jahren. Deswegen sollten wir nicht das Leben mit Tagen füllen, sondern die Tage mit ganz viel Leben“, sagt der 46-Jährige. „Natürlich soll man Trauer zulassen, vor allem aber das Leben und Wirken und die Liebe desjenigen, der gegangen ist, feiern.“

Er wendet sich noch einmal an Ludwig Sebus: „Neben der Art und Weise, wie du das musikalisch aufgewertet hast, finden wir, dass wir voneinander lernen sollten – vor allem von den Menschen, die mehr Lebenserfahrung haben. Du hast viele schlimme Dinge erlebt.“ Den Zweiten Weltkrieg etwa, der wenige Tage vor Ludwig Sebus‘ 14. Geburtstag begann. „Ich weiß, wie eine Diktatur aussieht. Es ist etwas Furchtbares“, sagt Sebus.   

Bei einem Blick in die Zukunft des Karnevals ist er, wie soll es anders sein, optimistisch: „Tradition und Brauchtum sind nicht die Asche, die wir verwalten, sondern die Glut, die wir weitertragen. Die Glut wird nur weitergetragen durch Gruppen wie Kasalla, die jüngere wie ältere Menschen begeistern. Wenn die ein ganzes Stadion füllen, dann können sie auch selbst sagen: Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Die Single „Wenn ich ne Engel bin“ und das Musikvideo mit Biggi Fahnenschreiber und Ludwig Sebus erscheint am Freitag, 20. Oktober.

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