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Köln früher und heuteStadtgarten erzählt 200 Jahre Kölner Geschichte

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Die Restauration im Stadtgarten 1890.

So sah die Restauration im Stadtgarten 1890 aus.

Vor fast 200 Jahren angelegt, oft umstritten und immer wieder verändert. Warum der Stadtgarten bis heute unverzichtbar ist.

Nicht jeder war zufrieden mit dem neuen Erscheinungsbild des Stadtgartens. Ein Leser des „Kölner Lokal-Anzeiger“ beklagte 1888 die lichte Bepflanzung: „Jetzt ist der Garten so kahl gemacht, daß man fast von jedem Standpunkt aus den früher verdeckten unschönen Eisenbahndamm sehen kann.“ Auch die Nachtigallen, „einst Stolz und die Freude der Kölner“, würden auf diese Weise wohl das Weite suchen. Eine andere Stimme hielt es für unpassend, dass der neue Saal der Restauration noch kleiner geplant sei als der alte.

Doch als im Herbst 1890 der Neubau stand, die Pflanzen wuchsen und der Park von einem „gefälligen“ Eisengitter eingefasst war, schienen die Kölner sich arrangiert zu haben mit ihrem renovierten Kleinod: „Der wohlgepflegte Garten war den ganzen Sommer hindurch zahlreich besucht“, resümierte die Presse. Das gelte auch für die „Concerte“.

Der Stadtgarten in Köln wird bald 200 Jahre alt

Der Stadtgarten in der Neustadt-Nord ist die älteste städtische Parkanlage Kölns. Der Stadtrat beschloss ihren Bau im Jahr 1826, ein Jahr später ging es los. Damit feiert der Stadtgarten bald seinen 200. Geburtstag. Verändert hat sich der Jubilar seitdem enorm. Geblieben ist seine Bedeutung als Feier- und Erholungsstätte. Der Stadtgarten, wie auch der dazugehörige Konzertsaal an der Venloer Straße heißt, ist Park und angesagte Kunst- und Partylocation gleichermaßen.

Der heutige Biergarten im Stadtgarten.

Der heutige Biergarten im Stadtgarten.

Der wohl größte Einschnitt in der langen Geschichte ereignete sich in den 1880-er Jahren. Im Zuge der Stadterweiterung schrumpfte der Stadtgarten von rund elf Hektar auf die Hälfte. Ein Teil des westlichen Areals wurde an die Militärbehörde verkauft, ein weiterer Teil zum Ausbau der Bahnanlagen.

Erholungsflächen waren damals rar gesät in der Kölner Innenstadt

Die grundlegende Umgestaltung, die Gartendirektor Adolf Kowallek in der Folge veranlasste, hat in ihren Grundzügen noch heute Bestand: Der Stadtgarten nahm die Form eines Landschaftsparks mit geschwungenen Formen und großzügigem Wegesystem an. Auch die Umgebung wandelte sich stark: Die Stadtmauer fiel und machte der Neustadt Platz, die der gestutzten Grünfläche mit fünfstöckiger Wohnbebauung auf die Pelle rückte. Der Stadtgarten, früher zumindest topografisch eine Randerscheinung, lag nun mitten im Stadtgebiet.

„Gott sei Dank“ hätten die Planer der Neustadt ihn nicht komplett aufgegeben, sagt der frühere Stadtkonservator Ulrich Krings. Erholungsflächen waren damals wie heute äußerst rar gesät in der Kölner Alt- und Neustadt. Der Botanische Garten, die einzige innerstädtische Grünanlage, war 1857 zugunsten des Centralpersonenbahnhofs aufgegeben worden. Was den Kölnern seitdem blieb, war der Stadtgarten.

Der Stadtgarten wurde zu einem der bevorzugten Ausflugsziele der Kölner

Um ihn zu genießen, mussten sie in den ersten Jahrzehnten jedoch die Stadtgrenze verlassen. Weil es in Köln kaum Freiflächen gab, nahm der Park jenseits der mittelalterlichen Stadtmauer Gestalt an. Auf Empfehlung der „Commission für öffentliche Anlagen und Verschönerungen der Stadt“ kaufte die Stadt der Festungsbehörde ein elf Hektar großes Gelände am Bischofsweg, das sogenannte Ziegelfeld, ab, um den „allgemein beklagten Mangel an öffentlichen Anlagen“ zu beheben.

Eine Schmuckanlage diente den sonntäglichen Spaziergängen der Kölner, eine Baumschule der Versorgung Kölns und Umgebung mit Obstbäumen und Sträuchern. Eine erste Umgestaltung erfolgte von 1864 bis 1866, in dieser Zeit wanderten viele exotische Pflanzen aus dem Bestand des Botanischen Gartens in seinen Bestand. Kurz danach war auch das erste Restaurationslokal im Süden fertig. Der Stadtgarten avancierte zu einem der bevorzugten Ausflugsziele der Kölner, die besonders die Militärkonzerte am Restaurant zu schätzen wussten.

Der Nachfolgebau von 1890, errichtet im Stil der Neo-Renaissance, erlitt im Zweiten Weltkrieg starke Beschädigungen, besteht aber im Wesentlichen noch immer. „Das ist ein hochinteressanter Bau, der sich wahrscheinlich alle zehn Jahre verändert hat“, sagt Ulrich Krings. Erweiterungen in allen Formen und Farben prägen Restaurant, Café und Konzertsaal an der Venloer Straße. Im Grunde sei „das Ganze ein permanent verändertes Provisorium“, das es durchaus wert sei, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. „Je länger die Zeit voranschreitet, umso seltener werden diese Provisorien“, so Krings: „Weil sie, wenn sie nicht geschützt werden, abgerissen werden.“