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Rennen am 17. MaiMehr Teilnehmer, mehr Budget - Warum es beim Radklassiker „Rund um Köln“ so gut läuft

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Über die Severinsbrücke geht es für die Sportler auch in diesem Jahr ins Rechtsrheinische.

Über die Severinsbrücke geht es für die Sportler auch in diesem Jahr ins Rechtsrheinische.

Zum 108. Mal startet „Rund um Köln“ am 17. Mai. Erstmals seit 2019 ist das Rennen für die Veranstalter kein Verlustgeschäft mehr.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten, in denen Markus Frisch in Köln Ausdauerveranstaltungen verantwortet, ist er stets mit einer gewissen Anspannung in das neue Veranstaltungsjahr gegangen. An vielen der Stressfaktoren – steigende Kosten oder behördliche Auflagen etwa – hat sich auch in diesem Jahr nicht viel verändert. Und doch ist etwas anders, das Frisch 2026 deutlich lockerer ins Jahr starten ließ. „Wir erleben gerade einen Riesenboom“, sagt Frisch, der sich als Geschäftsführer der Kölner Ausdauersport GmbH das ganze Jahr über mit einem Thema beschäftigt, das in der breiten Gesellschaft immer größer wird. Das merken die Veranstalter am Andrang auf die Startplätze beim Köln-Marathon genauso wie beim Rad-Klassiker „Rund um Köln“, der am Sonntag, 17. Mai, im Rheinauhafen bereits zum 108. Mal startet.

Markus Frisch ist Geschäftsführer der Kölner Ausdauersport GmbH.

Markus Frisch ist Geschäftsführer der Kölner Ausdauersport GmbH.

2019 vertraute Organisator Artur Tabat sein Herzensprojekt „Rund um Köln“ der Kölner Ausdauersport GmbH an. Damals zählte der Klassiker rund 3000 Teilnehmer – der Etat lag bei 300.000 Euro. Sieben Jahre, zwei Corona-Absagen und einen wirtschaftlich schwierigen Neustart später, hat das Unternehmen das Budget mehr als verdreifacht: auf nun 1,1 Millionen Euro. Neben dem Profirennen sind aus den 3000 Hobbyfahrern im Jedermann-Rennen rund 8500 geworden, die am Sonntag ab 9 Uhr über Distanzen von 30, 60 oder 120 Kilometern an den Start gehen. Es könnten sogar deutlich mehr sein, doch der Veranstalter deckelt die Teilnehmerzahl aus Sicherheitsgründen.

Genau wie beim Köln-Marathon wird das Teilnehmerfeld auch beim Rad-Klassiker „Rund um Köln“ immer jünger und weiblicher. Das steigende Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung und der Wunsch nach analogen Zusammenkünften in einer digitalisierten Welt seien die Hauptgründe für den Boom. Sogenannte Running Clubs und Social Rides, die sich oft in den sozialen Medien formieren und bei denen Menschen unverbindlich gemeinsam Ausdauersport treiben, sind in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen. „Das ist ein großer Trend, der hoffentlich noch ein paar Jahre anhält“, sagt Markus Frisch. Und ein Trend, der mit dafür verantwortlich ist, dass alle „Rund um Köln“-Startplätze seit Monaten ausgebucht sind. 

„Rund um Köln“: 30 Aussteller bei Bike Expo im Rheinauhafen

Erstmals seit 2019 wird „Rund um Köln“ eine schwarze Null schreiben. Das liegt an der wachsenden Begeisterung der Hobbysportler fürs Radfahren, aber auch daran, dass die Überzeugung für den Radsport auch bei den Sponsoren angekommen ist. Neu dazugekommen ist in diesem Jahr der Dienstrad-Leasing-Anbieter Eurorad. „Was uns für ‚Rund um Köln‘ noch fehlt, ist ein Hauptsponsor“, sagt Frisch. Der würde wirtschaftlich noch mehr Spielraum ermöglichen.

Der Startschuss ertönt wie gewohnt im Rheinauhafen, der am ganzen Wochenende im Zeichen des Radsports steht. Am Samstag und Sonntag präsentieren sich dort bei der „Bike Expo“ rund 30 Aussteller rund um das Thema Radsport.

Trotz der vielen positiven Entwicklungen bleibt bei den Organisatoren das alte Ärgernis über den Umgang des WDR mit dem Rad-Klassiker. Den Stream des Profirennens produzieren die „Rund um Köln“-Macher selbst, der WDR überträgt ausschließlich im Internet auf seiner Sportschau-Seite. Für Argumente könnte ein Aufstieg von der dritten in die zweite Renn-Kategorie des Radsport-Weltverbands UCI sorgen, den Frisch und sein Team anstreben. Im vergangenen Jahr funktionierte dieser Aufstieg nicht, was bei Frisch für Unverständnis sorgte. Das Reglement sei veraltet und beinhalte Rahmenbedingungen und Voraussetzungen, die heutzutage nicht mehr realistisch umzusetzten seien. Sinnvolle Argumente für den Aufstieg – Sicherheitsstandards, organisatorische Qualität oder der Traditionsfaktor – gebe es genug, ist Frisch überzeugt.

Radklassiker: Profis fahren in Bensberg dreimal den Schlossberg hoch

Erneut haben die Veranstalter einige Anpassungen in der Streckenführung vorgenommen. Um den Start zu entzerren, startet zunächst das 60-Kilometer-Rennen, im Anschluss das Rennen über die doppelte Distanz. Über die Severinsbrücke geht es ins Rechtsrheinische, in Rath-Heumar trennen sich die beiden Routen, die je nach Länge durch Lohmar, Overath, Kürten, Wipperfürth und Bergisch Gladbach führen. Neu im Eliterennen: Gleich dreimal geht es für die Profis den Berg am Schloss Bensberg hoch.

Vier World-Teams der höchsten Kategorie werden im Profirennen an den Start gehen. Dazu kommen sechs UCI Pro-Teams und 13 Continental-Teams. Welche Top-Fahrer die einzelnen Mannschaften nach Köln schicken, entscheidet sich erst kurz vor dem Rennen. Fest eingeplant ist der Start des Kölner Profis und „Rund um Köln“-Siegers 2022, Nils Politt, der eine deutsche Nationalmannschaft zusammenstellt. Renndirektor ist Ex-Profi Andre Greipel.


Wer steht hinter „Rund um Köln“

Hinter den großen Kölner Ausdauersport-Events steht der gemeinnützige Kölner Verein für Ausdauersport. Die praktische Umsetzung – also Planung und Durchführung der Veranstaltungen – läuft über die Tochtergesellschaft des Vereins, die Kölner Ausdauersport GmbH. 

Ende 2019 wurde der Kölner Verein für Marathon im Zuge der Übernahme des Radrennens „Rund um Köln“ sowie des Köln-Triathlon umbenannt. Vorsitzender des Vereins für Kölner Ausdauersport ist seit Ende 2025 Michael Rosenbaum, unter anderem Gründer einer Unternehmensberatung und geschäftsführender Gesellschafter der Brauerei zur Malzmühle.