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Angespannter WohnungsmarktStadt Köln sucht Wohnungen für Tausende Flüchtlinge

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Flüchtlingsheim Herkulesstraße 180523

Das Flüchtlingsheim an der Herkulesstraße (Symbolbild)

Köln – Die Stadt verstärkt ihre Bemühungen, geflüchtete Menschen aus städtischen Unterkünften in den regulären Wohnungsmarkt zu integrieren. Dafür soll das Konzept des Projekts Auszugsmanagement vom 1. September an erweitert werden, um die Zusammenarbeit mit den beteiligten ehrenamtlichen Initiativen zu verstärken. Das teilten die Verantwortlichen am Mittwoch im Deutzer Stadthaus mit. Bereits 2011 ist das Auszugsmanagement als gemeinsames Projekt der Stadt mit den drei Trägern Rotes Kreuz, Caritas und Kölner Flüchtlingsrat gegründet worden. Die Stadt steht laut Gesetz in der sogenannten Unterbringungspflicht – die schreibt vor, dass geflüchtete Menschen vor Obdachlosigkeit zu bewahren sind.

„Derzeit sind noch 7616 Geflüchtete in Einrichtungen der Stadt untergebracht“, sagte Josef Ludwig, Leiter des Amts für Wohnungswesen, in dem das Projekt angesiedelt ist. Die Zahl sinke seit Jahresbeginn zwar kontinuierlich, dennoch soll mit der Hilfe von acht hauptamtlich beschäftigten Mitarbeitern dazu beigetragen werden, für die Menschen angemessene Unterkünfte zu finden. In der Vergangenheit hätten sich viele Ehrenamtler mehr fachliche und personelle Unterstützung gewünscht. In Abstimmung mit Trägern, Verwaltung und Vertretern des Ehrenamtes würden die Träger darum künftig etwa offene Beratungstermine zur ersten Orientierung, Einzelfallgespräche sowie Workshops zum Thema Wohnungssuche und Umzug anbieten, so Ludwig weiter. „Das wird angesichts der angespannten Lage auf dem Kölner Immobilienmarkt eine nur über Jahre hinweg zu bewältigende Aufgabe sein“, räumte er ein.

Ausreisen

126 Menschen abgeschoben

Die Ausländerbehörde hat im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 126 Männer, Frauen und Kinder aus Köln abgeschoben. Im Vergleich mit den vorausgegangenen sechs Monaten ist die Zahl der erzwungenen Ausreisen damit um 102 gesunken. Das geht aus einer an den Stadtrat gerichteten Mitteilung der Verwaltung hervor.

27 der abgeschobenen Personen seien Straftäter, einer gelte als Gefährder, heißt es in dem Bericht. Weitere 97 Abschiebeverfahren hätten aus unterschiedlichen Gründen ausgesetzt werden müssen. In einigen Fällen sei eine freiwillige Ausreise erfolgt, in anderen habe der Gesundheitszustand der Ausreisepflichtigen eine Reise nicht zugelassen. Teils hätten die Betroffenen Rechtsschutzanträge gestellt, teils sei ihr Aufenthaltsort unbekannt.

Die jeweilige Anzahl der einzelnen Gründe für Abschiebungen wird statistisch nicht erfasst. Die meisten erfolgten in die Balkanstaaten Mazedonien, Serbien und Albanien.

Zum Jahreswechsel lebten im Stadtgebiet nach Angaben der Verwaltung 6000 ausreisepflichtige Menschen, deren Aufenthalt von der Ausländerbehörde geduldet wird. Mehr als 2200 durften wegen fehlender Reisedokumente vorerst in der Bundesrepublik bleiben. In 224 Fällen stand eine begonnene Ausbildung der Ausreise entgegen. Mehr als 80 Prozent der geduldeten Personen befinden sich seit mehr als zwei Jahren in Deutschland, jeder zwölfte seit mehr als 15 Jahren.

Aktuell befinden sich 1696 geflüchtete Menschen in der Betreuung des Auszugsmanagements. Das entspricht 458 Haushalten. Im Jahr 2017 wurden laut Stadt 537 Personen in 189 Wohnungen vermittelt, 2018 erhielten 426 Menschen in Köln 144 Wohnungen. Bis zum 30. Juni 2019 sind 173 Geflüchtete in 53 Wohnungen vermittelt worden. Die sinkende Zahl der erfolgreichen Vermittlungen hängt laut Sozialdezernent Harald Rau mit der „allgemein sehr schwierigen Lage“ auf dem Wohnungsmarkt zusammen.

„Die ehrenamtlichen Helfer sind eine große Bereicherung bei der wichtigen Aufgabe, Menschen den Umzug in eine eigene Wohnung zu ermöglichen“, sagte Rau am Mittwoch. „Die Unterbringung in städtischen Einrichtungen sollte stets nur eine Übergangslösung sein.“

Das Know-how der Ehrenamtler bei der Suche nach geeignetem Wohnraum, die Begleitung der Menschen bei Wohnungsbesichtigungen und Behördengängen, auch, um beispielsweise Sprachbarrieren zu überwinden – von diesen Kompetenzen will die Stadt profitieren. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die ehrenamtlich Engagierten in ihren Veedeln sehr gut vernetzt seien und besser Zugang zum Kölner Wohnungsmarkt zu bekämen. Außerdem unterstützten sie die von ihnen betreuten Geflüchteten bei Behördengängen und in der ersten Zeit nach dem Umzug aus einer städtischen Unterkunft in privaten Wohnraum.

Da die Zahl der Ehrenamtler in Köln in den vergangenen Jahren allerdings stagniere, solle ihre Arbeit Rau zufolge so gut wie möglich unterstützt werden. So bringe die Stadt auch ihre Wertschätzung zum Ausdruck. Die beauftragten Träger der Flüchtlingshilfe beraten darüber hinaus interessierte Vermieter bei der Auswahl der Mieter und begleiten den Prozess bis zur Vermittlung. „Das alles trägt dazu bei, die Integration von Flüchtlingen in die Stadtgesellschaft zu erleichtern“, sagt Rau.

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