Herr Hermanns, in mehreren Ländern Europas ziehen bei Protesten Randalierer durch die Innenstädte. Wie beunruhigt sind Sie mit Blick auf Köln?
Als Polizeipräsident trage ich Verantwortung für die Sicherheit in Köln. Auf die heftigen Krawalle in europäischen Großstädten und die möglichen Auswirkungen auf Deutschland blicke ich mit Sorge – und das nicht nur aus beruflicher Sicht. Ich stehe an der Seite der Kölnerinnen und Kölner, für die solche Bilder unerträglich sind – und die Angst davor haben, dass der Funke der Gewalt auch zu uns überspringt.
Wo endet für Sie legitimer Protest – und wo beginnt das, was derzeit in Frankreich und Italien passiert?
Die Bilder von brennenden Barrikaden und dem Mob, der marodierend und plündernd durch Metropolen zieht und all das zerstört, wofür Menschen hart gearbeitet haben, machen mich wütend und fassungslos. Was wir gerade erleben, hat nichts mit Demokratie, nichts mit Meinungskundgabe und erst recht nicht mit Versammlungen zu tun, die unter dem Schutz unserer Verfassung stehen. Wir sehen pure Gewalt, die durch nichts zu rechtfertigen ist und auch nicht vor der Bevölkerung haltmacht.
Auch in Köln wollen am Samstag vor allem jüngere Menschen auf die Straße gehen, aus Frust über ihre Perspektiven. Wie sorgen Sie dafür, dass sie ihr Demonstrationsrecht wahrnehmen können, ohne dass die Lage kippt?
Ich habe großes Verständnis für die Anliegen der jungen Generation, die sich berechtigte Sorgen um ihre Zukunft in vielen Bereichen macht – bezahlbares Wohnen, Jobs, Lebensstandard und vieles mehr. Dafür zu demonstrieren und sich zu engagieren, ist ehrenwert. Wer aber glaubt, in Köln Veränderungen durch Anwendung von Gewalt erzwingen zu können, wird auf eine entschlossene Polizei treffen, die alles dafür tun wird, dass Versammlungen friedlich bleiben und Ausschreitungen gar nicht erst passieren. An Halloween am Samstag wird daher mit dem Leitenden Polizeidirektor Martin Lotz ein sehr erfahrener Polizist den Einsatz führen. Ein Restrisiko wird aber bleiben und deshalb appelliere ich insbesondere an die jungen Menschen in der Stadt, sich nicht in gewalttätige Proteste hineinziehen zu lassen und sich von Krawallmachern zu distanzieren.
Was kann jeder Einzelne tun, damit der Tag ruhig verläuft?
Wir hoffen, dass sich der ganz überwiegende Teil der Menschen bewusst ist, dass wir nur dann diese hässlichen Bilder der Gewalt verhindern können, wenn wir zusammenstehen. Deshalb rufe ich auch alle Kölnerinnen und Kölner auf, die Augen offen zu halten und uns als Polizei zu informieren, wenn in der Halloweennacht etwas aus dem Ruder zu laufen droht.

