Die Caritas Köln ist der größte Wohlfahrtsverband der Stadt. Eine Straßenbahn erinnert an die Gründung vor 111 Jahren.
„Gemeinsam, nit einsam“Caritas Köln feiert 111 Jahre Bestehen

Mit einer KVB-Linie feiert die Kölner Caritas ihr 111-jähriges Jubiläum.
Copyright: Alexander Schwaiger
„111 Jahre Caritas Köln – Gemeinsam, nit einsam“ ist auf der roten KVB-Stadtbahn zu lesen, die seit März auf das kölsche Jubiläum des größten Wohlfahrtsverbandes der Stadt aufmerksam macht. Am Donnerstag diente die Bahn am Rheinenergie-Stadion als Fotomotiv für ein Pressegespräch, zu dem die Kölner Caritas gemeinsam mit der KVB eingeladen hatte. Der Fokus richtete sich auf das Problem der Einsamkeit vieler Menschen in der Stadt und darauf, dass dem Einsatz ehrenamtlicher Kräfte, die sich bei den Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen engagieren, große Bedeutung zukommt.
„Als KVB bewegen wir nicht nur Menschen, sondern auch Themen, die unsere Stadtgesellschaft bewegen. Dass die Caritas-Bahn mit der Botschaft ‚Gemeinsam, nit einsam‘ durch Köln fährt, macht ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen für viele sichtbar und erinnert uns daran, wie wertvoll Zusammenhalt, Aufmerksamkeit und gegenseitige Unterstützung sind“, sagte KVB-Vorstandssprecher Marcel Winter.
Gründung während des Ersten Weltkrieges
Die soziale Not im Ersten Weltkrieg war der Anlass für die Gründung des Kölner Caritasverbandes am 18. Juli 1915. Was er in der Folge leistete, machte Vorstandssprecher Markus Peters mit einer Zahl deutlich: In den 1920er Jahren seien pro Jahr rund eine Million Essensportionen ausgegeben worden. Heute ist der Verband, der zu den Top-20-Arbeitgebern der Stadt gehört, Träger von 80 Diensten und Einrichtungen. 2300 hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind für ihn tätig; hinzu kommen 1600 Ehrenamtler.
Das Angebot umfasst unter anderem stationäre Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, Kitas, Wohnhäuser und Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Beratungsstellen, etwa für Arbeitsuchende und Flüchtlinge. Die Zuarbeit von ehrenamtlichen Kräften sei eine „prägende Konstante“, sagte Peters. „Sie unterstützen unsere hauptamtlichen Mitarbeitenden in wertvoller Weise und zeigen jeden Tag: Gemeinsam geht vieles besser. Daher ist es wichtig, starke Strukturen zu schaffen. Denn Ehrenamt ist unbezahlbar, aber nicht kostenlos: Es braucht Förderung, Räume, Zeit und verlässliche Unterstützung durch den Staat.“
Hilfe gegen Einsamkeit
Ein herausragendes Beispiel ist die Arbeit von Kölsch Hätz. Die Initiative des Kölner Caritasverbandes und des Diakonischen Werks des Evangelischen Kirchverbands Köln und Region wurde im Juni 1997 für die Stadtteile Mauenheim, Niehl und Weidenpesch gegründet. Heute werden die Nachbarschaftshilfen in rund 30 Stadtteilen geleistet; die Arbeit tragen etwa 600 ehrenamtliche Helfer, die etwa ein bis zwei Wochenstunden im Einsatz sind. Sie werden geschult, fortgebildet und von hauptamtlichen Fachkräften begleitet. Ehrenamtskoordinatoren sorgen dafür, dass sich passende Konstellationen von Helfern und denjenigen bilden, um die sie sich kümmern.
Ziel ist, Begegnungen im Stadtteil zu schaffen, Isolation entgegenzuwirken und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Nils Freund, Leiter des Stabs Engagement, Gesellschaft, Gemeinden bei der Caritas Köln, hob den Wert für den demokratischen Zusammenhalt hervor. Einsamkeit sei einer der Faktoren, die „an der Demokratie rütteln“, weil die Betroffenen das Vertrauen in die Gesellschaft verlieren würden. „Der Kampf gegen die Einsamkeit ist in der DNA des Christentums verankert“, das „keine Religion für Einzelkämpfer“, sondern der Gemeinschaft sei, sagte Stadtdechant Robert Kleine.
Nina Oxenius engagiert sich seit drei Jahren bei Kölsch Hätz. Als sie in den Ruhestand ging, war gerade ihre Mutter gestorben, gut begleitet von der Familie und Freunden. Das weckte in ihr den Wunsch, jemandem zur Seite zu stehen, dem diese Einbindung fehlt: „Ich wollte jemandem Zeit schenken.“ Von Kölsch Hätz wurde sie an eine jüngere, psychisch kranke Frau in Ehrenfeld vermittelt, um die sie sich seitdem kümmert. „Aus einer Begegnung ist eine vertrauensvolle Freundschaft entstanden, die bis heute trägt“, sagt sie. Inzwischen ist sie nicht nur Begleiterin, sondern in Ehrenfeld, wo zurzeit fast 60 Helfer und Helferinnen tätig sind, auch Koordinatorin. Ihre Erfahrung lässt sie sagen: „Es ist erschreckend, wie einsam manche Menschen sind.“
