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Mein VeedelDietmar Bär zeigt seine Genussorte in Köln

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Ein Mann in kariertem Sakko und Jeans läuft durch Weinreben.

Dietmar Bär auf dem Dach des Kölner Weindepots. Schon im Vorgänger-Laden von Markus Wittling kaufte er seinen Wein.

Bei einer Radtour von der Südstadt bis ins Agnesviertel zeigt der Genussmensch Dietmar Bär, wo er am liebsten einkauft und was er an seiner Wahlheimat schätzt. 

Dietmar Bär rollt gemächlich auf seinem dunkelgrünen Fahrrad auf den Treffpunkt zu. Die Caffé Bar am Ubierring hat er ausgesucht, weil sie ein Dreh- und Angelpunkt in seiner Kölner Biografie ist. Seit 1997 dreht Bär den Tatort in Köln. Zunächst wohnte er im Hotel, wenn er zu den Dreharbeiten in der Stadt war, dann besorgte ihm die Produktionsfirma eine Wohnung.

Ein Mann im karierten Sakko steht vor der Theke einer Kaffeebar. In der Hand hält er eine Espresso-Tasse.

Stärkung vor der Fahrt vom Ubierring bis ins Agnesviertel: Ein Espresso in der Caffé Bar muss sein.

Anfangs lag diese im Agnesviertel, später dann eben hier An der Bottmühle. Bär pendelte jahrelang zwischen Berlin und Köln. „Ich hatte viele Jahre zwei Wohnstädte“, erzählt Bär beim Espresso vor der Caffé Bar mit Blick auf das morgendliche Treiben im Herzen der Südstadt.

Ein Mann im Karo-Sakko mit Bart, Brille und grüner Kappe steht in einem Buchladen an der Kasse.

Immer Zeit für einen Plausch über die Ladentheke hat Dietmar Bär im Anderen Buchladen

Gegenüber liegt der Andere Buchladen. Dort versorgt sich Bär seit seiner Ankunft in der Kölner Südstadt mit Lesestoff. „Ich habe noch nie bei Amazon bestellt, Bücher schon gar nicht.“ Der 65‑jährige gebürtige Dortmunder ist ein Verfechter inhabergeführter Geschäfte im Besonderen und des stationären Handels im Allgemeinen. Im Buchladen nimmt er sich Zeit für den Plausch mit Kaya Huppertz, die heute hinter der Kasse steht. Gerade hat er den Roman „Alles muss so weiß sein“ der Journalistin Ute Wegmann gelesen und ist begeistert. „Es ist die Geschichte dreier Frauen, Großmutter, Mutter und Tochter, die die Zeit von 1930 bis 1990 widerspiegeln“, erzählt Bär, der Stammgast ist bei der LitCologne und seit Jahren mit Rilke-Lesungen durch die Republik tourt.

Auf der Ehrenstraße fährt ein Mann mit Kappe der Kamera entgegen.

Auf der Ehrenstraße: Dietmar Bär ist in Köln gerne mit dem Rad unterwegs, hier gerade zu seinem Lieblingsbäcker Zimmermanns.

Mit dem Rad geht es über die Bonner Straße, über den Zugweg zu einem weiteren absoluten Favoriten Bärs: dem Kerzenladen der Dänin Gitta Clausen. Entdeckt hat er ihn Anfang des Jahrtausends, als er noch in der Kurfürstenstraße war. Clausen macht Kerzen aus einem hochwertigen Wachs, den sie für ihre Kunden auch recycelt. Wer die Reste einer Windlichtkerze mit drei Dochten vorbeibringt, bekommt diese in Form einer normalen Kerze zurück. „Die habe ich schon so oft verschenkt“, sagt Bär, der auch im Sommer Kerzenfan ist. „Allein weil die Kerzen so leuchtende Farben haben, kann man sie sich immer hinstellen.“ Clausen, die auch für das dänische Konsulat arbeitet, erzählt vom kuriosen Fall eines Dänen, der mit Schwimmausweis statt Personalausweis ein Flugzeug geboardet hat, jetzt aber an einem Flughafen festhängt. Nach einem herzlichen Abschied mit Umarmung geht es wieder aufs Rad.

Ein Mann im karierten Sakko, mit Bart und grüner Kappe steht neben einer Frau mit blondem hochgestecktem Haar, weißer Bluse und Jeans. Vor ihnen auf einem Tisch stehen Kerzen in vielen Farben.

Das Kerzengeschäft von Gitta Clausen entdeckte Bär schon vor fast 30 Jahren, als es noch in der Kurfürstenstraße ansässig war.

Weiter geht es zur Severinstraße zur „Reisecke“ von Timo Klingen. Dort gibt es Onigiri, in Nori-Blätter eingewickelte Reisfladen mit verschiedenen Füllungen. „Ein Brötchen auf Japanisch“, nennt Klingen die Zwischenmahlzeit, die er auf Reisen nach Japan entdeckte und seit 2022 in der Südstadt verkauft. Beim Stopp auf der Bank vor dem Geschäft erzählt Dietmar Bär, dass seine Frau und er während des Lockdowns vor sechs Jahren überlegten, wo der nächste Lebensabschnitt stattfinden soll.

