Stefan Knittler feiert sein 20-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Konzert im Gloria und präsentiert P/op-Kölsch-Hits und neue Songs.
Zwischen Leidenschaft und LohnsteuerkarteStefan Knittler feiert 20-Jähriges mit Konzert im Gloria

Stefan Knittler meldet sich nach einer Auszeit mit neuen Songs zurück.
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Es gab nicht nur ein Konzert, bei dem Stefan Knittler draufzahlen musste. Die Musiker seiner Band zahlt er aus eigener Tasche. Hinzu kommen weitere Kosten, nicht nur für den Transport des Equipments. Aber all das ist es ihm wert: mit einer ausgezeichneten Band auf der Bühne zu stehen, die Energie der Musik zu spüren und zu sehen, wie sie sich auf das Publikum überträgt.
Stefan Knittler: Seit 20 Jahren auf der Bühne
Es ist dieser Widerspruch, der das Leben des Kölner Musikers seit 20 Jahren bestimmt. Auf der einen Seite: ein Künstler, der im Zuge der Loss- mer-singe-Bewegung in der Stadt bekannt wurde und dessen Format „P/op Kölsch“ jede Menge Fans gewann: Englischsprachige Hits bekommen einen kölschen Text. So wurde etwa aus „Purple Rain“ von Prince der „Rude Rän“. Auf der anderen Seite: ein Mann, der hauptberuflich als IT-Systembetreuer arbeitet, weil die Musik allein die Familie nicht ernährt. „Der Job ist vor allen Dingen notwendig, um die Familie am Laufen zu halten, um das alles bezahlen zu können, was man so bezahlen muss“, sagt Knittler nüchtern.
Elf Jahre lang hat Knittler P/op-Kölsch gemacht, rund 140 Songs wurden ins Kölsche übertragen. Dann zog er den Stecker. „Ich bin zu oft in den roten Bereich gegangen, was meinen Energiehaushalt angeht“, blickt der 59-Jährige zurück. „Wenn ich etwas mache, mache ich es mit Leidenschaft und Engagement und hänge mich rein.“ Irgendwann war ein Punkt erreicht, sagt Knittler, wo es nicht mehr ging: „Ich musste auf die Bremse treten, weil es mich sonst irgendwann umgehauen hätte.“
Stefan Knittler: Auszeit auf Mallorca
Stefan Knitller nahm sich eine Auszeit. Unter anderem zog er sich einen Monat auf eine Finca auf Mallorca zurück – ganz allein, nur mit seinem Musiker-Equipment, mitten auf dem Land. „Ich habe versucht, mich mal wieder nur auf mich zu besinnen“, erzählt er. Das Ergebnis: Musik. Gleich mehrere Songs sind auf Mallorca entstanden, einer davon am letzten Tag, als die Koffer schon gepackt waren. „Da kam noch etwas, ich musste die Gitarre wieder auspacken, schnell das Diktiergerät anstellen, und da hatte ich plötzlich fast einen fertigen Song. Es floss so schnell, ich konnte kaum noch den Text tippen.“
Nachdem die Selbstheilungskräfte gewirkt haben, ist Knittler wieder voller Tatendrang – zumal es sein Jubiläumsjahr ist: Vor 20 Jahren begann seine Karriere. „Das Beste“ aus zwei Jahrzehnten sowie ausgewählte P/op-Kölsch-Songs präsentiert er am 7. September bei einem Konzert im Gloria. Der Kartenvorverkauf hat begonnen.
Jubiläumskonzert im Gloria
Drei bis vier neue Songs will Knittler bis dahin fertig produziert haben. „Das ist ein Invest“, sagt er schlicht. Der Kölner steht exemplarisch für eine ganze Generation von Musikern, die zwischen künstlerischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität zerrieben werden. Die Zeiten, in denen Plattenfirmen Vorschüsse zahlten und Künstler ins Studio schickten, sind vorbei. Mit CD-Verkäufen wird längst kein Geld mehr gemacht, bei Streaming-Diensten wie Spotify erwirtschaften Künstler pro Songaufruf im Schnitt 0,3 bis 0,5 Cent. „Heutzutage Musik aufzunehmen, heißt eigentlich, in Vorleistung zu gehen. Und du kriegst das Geld sehr wahrscheinlich nicht wieder.“
Konkret bedeutet das: Wer fünf, sechs Songs professionell produzieren will, muss 20.000 bis 30.000 Euro investieren. Dabei hat sich nicht nur die Finanzierung verändert, sondern auch das Hörverhalten. „Es hört keiner mehr ein ganzes Album“, stellt Knittler fest. Die Studio-Profis raten ihm inzwischen: „Vergiss das Album, mach Song für Song, das funktioniere auf Spotify besser.“
Was Knittler von vielen Kollegen in der kölschen Musikszene unterscheidet, ist sein Anspruch an die Texte. Statt das Publikum zum Mitmachen zu animieren, setzt der Sänger aufs Zuhören. So greifen auch die neuen, auf Mallorca entstandenen Songs gesellschaftliche Themen auf. Einer handelt von mentaler Gesundheit, ein anderer verarbeitet auf sarkastische Art die Endzeitstimmung, die viele derzeit empfinden. Titel: „Hurra, wir sind am Arsch.“ Musikalisch reicht die Bandbreite von Pop über Rock bis hin zu irischen Einflüssen. Stilistisch passt Knittler in keine Kölsch-Schublade.
Er versuche das herzustellen, was er selbst mag, was er selbst hören will. Dass er damit seit 20 Jahren ein Publikum findet, das auch am 7. September im Gloria bereit ist, ihm dreieinhalb Stunden zuzuhören, sei nach wie vor sein Antrieb. Mit der Musik aufzuhören, kann Stefan Knittler ohnehin nicht: „Ich habe wirklich mehr als einmal gesagt: Komm, das war es jetzt. Aber ich kann es nicht lassen.“
