Der Erhalt der Zentralbibliothek stand lange auf der Kippe, ist jetzt aber beschlossen. Die Initiative hat weitere Kölner Bauwerke auf ihrer Liste.
Abriss von Gebäuden stoppen„Initiative.Umbau“ fordert, Köln solle mehr „graue Energie“ sparen

Außenansicht der beleuchteten Zentralbibliothek in der Nacht. Sie soll erhalten bleiben.
Copyright: Michael Bause
Statt Gebäude in Köln abzureißen, sollen sie erhalten und umgebaut werden. Dies fordert die neu gegründete „Initiative.Umbau“, zu der sich Architekten, Stadtplaner, Kulturschaffende, Studierende und andere Akteure zusammengeschlossen haben. Es gelte, die Bausubstanz zu bewahren und „die Stadt mit ihrem Bestand weiterzuentwickeln“, machten Mitglieder der Initiative am Donnerstag deutlich, als sie ihren Vorstoß erläuterten. Den Auftakt bildet ein offener Brief an die Oberbürgermeisterin, den Stadtrat und die Stadtgesellschaft, den rund 100 Erstunterzeichner unterstützen.
So, wie die Stadt bisher mit den Bestandsgebäuden umgehe, rücke ihr Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, in unerreichbare Ferne, sagte Yasemin Utku, Professorin für Städtebau und Planungspraxis an der TU Köln. „Abriss und Neubau sind gängige Praxis.“ Wolle die Stadt „zukunftsfähig“ sein, müsse sie „ein Bekenntnis zum Bestand abgeben“. Denn in jedem gebauten Gebäude stecke eine große Menge Energie, die nur erhalten werden könne, wenn das Bestehende wiederverwertet werde.
Liste von Gebäuden, die nicht verschwinden sollen
Sie wird als „graue Energie“ bezeichnet; das ist die Energiemenge, die für die Herstellung der Baumaterialien und die Errichtung eines Gebäudes aufgebracht wurde. Mit der Sanierung und Weiternutzung von Immobilien würden Ressourcen geschont, Abriss und Neubau dagegen erforderten ungleich höhere Mengen an Energie, und deren Verbrauch belaste durch den Ausstoß von Treibhausgasen das Klima, mahnen die Initiatoren. Neben dem Erhalt ökologisch wertvoller Substanz geht es ihnen auch darum, dass „baukulturelle Errungenschaften der Nachkriegsmoderne“ nicht aus dem Stadtbild verschwinden.
Auf der Homepage der Initiative sind Beispiele genannt, darunter das Justizzentrum an der Luxemburger Straße, die Zentralbibliothek, das Ingenieurwissenschaftliche Zentrum der TU in Deutz und eine Grundschule. Im Fall der Zentralbibliothek, die eine Zeitlang auf der Kippe zu stehen schien, hat der Stadtrat allerdings inzwischen entschieden, dass sie erhalten bleibt – im Gegensatz zum Justizzentrum, dessen Abriss nach langer Diskussion beschlossenen Sache ist. Man habe diese Beispiele in die Liste aufgenommen, um davor zu warnen, bestehende Gebäude vorschnell zur Disposition zu stellen, sagte Utku. Sie würden eher als Ballast und nicht als Chance und Ressource verstanden.
Forderungskatalog der Initiative
Städtebauer Friedrich Stotz präsentierte einen Forderungskatalog der Initiative. Dazu zählt, leerstehende Gebäude für Zwischennutzungen, die „ungeahnte Potenziale des Bestands“ zum Vorschein bringen könnten, zu öffnen, bei der Entscheidung zwischen Sanierung und Neubau nicht nur ökonomische Erwägungen im Blick zu haben und die Kosten für die Deponierung von „nicht mehr gewolltem Material“ zu erhöhen, um einen Anreiz für die Wiederverwendung zu schaffen.
Mit ihrem Vorstoß möchten die Initiatoren einen offenen Dialog zwischen Bürgerschaft, engagierten Akteuren, Stadtpolitik und Verwaltung anstoßen. Köln müsse zum Vorbild für eine Planungskultur werden, die Flächen und Gebäude der öffentlichen Hand gemeinwohlorientiert entwickelt. Jeder und jede ist eingeladen, die Liste der Beispiele um weitere gefährdete Bauten zu ergänzen. Am Mittwoch, 23. August, findet in der Karl-Rahner-Akademie, Jabachstr. 8, ein Podiumsgespräch über das Thema statt, an dem Verfasser und Verfasserinnen des offenen Briefs und Kommunalpolitiker teilnehmen. Beginn ist um 19 Uhr.