Ein Mann im karierten Sakko steht vor der Theke eines Imbissladens, dahinter ein junger Mann mit heller Kappe und Drei-Tage-Bart.

Bei Timo Klingen im Reiseck auf der Severinstraße ist Dietmar Bär seit Jahren Stammgast.

Die Entscheidung fiel dann für Köln. Seit drei Jahren leben sie in einer südstadtnahen Wohnung und genießen die Nähe zum Rhein. „Berlin hat einen komplett anderen Sound. Im Vergleich dazu lebt es sich in Köln ruhiger und auch das Radfahren ist nicht ganz so gefährlich.“ Ein Statement, das man nicht oft hört, aber Bär genießt das Radeln am Rheinufer zum Rodenkirchener Markt oder in die Stadt zu den anderen Märkten, die er schätzt. So auch der auf dem Severinskirchplatz oder an der Apostelnkirche oder auf dem Rudolfplatz.

Ein Mann im karierten Sakko mit grüner Kappe und Bart steht mit ausgebreiteten Armen vor einer Bäckerei.

Bei Zimmermanns führt am Schlangestehen kein Weg vorbei.

Vielleicht spielte bei der Entscheidung für Köln auch eine Rolle, dass es in Bärs ehemaligem Kiez Wilmersdorf kaum noch einen Metzger gab. Für den Metzgersohn aus dem Ruhrgebiet ein nicht tragbarer Zustand? Jedenfalls gefällt ihm die Auswahl, die vor allem auch die Severinstraße in dieser Hinsicht noch zu bieten hat. Über die Fahrradstraße, die parallel zum Ring Richtung Barbarossaplatz führt, geht es in wenigen Minuten in die Innenstadt. Auf der Ehrenstraße parken wir die Räder, Bär reiht sich in die Schlange vor der Bäckerei Zimmermann ein. Schwarzbrot mit Wal- und Haselnüssen steht auf seiner Einkaufsliste. „Der Rohmilchkäse vom Hof Bollheim, den ich auf dem Markt kaufe, passt wunderbar dazu.“

Ein Mann im roten Pullover und Weste zeigt einem Mann mit Bart und Kappe Orte auf einer Karte, die an der Wand hängt.

Markus Wittling zeigt eine alte Karte von Köln, die auf der Museumsetage im Kölner Weindepot hängt.

Ausgewählte Produkte direkt beim Erzeuger einkaufen, dafür nimmt  der Tatort-Kommissar auch schon mal weitere Wege in Kauf. Seinen Spargel holt er seit Jahren beim gleichen Erzeuger in der Eifel, „obwohl ich inzwischen auch näherliegende Höfe kenne“. Aber wenn es um gute Nahrungsmittel geht, ist Dietmar Bär treu. Auch wenn es um Traubensaft geht. Für unseren letzten Stopp geht es die Ringe zum Ebertplatz und weiter durch das Agnesviertel zum Weindepot. Familie Wittling kennt Bär, seit er 1999 im Agnesviertel seine erste Produktions-Wohnung bezog. „Damals hatten sie noch einen kleinen Laden an der Aral-Tankstelle.“ Inzwischen ziert der sprungschanzenartige Bau mit den Weinstöcken auf dem Dach das Grundstück zwischen Neusser Wall und Zoobrücke.

Inhaber Markus Wittling ist ein absoluter Wein-Enthusiast. Neben dem Weinhandel im Erdgeschoss hat er auf der ersten Etage ein Weinmuseum eingerichtet. Alte Stadtkarten zeigen, dass in Köln an sehr vielen Orten im Mittelalter Wein innerhalb der Stadtmauern angebaut wurde. „Man trank Wein, weil das Wasser oft verschmutzt war“, erzählt Wittling, dessen Großeltern im Jahr 1929 einen Feinkostladen im Agnesviertel eröffneten. Wittling lädt jeden Freitag und Samstag zur Weinprobe ein. An diesem Freitag stehen Weine aus der österreichischen Wachau zur Verkostung bereit.

Dietmar Bär ist bekennender Wein-Trinker, war selbst schon in der bekannten Weinlage an der Donau und trägt zufällig ein Sakko, das typisch ist für die Winzer aus der Region. Nach einigen Probier-Gläsern, bei denen er sich Notizen macht, entscheidet er sich für seinen Favoriten. Mit gut gefüllter Radtasche geht es wieder zurück Richtung Südstadt. Eine Tatort-Frage zum Abschied muss noch sein: Sein Lieblingsteam sind die Münchner. „Unerreicht ist natürlich Ulrike Folkerts, die am längsten von allen dabei ist“, sagt Bär. Toll findet er auch das Duo aus Saarbrücken. Und demnächst starten für ihn auch wieder die Tatort-Dreharbeiten. Ein neuer Fall, der 99., spielt wie immer, irgendwo in Köln, Dietmar Bärs Wahlheimat.


Dietmar Bärs Tipps:1) Caffé Bar, Ubierring 332) Der Andere Buchladen, Ubierring 423) Der Kerzenladen, Merowingerstraße 604) Reiseck, Severinstraße 255) Bäckerei Zimmermann, Ehrenstraße 756) Kölner Weindepot, Amsterdamer Straße 1