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Diskussion über MedaillenTraumwetter, Streckenrekorde und ein Heiratsantrag beim Köln Marathon

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Die beiden Streckenrekorde stärken die Position des Köln Marathon international. Abseits des rein Sportlichen gab es aber auch viel zu erleben.

Die Frage, auf welche Weise man sich am Köln-Marathon beteiligt, ist auf den ersten Blick leicht zu beantworten. Die meisten der 40.000 rennen einfach los, über 21 oder 42 Kilometer – oder in der Staffel. Das ist nicht ganz so anstrengend. Dann gibt es ein paar Profis, die einfach ihren Job machen und dabei manchmal besondere Geschichten schreiben, mit denen sie den Veranstalter überaus zufriedenstellen.

Am Sonntag sind das eine Topläuferin und ein Topläufer aus Kenia, die mit Streckenrekorden dafür sorgen, dass der Köln-Marathon im harten Wettbewerb mit den großen europäischen Rennen Boden gutmachen und noch mehr Amateurläufer Köln mit dem Ziel am Dom in die Liste ihrer Läufe aufnehmen, die man unbedingt einmal im Leben gemacht haben muss.

04.10.2026, Köln: Die Spitzengruppe läuft voran. Am 28. Generali Köln Marathon nehmen 41.000 Läuferinnen und Läufer teil. Foto: Uwe Weiser

Schnell, schneller, Kenia: Die Spitzengruppe nach dem Start auf der Deutzer Brücke. Foto: Uwe Weiser

Genau das ist Bernard Kiprop Koech und Jackline Chepngeno aus Kenia vortrefflich gelungen, weshalb beide mit einer Streckenrekord-Prämie von 25.000 Euro extra belohnt werden. Wer gut 42 Kilometer wie Bernard in zwei Stunden und sechs Minuten abreißt oder wie Jackline die Bestzeit um vier Minuten auf zwei Stunden und gut 21 Minuten verbessert, hat allen Respekt verdient. Kenia und Köln – das ist eine wunderbare Lauffreundschaft. Seit Jahren schon.

Auch in Köln sind Top-Zeiten möglich

Für Markus Frisch, Geschäftsführer der Kölner Ausdauersport GmbH, der nach diesem fulminanten Marathon-Sonntag mit einem breiten Grinsen durch den Zielbereich läuft, ist das sehr gut investiertes Geld, hat das verwinkelte Köln mit seinen kleinteiligen Straßen doch endlich bewiesen, dass auf ihnen auch international anerkannte Top-Zeiten, selbst wenn es in Nippes auf der Neusser Straße immer noch diesen Wurmfortsatz mit der vermaledeiten 180-Grad-Wende gibt. Weil sonst am Ende 80 Meter fehlen würden.

Anna-Maria Bauer und ihr Freund Thomas Junk

Anna-Maria Bauer und ihr Freund Thomas Junk

Warum es die Kölner am Marathon-Sonntag immer in Heerscharen auf die Straße treibt, sind aber ganz andere Geschichten. Wie die von Anna-Maria Bauer (38), die im Funkemariechen-Kostüm nach 42 Kilometern und mehr als fünf Stunden auf der Ziellinie auf die schmerzenden Knie fällt, um ihrem Freund und Mitläufer Thomas Junk (58) einen Heiratsantrag zu machen. Der hat unterwegs 120 Tüten mit Gummibärchen mitgeschleppt und verteilt, auf dem das Funkemariechen abgebildet ist, von dem Antrag aber nichts gewusst. „Wir haben uns im Triathlon-Camp auf Mallorca kennengelernt“, sagt Anna-Maria Bauer. Seit 2023 laufen sie nun schon gemeinsam durchs Leben, wobei er sich ihrem Tempo angepasst hat.

Läuferinnen kommen als Kuh

Rena und Janika aus Halle an der Saale und Heeren in den Niederlanden haben kurz vor dem Halbmarathon sogar ein Pärchen-Kostüm für sich entdeckt. Sie laufen gemeinsam in einem Kuh-Kostüm durch die Veedel. „Wir wollten einfach nur mal Spaß haben und nicht auf Zeit laufen.“ Die Resonanz sei fulminant gewesen, versichern sie. „Die Kölner haben uns ununterbrochen zugemuht. Und manche Mitläufer wollten uns gar nicht überholen.“

Überholen unmöglich: Janika und Rena mit ihrer Kuh nach dem Zieleinlauf am

Überholen unmöglich: Janika und Rena mit ihrer Kuh nach dem Zieleinlauf am Dom.

Rund um den Marathon werden auch internationale Geschäfte abgewickelt. Zum Beispiel beim seit Jahren heiß diskutierten Thema, ob man es bei den ökologisch unbedenklichen, aber nicht gerade beliebten Holzmedaillen belassen sollte. Oder nicht doch wieder zum Metall zurückkehren sollte.

