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Falscher Bauantrag wohl ohne FolgenKölner Escape-Room-Gründer darf auf Genehmigung am Ebertplatz hoffen

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Unternehmensgründer Nastas Stolyar will am Ebertplatz einen Escape-Room eröffnen, der sich vor allem auf Kinder und Jugendliche spezialisiert. Nach vielen Hindernissen scheint das jetzt doch noch zu gelingen.

Nach neun Monaten voller Rückschläge kann der Kölner Firmengründer darauf hoffen, dass sein Escape-Room am Ebertplatz doch noch zustande kommt.

Dies ist eine Geschichte, an deren Ende es nur Gewinner geben könnte. Das Eigelstein-Viertel mit dem Ebertplatz, der ein wenig attraktiver werden könnte. Eine Stadtverwaltung, die einem Firmengründer aus der Patsche und damit aus der drohenden Pleite hilft, und einen erfahrenen Kommunalpolitiker, der das alles mit viel Geschick und Geduld eingefädelt hat.

Aber der Reihe nach. Als Nastas Stolyar (42) im August 2025 per Zufall auf dem Ebertplatz auf zwei Politiker der FDP trifft, die dort im Kommunalwahlkampf über zugeparkte Rettungswege und wegfallende Parkplätze diskutieren, ist er mit den Nerven am Ende. Der Wirtschaftsinformatiker hat sein ganzes Privatvermögen in ein Projekt gesteckt, um ein leer stehendes Ladenlokal mit Zugängen zum Eberplatz und Eigelstein in einen Escape-Room zu verwandeln.

Das interaktive Spielkonzept, bei dem eine Gruppe in einen thematisch gestalteten Raum eingeschlossen wird und innerhalb eines Zeitlimits ein Szenario lösen muss, hat sich in Großstädten als beliebte Freizeitbeschäftigung etabliert. „Unsere Spiele sind überwiegend für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren konzipiert. So etwas gibt es im Rheinland noch nicht. Wir werden aber auch Team-Events anbieten.“

Falscher Bauantrag stoppt Projekt zunächst

Drei der zehn Spielräume sind fertig. 300.000 Euro investiert. Mit dem Köln-Spiel zum Beispiel könnte Stolyar sofort starten. Die Bauaufsicht hat sie schon abgenommen. Dann der Schock: Stolyars Architekt hat einen fehlerhaften Bauantrag eingereicht, den Bau als Versammlungsstätte angemeldet. Die Stadt Köln stuft Escape-Rooms aber als Vergnügungsstätte ein und lehnt den Antrag ab. Die sind am Eigelstein seit 1987 unzulässig. Mit dem Verbot wollte die Stadt „Spielclubs und Automatenhallen“ aus den Veedeln fernhalten. Dass in dem leeren Ladenlokal zuvor 13 Jahre lang ein Wettbüro von Tipster war, spielt bei der Entscheidung keine Rolle. Die Ablehnung ist auf dieser Grundlage rechtmäßig.

Stolyar hat schon alles versucht. Unterschriften in der Nachbarschaft gesammelt, den Bürgerverein Eigelstein und die Wirtschaftsförderung der Stadt Köln von seinem Projekt überzeugt. „In einem schwierigen Umfeld wie dem Ebertplatz mit Leerständen müsse man das doch als Bereicherung sehen. Zumal wir uns mit den Spielen auf Kinder und Jugendliche konzentrieren.“ Auch die Gastronomie rund um die Eigelsteintorburg werde davon profitieren.

Auch der Vermieter habe Einsicht gezeigt und die Miete zunächst gestundet. „Das war meine Rettung“, sagt Stolyar. „Sonst hätte ich aufgeben müssen.

FDP-Ratsherr Ralph Sterck wirkt auf Änderung des Bebauungsplans hin

Und noch einen kann er von dem Projekt überzeugen. Ralph Sterck, den Wahlkämpfer vom Ebertplatz. Der FDP-Ratsherr mit jahrzehntelanger Erfahrung, der früher selbst im Agnesviertel wohnte. Sein Versuch, für Stolyar im Baudezernat eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken, scheitert. „Der Baudezernent hätte das vielleicht mitgetragen. Aber letztlich ist es auf der Verwaltungsebene gescheitert. Das Rechtsamt war dafür, das Bauaufsichtsamt dagegen.“

Ich habe zuvor wieder bei allen beteiligten Ämtern angefragt, ob das ein gangbarer Weg ist
Ralph Sterck, FDP-Ratsherr

Auf Anraten des Rechtsanwalts, der Stolyar vertritt, nimmt Sterck einen zweiten Anlauf mit dem Ziel, den Bebauungsplan durch einen politischen Mehrheitsbeschluss zu ändern. „Ich habe zuvor wieder bei allen beteiligten Ämtern angefragt, ob das ein gangbarer Weg ist. Auch da gab es wieder keine einheitliche Meinung.“

Ralph Sterck geht volles Risiko, überzeugt die Fraktionen von CDU, SPD, die Grünen und Volt von seinem Plan, stellt den Antrag auf Änderung des Bebauungsplans mit Dringlichkeit wenige Stunden vor der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. „Das lief alles sehr geschmeidig, weil Herr Stolyar mit den anderen Fraktionen vorher auch im Gespräch war. So ist das einstimmig bei zwei Enthaltungen durchgegangen.“

Jetzt sei der Baudezernent am Zug. „Wir haben die einheitliche politische Meinungsäußerung hergestellt. Damit kann die Verwaltung gut arbeiten.“ Und so könnte es am Ende dieser Geschichte nur Gewinner geben.