Abo

Probeliegen im Sarg„Tag des guten Sterbens“ soll den Tod aus der Tabuzone holen

Lesezeit 3 Minuten
Damm_Jäckel_01_Kulturkommando-Koeln

Die Organisatorinnen Tina Damm und Claudia Jäckel.

Köln – Jeder Kölner kennt den Tag des guten Lebens. Der autofreie Tag, an dem sich die Nachbarschaft eines Veedels mit vielen kreativen Aktionen ihrer Lebendigkeit versichert. Den Tag des guten Sterbens dagegen, den gibt es an diesem Sonntag zum ersten Mal in Ehrenfeld. Terminlich angelehnt an den jährlich am 8. August stattfinden Memento Tag, der die Themen Sterben, Tod und Vergänglichkeit wieder mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein bringen will.

Genau das ist auch das Ziel der Macherinnen des Tags des guten Sterbens: „Wir möchten Tod und Sterben aus der Tabuzone rausholen und darüber ins Gespräch kommen“, erzählt Tina Damm von Kulturkommando Köln. , die das Event gemeinsam mit der Bestatterin, Trauer- und Sterbebegleiterin Claudia Jäckel organisiert hat.

Dabei soll es keineswegs nur traurig zugehen, sondern humorvoll, facettenreich und informativ: Die Palette der Angebote am Tag des guten Sterbens reicht von Probeliegen im Sarg über Informationen zu nachhaltigen Bestattungen, Beratungen zu Vorsorgevollmacht und Bestattungsvorsorge bis zu einer Trauerbar. Aber auch Konzerte, Ausstellungen und Gesprächsangebote etwa zum Thema Nahtoderfahrungen sind Teil des Programms. Auch eine Ärztin des Palliativnetzwerks ist vor Ort und informiert darüber, wie gutes Sterben mit medizinischer Begleitung gelingen kann.

Alles zum Thema Konzerte in Köln

Stargast ist Mark Benecke

Höhepunkt ist dann am Abend als Abschluss die Vorführung des Films „Schweinchen“ mit dem Kriminalbiologen Mark Benecke, alias Doktor Made. Auch eine Ärztin des Palliativnetzwerks ist vor Ort und informiert darüber, wie gutes Sterben mit medizinischer Begleitung gelingen kann. Die Veranstaltung findet am Sonntag ab 12 Uhr im Ehrenfelder Wandelwerk in der Liebigstraße. In dem leer stehenden knapp 5000 Quadratmeter großen alten Autohaus, das sich Transformationszentrum für den sozial-ökologischen Wandel nennt, werden mit vielen Projekten und Veranstaltungen Visionen für die menschengerechte Stadt von Morgen entwickelt.

„Mein Hauptanliegen ist, zu informieren und den Menschen die Angst zu nehmen“, sagt Bestatterin Jäckel. Sie ist unter anderem mit einem Vortrag zum Thema „Beerdigung wie geht das?“ vertreten. Außerdem informiert sie über die verschiedenen Bestattungsarten. Ihrer Erfahrung als Bestatterin nach, ist es wichtig, sich schon zu Lebzeiten damit auseinanderzusetzen, was man im Hinblick auf sein Lebensende für sich selber will. „Kinder haben oft Hemmungen, ihre betagten Eltern zu dem Thema zu befragen und die Eltern ihrerseits wollen die Kinder schonen. Am Ende spricht dann keiner.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Daher soll der Tag ein bisschen die Schwelle senken. Auch Humor helfe, sich dem Thema zu nähern, erläutert Jäckel so unkonventionelle Aktionen wie das Probeliegen im Sarg, das man dann anschließend auf Instagram postet. „Das machen ja eh eher jüngere Leute, die dann darüber ungezwungenen über Tod und Sterben ins Gespräch kommen." Tina Damm hat nach dem frühen Tod ihrer Mutter am eigenen Leib erlebt, wie viel Unsicherheit ihr im Bekanntenkreis begegnet ist. „Viele ziehen sich dann aus diesem Grund von Trauernden zurück, was für den Trauernden sehr schwierig ist.“ Ein Teil ihrer Freundinnen sei sprachlos ihre Freundinnen und habe sich aus Unsicherheit zurückgezogen. „Solcher Unsicherheit zu begegnen durch einen Tag wie diesen, das ist mir ein großes Anliegen.“

Für das Tagesprogramm ist der Eintritt frei. Es ist keine Voranmeldung erforderlich. Einlass allerdings nur komplett geimpft, negativ getestet (der Test darf maximal 48 Stunden alt sein) oder nachweislich genesen. Im Gebäude ist Maskenpflicht außer im Café oder an den festen Plätzen bei den Vorträgen und Konzerten. Für die ebenfalls kostenfreie Veranstaltung mit Mark Benecke muss man sich Online anmelden. Der Film „Schweinchen“, der eine von Benecke dokumentierte Verwesungsstudie dokumentiert, ist freigegeben ab 18 Jahren. Einlass für die Abendveranstaltung ist 19.30 Uhr, Beginn 20.30 Uhr.

KStA abonnieren