Diskussion über Holzmedaillen

Einer, der schon aus geschäftlichen Gründen eine Abneigung gegen Holz hat, ist Paul Selby. Der 80-Jährige kommt recht gemütlich im Laufschritt nach 21 Kilometern ins Ziel und begrüßt Kölns Marathon-Geschäftsführer sehr herzlich, weil er am Samstag einen Deal gemacht hat.

04.10.2026, Köln: Am 28. Generali Köln Marathon nehmen 41.000 Läuferinnen und Läufer teil. Foto: Uwe Weiser

Streckenrekorde im Blick: Marathon-Zuschauer auf der Tribüne im Ziel auf der Komödienstraße.

„Das fühlt sich einfach komisch an“, scherzt Selby, wiegt die Holzscheibe in seinen Händen, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Der gebürtige Brite lebt seit den 1970er Jahren in Johannesburg und ist eine Legende. Mehr als 700 Marathons hat er in den Knochen, doch das ist nichts gegen sein Geschäft, das er im Laufe seines Lauflebens aufgebaut hat

Selby sammelt nicht nur Marathon-Medaillen. Nein. Er entwirft und produziert sie seit Jahrzehnten in großem Stil. „Wer sich über 42 Kilometer so schindet, hat etwas Angemessenes verdient – und nicht bloß ein Stück Metall.“

Das ist sein Credo seit knapp 50 Jahren. 15 Millionen Selby-Medaillen sind seit den 1980er Jahren rund um den Globus umgehängt worden. In New York, London, Paris, in Berlin und natürlich auch in Köln. „Wir waren hier über Jahrzehnte im Geschäft, bis das Holz kam“, sagt Selby und lacht schon wieder. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Mit Michael Rosenbaum, dem Chef des Marathon-Vereins, hat er am Samstag klargemacht, dass er in Köln wieder einsteigt. Wahrscheinlich schon 2027. Wo der Deal vereinbart wurde? Natürlich in einem Brauhaus. Beim Kölsch. Wo sonst?

Der Medaillen-Millionär Paul Selby (rechts) mit Markus Frisch, Geschäftsführer der Kölner Ausdauersport GmbH.

Der Medaillen-Millionär Paul Selby (rechts) mit Markus Frisch, Geschäftsführer der Kölner Ausdauersport GmbH.

Die Medaillen werden aus recyceltem Zinn sein. Das ist zwar nicht ganz so umweltfreundlich wie die 30 Kilo Holz, die für die Medaillen derzeit gebraucht werden, aber eben wertiger. Ums Geld geht es Medaillen-Millionär Selby schon lange nicht mehr. Köln wäre nur ein Zubrot. Beim Berlin-Marathon, dem deutschen Flaggschiff, ist er schon seit 30 Jahren der Medaillionär. Und was sagt Geschäftsführer Markus Frisch zur Medaillen-Wende? Man müsse den Wünschen der Teilnehmenden entsprechen.

Kölner Marathon-Strecke wird vermessen

Zwischen den Letzten, die beim Halbmarathon ins Ziel humpeln, und den ersten Kenianern kommt einer durchs Ziel, der die Strecke grundsätzlich mit dem Fahrrad fährt. Detlev Ackermann ist auch eine Legende, ebenfalls ein Laufverrückter und seit ein paar Jahren der offizielle Streckenvermesser. Alle fünf Jahre müssen die Organisatoren nämlich den Nachweis erbringen, dass die Strecke wirklich 42,195 Kilometer lang ist. Und der Halbmarathon-Kurs 21,095. Das ist der Job von Ackermann. Der hat am Abend 63 Kilometer auf dem Fahrrad in den Knochen. Pro Kilometer gibt es einen Meter Sicherheitszuschlag.

04.10.2026, Köln: Am 28. Generali Köln Marathon nehmen 41.000 Läuferinnen und Läufer teil. Foto: Uwe Weiser

Noch frisch unterwegs: Marathonläufer nach dem Start auf der Deutzer Brücke. Foto: Uwe Weiser

Sollte in Köln wirklich mal ein Weltrekord gelaufen werden, wird der Kurs offiziell nachgemessen. Diese Blamage will man sich nicht vorstellen. Also brauchen die Kölschen einen wie Ackermann, auf den tausendprozentig Verlass ist.

Ansonsten ist alles vorbereitet – für den Weltrekord. Die Stimmung ist schon weltrekordverdächtig, die Medaillen werden auch die entsprechende Wertigkeit bekommen. Jetzt muss nur noch die 180 Grad-Wende in Nippes weg, die 80 Meter wird man ja wohl noch anderswo in den Kurs einbauen können. Und an den Prämien für noch schnellere Afrikaner muss noch gearbeitet werden.

Dann ist alles bereitet für den Weltrekord 2027. Was sind dagegen schon Olympische Spiele?